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Donnerstag, 21. März 2019

Aluminium

Schuss in den Ofen

Von Katharina Otzen | 14. Juni 2018 | Ausgabe 24

Strafzölle treffen die US-Firmen. Sie müssen mehr für Importe zahlen. Denn die USA produzieren nicht genug.

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Foto: dpa Picture-Alliance/Guido Kirchner

Aluminium aus der EU, Mexiko und Kanada wird in den USA weiter gefragt sein.

Am internationalen Aluminiummarkt herrscht wenig Hoffnung auf ein schnelles Ende des Handelskriegs. Jean-Claude Juncker, Präsident der EU-Kommission, spricht von „blankem Protektionismus“ der USA. Herbe Kritik kommt sogar von Marco Palmieri. Er steht als Präsident von Novelis an der Spitze eines der größten Produzenten von Aluminiumwalzprodukten. Zudem gehört Palmieri zum Präsidium der Aluminium Association.

„Die Kombination der von US-Präsident Donald Trump verhängten Strafzölle auf Aluminiumimporte und die Sanktionen der USA gegen den russischen Oligarchen Oleg Deripaska und sein Aluminium-Imperium Rusal hat den größten Aufruhr am Welt-Aluminiummarkt seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion ausgelöst“, kritisiert Palmieri. Er klagt weniger über die hohen Aluminiumpreise, sondern betont: „Wir haben schon höhere Preise für Aluminium erlebt als heute, aber was wir nur schwer vertragen können, ist die Unsicherheit.“ Die Aluminiumverarbeiter in den USA sehen sich laut Palmieri mit Problemen konfrontiert, an genügend Metall zu kommen, weil alles fast gleichzeitig passierte: erst die Strafzölle, dann die gegen Rusal verhängten Sanktionen und schließlich das Ende der Ausnahmeregelungen für Kanada, Mexiko und die EU.

Für Justin Trudeau, den Premierminister Kanadas, scheitert damit sein Versuch, die Nachbarn wieder enger aneinanderzubinden. „Dass Kanada nach 150 Jahren als engster und treuester Verbündeter die Sicherheit der USA gefährden sollte, ist unvorstellbar“, klagt er. Die Basis der Freundschaft zwischen beiden Staaten sei unter Beschuss. Kanada hat mit Importzöllen auf US-Produkte wie Segelboote, Stahl und Toilettenpapier im Wert von 12,8 Mrd. $ reagiert. Wirklich treffen könnte Trudeau Trump aber gerade bei Aluminium. Denn Kanada ist der Hauptlieferant der USA. Ausgerechnet Alcoa, der größte Aluminiumkonzern der USA, hat aber just das „Elysis“ genannte Joint Venture mit dem australisch-britischen Rohstoffkonzern Rio Tinto zur CO2-freien Aluminiumproduktion im kanadischen Quebec angesiedelt und nicht in den USA. Obendrein macht Apple bei diesem kanadischen Vorhaben ebenfalls mit.

Palmieri sieht in den USA keineswegs die von Trump beschworene Renaissance der Primäraluminium-Produktion kom

men. Century Aluminium, ein im Vergleich zu Alcoa kleiner US-Aluminiumproduzent, hat zwar begonnen, eine eingemottete Anlage wieder in Betrieb zu nehmen. Aber die erste Stufe kann frühestens 2019 in Betrieb gehen. Das ficht Century-Vorstandschef Michael Bless aber nicht an. Bless vertraut darauf, dass die von Trump verhängten Strafzölle „zum ersten Mal in Jahrzehnten für die US-Aluminiumindustrie ein gutes Umfeld schaffen“, vorausgesetzt, dass die „Ausnahmen begrenzt und das Strafzollregime effektiv“ bleiben. Für die Deckung des Aluminiumbedarfs aus heimischer Produktion nutzt aber die Produktion von Century wenig: Im ersten Quartal konnte Bless gerade 187 238 t Aluminium verschiffen.

Palmieri rechnet vor: „Wenn alle ihre stillgelegten Primäraluminium-Kapazitäten in den USA wieder in Betrieb nähmen, kämen wir bestenfalls auf 2 Mio. t aus heimischer Produktion – wir brauchen aber mindestens 5 Mio. t im Jahr.“ Nachdem weltweit schon 2017 bei Primäraluminium ein Defizit von mehr als 1 Mio. t bestand, spricht wenig dafür, dass sich dies 2018 schnell ändert, im Gegenteil: Die Probleme bei der Versorgung mit Tonerde, die zu Aluminium verarbeitet wird, haben erst in diesem Frühjahr begonnen und drohen weiter zu wachsen. Die Tonerderaffinerie Alunorte von Norsk Hydro in Brasilien, die größte Anlage der westlichen Welt, produziert wegen der Willkür verschiedener brasilianischer Behörden weiter nur mit halber Kraft. Wann die Rusal gehörende Raffinerie in Irland von Trumps Sanktionen freikommt, steht ebenfalls in den Sternen.

Eines hat Trumps America-First-Politik aber schon erreicht: Die Aluminiumpreise steigen. In der zweiten Hälfte von 2015 notierte das Leichtmetall an der London Metal Exchange (LME), der größten Metallbörse der Welt, mit nur wenig über 1430 $/t sehr niedrig. Bis Juni diesen Jahres stieg der Preis um über 60 % und Aluminium notiert nun mit um die 2300 $/t.

Während ein eskalierender Handelskrieg allen schadet, am meisten der US-Wirtschaft selbst, käme Deutschland noch solange gut davon wie es weiter nur so niedrige Importzölle auf Automobile gibt – heute liegen sie bei 2,5 %. Eine Erhöhung könnte deutsche Produzenten ziemlich hart treffen. Die deutschen Aluminiumexporte in die USA dagegen spielen mit nur 61 000 t kaum eine Rolle, räumt sogar der Verband Deutscher Metallhändler (VDM) in Berlin ein.