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Donnerstag, 21. Februar 2019

Fokus Wearables

Selbstvermessung to go

Von Jens D. Billerbeck, Regine Bönsch, Bettina Reckter | 30. August 2018 | Ausgabe 35

Tragbare Elektronik soll zu mehr Fitness und Gesundheit verhelfen. Aber nicht alle Wearables sind sicher und datenschutzfreundlich.

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Foto: mauritius images / Iain Masterton / Alamy

Wenn heute die Konsumelektronik- und Hightech-Messe IFA in Berlin ihre Pforten öffnet, stehen neben vernetzten Hausgeräten, neuester TV-, Video- und Audiotechnik auch zahlreiche kleine Geräte im Mittelpunkt, die ihre Trägerinnen und Träger auf Schritt und Tritt vermessen: Wearables, vom Smartphone bis zum Fitnesstracker, liegen voll im Trend. Laut den Marktforschern von IDC wurden im ersten Quartal dieses Jahres weltweit 25,1 Mio. dieser Helferlein abgesetzt.

Das, so die Analysten, war gegenüber dem Vorjahresquartal mit 1,2 % zwar ein nur geringes Wachstum, doch ist der Dämpfer dem Rückgang bei einfachen Wearables geschuldet. Komplexere tragbare Elektronik legte dagegen um satte 28,4 % zu. „Wir sehen deutliche Hinweise, wohin sich der Markt entwickeln wird“, sagte Jitesh Ubrani, Senioranalyst bei IDC. Noch mehr Sensoren, über Jahre gesammelte Vergleichsdaten und verbesserte Algorithmen seien die tragenden Säulen der Industrie. Sie könnten helfen, „Krankheiten und gesundheitliche Beeinträchtigungen zu erkennen“. Jedes dritte Wearable sei zudem via Mobilfunk verbunden, was neue Einsatzbereiche erschließe.

Wenn es um Gesundheit, Fitness und die Selbstvermessung geht, sind einerseits Datenschutz und IT-Sicherheit entscheidend, andererseits muss aber auch die Verlässlichkeit der gemessenen Daten gewährleistet sein. Insbesondere bei Produkten, die medizinische Daten erfassen, steht in Deutschland vor der Markteinführung deshalb ein entsprechender, oft zeitaufwendiger Zertifizierungsprozess.

Erkennbar ist, dass medizinische Wearables einen Nutzen haben können, wie erst vor wenigen Tagen das Bundesforschungsministerium mit dem Projekt „Gesundheitsregion der Zukunft Nordbrandenburg – Fontane“ bestätigte. „Die Studie konnte nachweisen, dass mit Telemedizin eine Lebensverlängerung erreicht werden kann“, erklärt Friedrich Köhler, Leiter des Zentrums für kardiovaskuläre Telemedizin an der Charité in Berlin. Die mit Medizingeräten ausgestatteten Patienten hätten deutlich weniger Krankenhausaufenthalte und eine höhere Lebenserwartung als eine Vergleichsgruppe – unabhängig davon, ob der Patient in einer strukturschwachen Gegend oder in einer Metropolregion lebt. Doch Wearables per se machen nicht gesund.

Welches Gerät passt? Übertragen Sensoren und Apps die Messwerte zuverlässig? Sind die Daten vor unbefugtem Zugriff geschützt und wer darf sie sammeln? Diesen Fragen widmen sich vermehrt auch Verbraucher-, Datenschützer und Gewerkschaften.

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Enno Park hat seine Hörfähigkeit durch ein Cochlea-Implantat wiedererhalten. Im Verein Cyborgs e.V. beäugt er kritisch das Zusammenwachsen von Mensch und Technik.