Passwort vergessen?  |  Anmelden
 |  Passwort vergessen?  |  Anmelden
Suche

Donnerstag, 21. Februar 2019

Verkehr

Stauende

Von Regine Bönsch, Christoph Böckmann | 31. Mai 2018 | Ausgabe 22

Staus belasten täglich Nerven und Geldbeutel der Autofahrer. Mit technischen Systemen wird versucht, die Blechlawinen in Deutschland zu reduzieren.

S1 Aufmacher Stau (2)
Foto: dpa Picture-Alliance/Jürgen Mahnke

Staurekorde bis zu 10 000 km Länge werden an diesem Wochenende in Deutschland erwartet.

Sehr lebhaft, so beschreibt der ADAC seine Prognosen für den Verkehr auf bundesdeutschen Autobahnen an diesem Wochenende. „Ohne Staus werden Autofahrer kaum ans Ziel kommen“, heißt es. Traditionell ist das Fronleichnam-Wochenende für Staurekorde bekannt. 10 000 km Stop-and-go sind dann zu erwarten – zum Vergleich: Täglich stauen sich im Schnitt die Blechlawinen 4000 km lang auf deutschen Autobahnen. Im Stadtverkehr von München, Hamburg und Stuttgart sieht es nicht besser aus.

Mit noch so ausgeklügelter Technik lässt sich das Problem nur partiell beheben. Selbst PTV, ein Anbieter von Verkehrsmanagementtools, gesteht: Mit intelligenter Software und Steuerung lässt sich das Stauaufkommen um 20 % reduzieren, viel mehr ist kaum drin.

Liegt die Lösung im autonomen Fahren? Im Gegenteil. Geht es nach einer Studie, die der Navigationsspezialist Here mit den Marktforschern von SBD gemacht hat, dann verschlimmern autonome Fahrzeuge in naher Zukunft die Verkehrslage noch zusätzlich. Speziell, wenn Menschen auf der Straße auf Roboter treffen, scheint das Chaos vorprogrammiert.

Verkehrsforscher Michael Schreckenberg echauffiert sich, wenn er an die Zukunft denkt, in der das Lenken Systemen überlassen wird. „Autonome Fahrzeuge sind gefährlich, hochgefährlich, und das aus einem Grund: Sie halten alle Verkehrsregeln ein.“ Er hält es ohnehin für fraglich, ob Menschen die Kontrolle aufgeben möchten. Die völlige Automatisierung von Fahrzeugen sei ferne Zukunftsmusik: „Über autonomes Fahren können wir vielleicht 2050 reden.“

Bis dahin wird die Weltbevölkerung auf 9,7 Mrd. ansteigen, 70 % dieser Menschen werden in Städten leben. Laut einer aktuellen Studie der Verkehrsforscher von Inrix Research wird sich dann der Personenverkehr auf Straße und Schiene mehr als verdoppeln; der Straßen- und Schienengüterverkehr wird sich mehr als verdreifachen.

Und das wird teuer. Schon heute kosten die Staustunden jeden deutschen Autofahrer pro Jahr 1770 €. Werden die Staukosten landesweit aufaddiert, ergibt sich eine Summe von mehr als 80 Mrd. € allein für das vergangene Jahr, so Inrix Research.

 Seiten 18 bis 21

INTERVIEW ZUM THEMA

20_21_Aufmacher (3)

„Der Mensch ist fürs Autofahren nicht gemacht“

Autonomes Fahren wird nicht die Lösung des Problems sein, meint Deutschlands Stauforscher Nummer eins, Michael Schreckenberg.