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Sonntag, 24. Februar 2019

Solar

Strom von der Sonne wird immer preiswerter

Von Hans-Christoph Neidlein | 14. Juni 2018 | Ausgabe 24

Kostensenkungen, Eigenverbrauch und Digitalisierung treiben den deutschen Photovoltaikmarkt – und das ohne politische Unterstützung.

w - Intersolar BU oben
Foto: Grammer Solar/R. Ettl/ BSW solar

Renditen von 2 % bis 4 % können Hauseigentümer erzielen, die ihren Solarstrom in Netze einspeisen.

Das Jahr 2017 markierte einen Meilenstein für die Photovoltaik. Zum ersten Mal wurden weltweit neue Solarstromanlagen mit einer Nennleistung von mehr als 100 GW installiert. Für dieses Jahr rechnen Marktforscher mit einem Zubau von bis zu 110 GW, was einem Wachstum von rund 10 % entspricht.

Dabei werden die Solarmärkte immer reifer. „Nicht mehr Subventionen sind der Treiber, sondern eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit“, sagt Edurne Zoco, Chefanalystin des US-Marktforschungsunternehmens IHS Markit. Insgesamt fielen die Preise für Photovoltaikanlagen innerhalb der vergangenen 15 Jahre um mehr als 80 %.

In Ländern wie Dubai oder Chile wird Solarstrom aus großen Freiflächenanlagen für unter 2,5 Cent/kWh angeboten. Auch in Deutschland sank der garantierte Durchschnittspreis für Solarstrom – die Einspeisevergütung – aus Photovoltaikparks. Bei den Ausschreibungen im April lag der Schnitt für Anlagen mit mehr als 750 MW bei 4,67 Cent/kWh. Der niedrigste Zuschlagswert lag bei nur 3,96 Cent/kWh.

Weiter gesunkene Preise sind auch ein wichtiger Faktor für die Belebung des deutschen Photovoltaikmarkts. So waren Solarstromanlagen zum Jahresauftakt 2018 deutlich stärker gefragt. Von Januar bis März registrierte die Bundesnetzagentur neue Anlagen mit einer Gesamtnennleistung von rund 580 MW. Das ist ein Wachstum gegenüber dem Vorjahreszeitraum von mehr als 65 %. Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW-Solar), rechnet für dieses Jahr mit einem Gesamtzubau von 2,5 GW. Das entspräche dem offiziellen Ausbauziel der Bundesregierung, das in den letzten vier Jahren verfehlt wurde.

Foto: Rainer Weisflog

Digitale Technologien wie Batteriespeicher und Energiemanagement (im Bild ein Teststand) beleben den deutschen Solarstrommarkt.

Angesichts der Schere zwischen den Stromtarifen für die Endverbraucher und den gesunkenen Erzeugungskosten für Solarstrom wird der Verbrauch selbst erzeugten Solarstroms – der Eigenverbrauch – immer attraktiver. Während der Strom aus öffentlichen Netzen mitunter an die 30 Cent/kWh kostet, kann der Solarstrom vom eigenen Dach im Gewerbe- und Eigenheimbereich nach BSW-Angaben bereits für rund 10 Cent/kWh erzeugt werden. Die Einspeisevergütung für Hauseigentümer liegt derzeit bei rund 12 Cent/kWh.

Renditen zwischen 2 % und 4 % können Hauseigentümer, die ihren Solarstrom ins Netz einspeisen, derzeit erzielen. „Wird der Stromverbrauch im Haus auf den von der Photovoltaikanlage gelieferten Strom abgestimmt und so der Eigenverbrauch maximiert, ist eine jährliche Rendite von bis zu 6 % möglich“, sagt Franz Pöter, Geschäftsführer des Solar Clusters Baden-Württemberg e. V.

Durch Batteriespeicher lässt sich die Eigenverbrauchsquote auf 50 % bis 70% erhöhen. Bisher sind die Solarstromspeicher laut Solar Cluster aber nicht wirtschaftlich. Aktuelle Zahlen zeigten jedoch, dass dies bei Hausspeichern bald der Fall sein könnte, wenn die Speicherpreise weiter wie bisher rund 10 % jährlich sinken und der Strompreis weiter steigen sollte. Derzeit ist ein Speichersystem auf Lithium-Ionen-Basis inklusive Wechselrichter und Installation ab rund 1200 €/kWh zu haben. Die Rentabilitätsgrenze liegt bei rund 1000 €/kWh.

Gefördert wird der bedarfsgerechte Verbrauch des Solarstroms auch durch die Digitalisierung und technische Weiterentwicklungen. So übernehmen die Wechselrichter – als das elektronische „Gehirn“ einer Photovoltaikanlage – zunehmend neue Funktionen neben ihrer ursprünglichen Aufgabe, den Gleichstrom der Solaranlage in Wechselstrom für die Netzspeisung zu wandeln. Integrierte Kommunikationspakete mit WLAN, Energiemanagementsystemen und zahlreiche Schnittstellen sind heute Standard. Wechselrichter steuern, überwachen und integrieren Solarspeicher, Elektrofahrzeuge, Power-to-Heat-und Smart-Home-Anwendungen.

Batteriewechselrichter können daher zur Optimierung des Eigenverbrauchs oder zur unterbrechungsfreien Notstromversorgung eingesetzt werden. Ebenso sind sie für Netzdienstleistungen zur Stabilisierung des Stromnetzes skalierbar bis in den Megawattbereich.

Angeboten werden auch Wechselrichter mit integrierter Ladefunktion für Elektroautos. Damit können diese mit Solarstrom vom eigenen Dach bis zu 2,5-mal schneller geladen werden als mit einem herkömmlichen Ladecontroller. Durch solche Kombinationslösungen werden zudem Installationskosten und Arbeitsaufwand gesenkt, da weitere Kabel und Sicherungen entfallen.

Im Trend liegt die Einbindung von Verbrauchsreglern zur Ansteuerung von Heizstäben zur Warmwasserbereitung in Boilern und Pufferspeichern. Auch Infrarotheizungen, die mit überschüssigem Solarstrom betrieben werden, werden in die Steuerungen, die über den Wechselrichter laufen, integriert.

Die Branche sucht in der Digitalisierung neue Geschäftsfelder. So gründete der Wechselrichterspezialist SMA jüngst ein eigenes Tochterunternehmen für digitale Energielösungen. Das Start-up namens Coneva mit Sitz in München bietet zum Beispiel Stadtwerken, Wohnungsbaugesellschaften oder Telekommunikationsunternehmen White-Label-Lösungen für das Energiemanagement oder die Einbindung von Endkunden in den Energiemarkt an.

Immer mehr Versorger setzen jedenfalls auf entsprechende neue Angebote für Prosumer, also Endverbraucher, die auch Stromerzeuger sind. Dies geschieht durchaus im eigenen Interesse. So hilft es Stadtwerken zum Beispiel das wegbrechende Geschäft mit der Erzeugung sowie dem Handel mit Strom, Gas und Wärme zu kompensieren.

So bietet bereits jeder zweite große Energieversorger in Deutschland Photovoltaikanlagen an, wie eine aktuelle Untersuchung des Bonner Marktforschungsunternehmens EuPD Research ergab. Zwei von drei Energieversorgern offerieren als Erweiterung auch Solarstromspeicher.