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Montag, 22. Januar 2018

Bildung

Tablet statt Tafel

Von Wolfgang Schmitz | 14. September 2017 | Ausgabe 37

Im Wahlkampf überbieten sich die Parteien mit Konzepten zur Digitalisierung von Schulen und Hochschulen. Praktiker sehen das mit gedämpftem Optimismus.

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Foto: panthermedia.net/CandyBoxImages

Digitale Medien eröffnen neue Lernwelten. Vor der Bundestagswahl entdeckt auch die Politik das Thema.

Die Digitalisierung nimmt im aktuellen Bundestagswahlkampf so viel Raum ein wie bei keiner Wahl zuvor. Alle Parteien, die in Bund und Ländern Regierungsverantwortung tragen, stürzen sich auf das Thema.

Die FDP erwähnt „digital“ in ihrem Wahlprogramm 103 Mal, dahinter folgen Die Grünen (92), SPD (89), CDU/CSU (60) und Die Linke (43). Das hat der Branchenverband Bitkom ermittelt. „In den Programmen überwiegen klar die Chancen, die uns die Digitalisierung bietet“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. Bei vielen Vorhaben fehle es jedoch an konkreten Ansätzen. Die reine Anzahl der Nennungen des Wortes „digital“ sage noch nichts über die Qualität der politischen Vorschläge aus.

Das gilt insbesondere für den Bildungsbereich. Statt Taten lägen nur Konzepte vor, so Kritiker. So plant die CDU eine Bildungs-Cloud für digitale Lerninhalte in allen Schulfächern und eine digitale Bildungsoffensive für die Lehrer. Die SPD fordert eine flächendeckend gleiche Geräteausstattung aller Schulen, beginnend bei den Grundschulen.

WLAN und Tablets alleine schafften keine Veränderung, sind sich die Praktiker in Hochschulen und Schulen einig. Was her müsse, seien Gesamtstrategien. „Digitale Techniken beleben den Unterricht, wenn das Gesamtpaket stimmt: Hardware, Support und Medienkompetenz der Lehrer“, meint Gymnasiallehrer Günter Steppich, der die hessische Politik berät.

Auch an den Hochschulen will man sich mit vagen Zusagen nicht abspeisen lassen. Die Politik müsse begreifen, was die Digitalisierung aller Lebensbereiche für die Wissenschaft bedeute, so Andrea Rapp, Vizepräsidentin für Wissenschaftliche Infrastruktur an der TU Darmstadt. Die Hochschulen benötigten nicht nur flächendeckende Netze, sondern auch mehr Hochleistungsrechner, Wissen um Cybersicherheit und mehr offen zugängliche Digitalinhalte für Forschung und Lehre. Finanzielle und rechtliche Rahmenbedingungen – engere Kooperationen zwischen Bund und den für Bildung zuständigen Ländern – müssten überdacht und durch ein „nationales Zusammengehen“ erneuert werden, fordert Rapp.

Wie der aktuelle Bildungsbericht der OECD zeigt, liegen die Bildungsausgaben hierzulande mit 4,3 % des Bruttoinlandsprodukts weiter deutlich unter dem OECD-Mittel von 5,2 %. An den Hochschulen haben die Ausgaben nicht mit der gestiegenen Zahl Studierender Schritt gehalten.

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