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Samstag, 23. Februar 2019

IT-Sicherheit

Tatort Infrastruktur

Von Stephan W. Eder, Regine Bönsch | 4. Oktober 2018 | Ausgabe 40

Ob mit oder ohne Wende – Erzeugungs- und Verteilungsanlagen für Energie werden zunehmend digitaler. Dadurch wächst die Gefahr, dass sie Opfer von Cyberangriffen werden.

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Foto: Foto (M): panthermedia.net/WDGPhoto/VDIn

Die Informationssicherheit ist für den Energiesektor von „hoher und weiterhin zunehmender Bedeutung“. Das schreibt die Bundesnetzagentur. Und weil das so ist, wird derzeit ein IT-Sicherheitskatalog für den sicheren Betrieb von Energieanlagen erstellt. Für Kernbereiche der Energieinfrastruktur, die Strom- und Gasnetze, gibt es einen solchen Katalog schon.

„Heute redet man offener über die Gefahren und akzeptiert, dass man für einen Cyberangriff klare Pläne haben muss“, freut sich Markus Braendle, Chef der Cybersecuritysparte von Airbus. Laut IT-Sicherheitsgesetz muss man Vorfälle melden – Braendle hält das für eine sehr gute Vorschrift. „Daraus kann man lernen und konstruktiv an künftigen Sicherheitskonzepten arbeiten.“

Was fehlt: Die Erfahrung, um Anlagen und Netze zu schützen. „Während man im IT-Umfeld seit 20 Jahren darüber redet und historische Daten hat, beginnt dieser offene Umgang mit Cyberattacken bei kritischen Infrastrukturen erst“, weiß Braendle, der jahrelang im Energiesektor gearbeitet hat. Die Meldepflicht soll jetzt helfen, eine Statistik aufzubauen.

Schon im Visier: Das BKA hat 34 Attacken auf kritische Infrastrukturen wie Energie, Telekommunikation und den Finanzsektor zwischen Juli 2015 und Ende 2017 ausgemacht. Nach Angaben des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sind Unternehmen aus der Energiewirtschaft bereits Ziel einer weltweiten Cyberangriffskampagne. „Die Bedrohungslage im Cyberraum hat sich in den vergangenen Monaten deutlich zugespitzt und es gibt keinen Grund zur Annahme, dass sie sich entspannen wird“, sagt BSI-Präsident Arne Schönbohm. Die Energiewende macht es nicht einfacher. Klassischerweise speisen wenige Großkraftwerke in Höchstspannungsübertragungsnetze ein. Die kleineren, eher verteilten Anlagen, die Sonne, Wind und Biomasse nutzen, sind inzwischen alle digital angebunden und stellen damit potenzielle Einfallstore für Cyberangreifer dar.

Verteidigungsfall im Netz: Wenn kritische Infrastrukturen in der Bundesrepublik im großen Stil von Staaten angegriffen werden, sind auch Verfassungsrechtler gefragt. Ist das eine Kriegshandlung? Entsteht daraus ein Nato-Bündnisfall? Und darf zurückgehackt werden? Daran scheiden sich zurzeit die Geister.