Passwort vergessen?  |  Anmelden
 |  Passwort vergessen?  |  Anmelden
Suche

Donnerstag, 21. März 2019

Energiespeicherung

„Technologische Exzellenz“

Von Stephan W. Eder | 14. März 2019 | Ausgabe 11

Die mittelständisch geprägte deutsche Branche ist Weltspitze und darf sich über Wachstum freuen. 5 Mrd. € setzte sie 2018 um, 9 % mehr als im Vorjahr. Allein die Politik schießt quer.

w - ESE BU
Foto: Stephan W. Eder

Kleine, feine Branche: In Düsseldorf trafen sich diese Woche Energiespeicherexperten auf der Kongressmesse Energy Storage Europe.

Die deutsche Energiespeicherbranche wächst – über alle Technologien hinweg; einzig Vertreter der Pumpspeicherbetreiber dürften Anlass zu etwas Klage haben. Das belegen die Branchenzahlen, die der Bundesverband Energiespeicher (BVES) am Dienstag zur Eröffnung der Fachmesse Energy Storage Europe 2019 in Düsseldorf vorlegt. 5 Mrd. € setzte sie 2018 um, und damit 9 % mehr als 2017. Mehr Speicher im Haus, in der Industrie, mehr netzdienliche Großspeicher, so die Trends, die der BVES feststellte. „Die deutsche Speicherbranche hat gerade bei innovativen Speichersystemen über Sektorengrenzen hinweg einen technologischen Vorsprung vor den internationalen Wettbewerbern“, zieht BVES-Bundesgeschäftsführer Urban Windelen Bilanz.

„Die deutsche Batteriespeicherbranche ist sehr mittelständisch geprägt und steht für technologische Exzellenz“, sagt Jörg Blaurock, Energiespeicherexperte des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens Team Consult.

In den letzten Jahren hätten sich Großunternehmen aus diesem Markt- und Technologiesegment eher zurückgezogen, inzwischen kehrten sie wieder zurück. So steigt Siemens in den Markt für Heimbatteriespeicher ein; einer der großen Energieversorger Europas, Engie, engagiert sich beim deutschen Power-to-Gas-Start-up Elektrochaea; der Öl- und Gaskonzern Shell übernimmt den deutschen Batteriespeicheranbieter Sonnen.

Dabei finde das Wachstum jedoch zunehmend außerhalb Deutschlands statt, so Windelen. Die Exportorientierung spiegele den Transfer deutscher Energiewendetechnologie in die Welt wider, so Blaurock: „Die Nachfrage ist relativ groß.“

Sorge bereitet der Branche jedoch die weiterhin mangelnden regulatorischen Rahmenbedingungen speziell in Deutschland. Der Inlandsmarkt drohe ausgebremst zu werden. Das Problem: die passende rechtliche Einordnung. Energiespeicher sind weder Energieerzeuger noch Energieverbraucher. Und da beginnt die Krux.

Ingo Stadler, der an der Technischen Hochschule Köln Energiewirtschaft und erneuerbare Energien lehrt, erklärt zur Eröffnung der gleichzeitig stattfindenden International Conference for Renewable Energy Storage (Ires) diese Besonderheit so: Der EU-Binnenmarkt für Energie kenne nur Äpfel und Birnen, also Erzeuger und Verbraucher. Es gebe aber auch Bananen, sprich Speicher. Die hat man beim Design des EU-Energiebinnenmarkts wohl einfach vergessen. Aber auch 20 Jahre nach dessen Einführung wüsste man immer noch nicht, wie man die Bananen behandeln solle, so der Ingenieur.

Die Behandlung von Energiespeichern gleichzeitig als Erzeuger und Verbraucher führt zu einer Doppelbelastung mit Steuern und Abgaben – und macht dadurch manche Anwendung speziell in Deutschland unwirtschaftlich. Die Branche beklagt in einer Befragung durch den Marktforscher Team Consult als Hauptmarkthemmnis genau diese Art von „regulatorischen Rahmenbedingungen“. Neben der Doppelbelegung mit Steuern und Abgaben nennen die Befragten oft intransparente Regelungen, langwierige Genehmigungsverfahren und – wo es denn eine Förderung gebe – komplizierte Antragsverfahren.

Richtig wirtschaftlich und auch energetisch optimal arbeiten Speicher aber, wenn sie nicht nur einem Zweck dienen, sondern möglichst auch für die Kopplung zum Beispiel von Wärme und Strom genutzt werden können: „Multi-Use-Anwendungen“ heißt das im Fachjargon. Vor allem im kommerziellen Einsatz gilt es, mitunter den Einsatzzweck des Speichers festzulegen – auf einen bestimmten Zweck; das mag regulatorisch nötig sein, wirtschaftlich ist es nachteilig und im Sinne der Energiewende ist es nicht.

„Multi-Use-Anwendungen sind der Schlüssel, weil die Systeme sehr schnell wirtschaftlich darstellbar sind“, sagt Windelen. Aber dann komme die Regulierung in die Quere. Stadler vergleicht Energiespeicherung in Deutschland am Dienstag daher auch mit einem Hürdenlauf: „Wir haben keinen fairen Wettbewerb. Politik und Regulierung lassen es an adäquaten Energiemarktregeln mangeln.“

„Deutschland ist im Umbau“ – so beschreibt Eurosolar-Präsident Peter Droege in Düsseldorf die Energiewende hierzulande. Speicher seien da ein Schlüssel: Er verweist auf Visionäres wie die Pläne, die Braunkohlekraftwerksblöcke in Jänschwalde irgendwann als riesige thermische Energiespeicher zu nutzen. Ebensolche Pläne gibt es für die Kraftwerke in Nordrhein-Westfalen.

Auch diese Riesenspeicher würden sich unter den derzeitigen Marktbedingungen nicht rechnen, moniert Stadler. Die Lösung der Kohle- und der Speicherfrage aber hänge zusammen, macht BVSE-Hauptgeschäftsführer Windelen klar: „Im Abschlussbericht der Kohlekommission kommt das Wort ‚Speicher‘ häufiger drin vor als das Wort ‚Kohle‘.“ Deutschland habe einen globalen technologischen Vorsprung „Die Welt blickt staunend darauf, was wir können, nur bringen wir es nicht in den Markt.“ Das sollte sich ändern lassen.