Passwort vergessen?  |  Anmelden
 |  Passwort vergessen?  |  Anmelden

Samstag, 17. Februar 2018

Märkte

Trump verunsichert deutsche Firmen

Von Wolfgang Schmitz | 5. Oktober 2017 | Ausgabe 40

Die deutsch-amerikanischen Beziehungen haben unter Donald Trump keinen großen Schaden genommen. Skepsis aber ist spürbar.

AmCham (2)
Foto: Trumpf

Die neue Smart Factory in Chicago legt Zeugnis davon ab, wie lieb und teuer Trumpf der amerikanische Markt ist.

Der deutsche Maschinenbauer Trumpf setzte 2016 gut 3 Mrd. € um. Die USA sind mit 412 Mio. € nach Deutschland der größte Markt für die Schwaben. Vor wenigen Wochen eröffnete Trumpf in Chicago eine Smart Factory. Dabei sagte Firmenchefin Nicola Leibinger-Kammüller vor geladenen Gästen und den Medien frank und frei, was sie von den wirtschaftspolitischen Ankündigungen von US-Präsident Donald Trump hält: gar nichts. Sie erteilte protektionistischen Ansätzen eine radikale Abfuhr: Der Maschinen- und Anlagenbau brauche „freie Märkte wie der Mensch die Luft zum Atmen“.

Nicht jeder Unternehmer geht so in die Offensive wie Leibinger-Kammüller. Statt Pessimismus oder Enttäuschung herrsche Verunsicherung in deutschen Chefetagen, kommentiert Bernhard Mattes, Präsident der amerikanischen Handelskammer in Deutschland (Amcham), Umfragen unter Mitgliedsunternehmen aus beiden Ländern. „Und das, obwohl sich bislang noch nicht viel an der Gesetzeslage verändert hat.“ Auch die Ankündigung von Trump, die Unternehmenssteuern von 35 % auf 20 % senken zu wollen, hat daran nichts geändert. Schließlich wisse man nicht, wie die Gegenfinanzierung aussehen könnte. Sorgen bereitet die restriktivere Visavergabe zum Schutz einheimischer Arbeitskräfte.

US-Firmen hingegen fühlen sich auf deutschen Märkten mit Abstrichen wohl. Bei den großen Tochterunternehmen sind die Umsätze im vergangenen Jahr mit 176 Mrd. € um 3,2 % gestiegen (2 % im Jahr 2015), ein Wachstum wie seit fünf Jahren nicht mehr. Größte Treiber sind die Automobilindustrie, IT und Handel. Die Energiebranche hat leicht an Boden verloren. Unzufrieden sind die US-Amerikaner mit dem zaghaften Breitbandausbau, den hohen Arbeits- und Energiekosten sowie dem Fachkräftemangel. Einen Mitarbeiterabbau prognostizieren US-Arbeitgeber in Deutschland nicht. Im Gegenteil: Die Verquickung von Produktion und Dienstleistung verlange mehr gut ausgebildete Mitarbeiter.

Das Umsatzwachstum deutscher Unternehmen in den USA ist nur um 2,3 % gestiegen (370 Mrd. €), aber 98 % dieser Firmen erwarten für 2017 eine positive Entwicklung. Die Neigung deutscher Firmen, in den USA Firmen zu übernehmen, sei ausgeprägter als der Trend amerikanischer Arbeitgeber, deutsche Firmen zu kaufen.

Unstimmigkeiten gibt es noch beim Datenschutz. „Hier müssen die transatlantischen Partner zu vergleichbaren Regelungen kommen“, so Mattes. Dabei sei zunächst die EU gefordert, intern zu schlüssigen Vereinbarungen zu kommen.

Sollte Trump gegenüber den Handelspartnern in aller Welt die angekündigte protektionistische Handelspolitik durchsetzen und die Importe um 20 % verteuern, gingen die US-Exporte im Gegenzug um 40 % bis 50 % zurück. Das hat das Ifo-Institut im Auftrag der Bertelsmann Stiftung ermittelt. Mit dem Rückgang der Exporte ginge das langfristige Pro-Kopf-Jahreseinkommen um 1,4 % bzw. 780 $ zurück, in Deutschland um 0,7 % bzw. 275 $. Von einer Einschränkung des Handels zwischen den USA, Mexiko und Kanada hingegen würde Deutschland profitieren. Dann kletterte der deutsche Export in die USA um 3,2 % bzw. 4,4 Mrd. € nach oben.

Trotz aller wirtschaftlicher und historischer Gemeinsamkeiten müsse Deutschland einen eigenen Weg verfolgen, rät Manfred Broy vom Zentrum Digitalisierung.Bayern: „Die sehr starke traditionelle Wirtschaft verlangt uns einen anderen Weg ab als die amerikanische Wirtschaft, die sehr dienstleistungsorientiert ist.“

stellenangebote

mehr