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Samstag, 20. Januar 2018

Deal der Woche

US-Chiphersteller Qualcomm schluckt Europäer NXP

Von Jens D. Billerbeck | 3. November 2016 | Ausgabe 44

Der US-Chiphersteller Qualcomm wagt mit der Übernahme des niederländischen Anbieters NXP den bisher größten Zukauf in der Halbleiterindustrie.

Qualcomm BU
Foto: Franssen/Hallandse Hoogte/laif

Halbleiter von NXP: Mit der Übernahme des niederländischen Chipherstellers kommt Qualcomm erstmals in den Besitz von eigenen Chipfabriken.

Der Spezialist für Mobilfunk- und Grafikchips will für die einstige Philips-Halbleitersparte einschließlich Schulden insgesamt rund 47 Mrd. $ (43 Mrd. €) hinlegen, wie beide Konzerne am Donnerstag vergangener Woche mitteilten. NXP ist stark bei Chips für den Einsatz im Auto und hier Wettbewerber von Infineon. Außerdem bietet NXP Sicherheitschips z. B. für elektronische Ausweise.

Die Niederländer selbst hatten erst Ende 2015 für knapp 12 Mrd. $ das US-Unternehmen Freescale Semiconductor übernommen und waren damit zum führenden Produzenten von Chips für die Autoelektronik aufgestiegen. Seitdem erwirtschaftet NXP 40 % seines Umsatzes in der Autobranche. Dort wächst wegen des anhaltenden Trends zur Digitalisierung der Chipbedarf weiter.

Qualcomm bekommt dagegen deutlich zu spüren, dass das Smartphone-Geschäft nicht mehr so brummt wie einst. Zudem haben die Amerikaner mit starker Konkurrenz aus China und Taiwan zu kämpfen. Daher ist der Konsolidierungsdruck stark, wie auch die 37 Mrd. $ schwere Übernahme des Qualcomm-Konkurrenten Broadcom durch Avago Anfang dieses Jahres zeigte.

Mit der Produktpalette der Niederländer will sich Qualcomm nun unabhängiger vom Smartphone-Geschäft machen. Der Aufstieg zu einem der führenden Chiplieferanten für die Autoindustrie ist dem 1985 in San Diego gegründeten Unternehmen einen Aufschlag von gut 11 % auf den NXP-Schlusskurs vom Mittwoch letzter Woche wert. Die Amerikaner zahlen 110 % pro Aktie. Sie wollen das Geschäft mit Barmitteln finanzieren, müssen dafür aber auch neue Schulden aufnehmen. Die Börse reagierte auf die Ankündigung der Fusion mit Kursgewinnen: NXP-Aktien legten in New York vorbörslich 2,4 % zu, Qualcomm-Papiere verteuerten sich um 2 %. Zusammen kämen NXP und Qualcomm nach bisher vorliegenden Prognosen auf einen Jahresumsatz von mehr als 30 Mrd $. Die Fusion soll bis Ende 2017 über die Bühne gehen und sich für Qualcomm unmittelbar in höheren Gewinnen auszahlen. Binnen zwei Jahren würden zudem Kosteneinsparungen von 500 Mio. $ jährlich angepeilt, teilte das Unternehmen mit.

Für Qualcomm bedeutet der Kauf einen deutlichen Paradigmenwechsel: Bis jetzt ist das Unternehmen konsequent „fabless“ aufgestellt, d. h. es verfügt über keine eigenen Chipfabriken und baut ausschließlich auf externe Fertigungskapazitäten bei sogenannten Foundries. So hat man es in den vergangenen Jahren geschafft, zur Nummer drei auf dem weltweiten Chipmarkt zu werden, hinter Intel und Samsung. NXP als derzeitige Nummer sieben nutzt zwar ebenfalls Foundries, hat aber auch eigene Chipfabriken an verschiedenen Standorten weltweit.

Mit Material von Reuters

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