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Donnerstag, 21. März 2019

Porträt

„Um ein Team zu leiten, musst du fair sein“

Von Fabian Kurmann | 14. Juni 2018 | Ausgabe 24

Philips Lighting nennt sich nun Signify, aber Olivia Qiu ist nach wie vor Entwicklungschefin. In einer Männerwelt ist sie Frau geblieben.

Olivia Qiu (2)
Foto: Signify

Sich selbst treu zu bleiben, ist für die Entwicklungschefin von Signify eine Voraussetzung, um als Frau erfolgreich zu sein.

Sie zögert bei der Frage, was eine Frau braucht, um eine solche Führungsposition wie die ihre zu erreichen. Olivia Qiu ist Chief Innovation Officer bei Signify, ehemals Philips Lighting. Außerdem ist sie im Aufsichtsrat von Renault. Die Frau steht an der Spitze von zwei Technologieunternehmen. Was also ist ihr Erfolgsrezept? Qiu lacht. In ihrer Stimme schwingt ein Hauch von Verlegenheit mit: „Das ist aber keine technische Frage.“

Olivia Ronghong Qiu

Mit der Technik kennt sie sich nämlich gut aus. Im Nu zeichnet sie etwa das Frequenzspektrum des sichtbaren Lichts von ca. 400 THz bis 700 THz auf und erklärt daran, warum die drahtlose Datenübertragungstechnik mit Licht – kurz „LiFi“ genannt – im Innenraum mit handelsüblichen LEDs auskommt. Und warum für den den Außenraum spezielle LEDs mit Infrarotlicht aus dem unteren Ende des Spektrums notwendig wären: „Je höher die Frequenz, umso besser ist zwar die Übertragungsgeschwindigkeit bei LiFi, aber umso geringer ist die Reichweite.“

Doch hätte Qiu nur technisches Wissen, wäre sie wohl Entwicklungsingenieurin geblieben. Es gehört also noch etwas anderes dazu, um in die Führungsebene zu kommen.

„Du musst ergebnisorientiert arbeiten, denn ob Mann oder Frau, jeder sieht gerne Ergebnisse“, sagt die Managerin. Ihrer Erfahrung nach hat man in ihrem Job keine besonderen Vor- oder Nachteile, nur weil man eine Frau ist. „Das Geschlecht spielt in dem Beruf keine Rolle, du musst einfach professionell sein.“

Qius Lebenslauf zieren etliche große Namen. Ende der 1980er-Jahre war sie Entwicklungsingenieurin für Militärradar am Chinesischen Design-Institut in Chengdu. Dann arbeitete sie sich beim Netzausrüster Alcatel-Lucent an die Spitze. Seit 2014 ist sie nun bei Philips Lighting, die sich seit Anfang des Jahres in Signify umbenannt haben. Der Grund war laut Qiu, dass es mit dem gleichnamigen Medizintechnik-Unternehmen zwei Firmen gegeben hatte, die sich nach der Abspaltung der Licht-Sparte 2017 Philips nannten. Tatsächlich hatten die beiden aber nichts mehr miteinander zu tun. Um Verwirrung zu vermeiden, habe man sich umbenannt. Philips bleibt aber als Marke, z. B. für die vernetzten Leuchtmittel der Hue-Serie, weiter bestehen.

Um im eigenen Unternehmen erfolgreich zu sein, müsse man zunächst die Kultur dort verstehen, so die Innovationschefin. Nach kurzer Überlegung fügt sie hinzu, dass außerdem ein Mentor hilfreich sei. Gemeinsam ließen sich unnötige Fehler vermeiden. „Und bleib weiblich“, rät Qiu jungen Karrierefrauen, „versuch nicht, ein Mann zu sein.“

Manchen Kolleginnen sei das passiert, weil sie lange allein unter vielen Männer gearbeitet haben. Der jungen weiblichen Generation empfiehlt sie deshalb: „Bleib du selbst und genieße es, einfach eine Frau zu sein.“ Es sei okay, lieber einen Rock und einen Seidenschal zu tragen statt Hose und Jackett. Und einen Vorteil hätten Chefinnen doch: „Ich glaube, dass weibliche Führungskräfte ein sensibleres Gespür dafür haben, wie es den Mitarbeitern geht“, sagt sie. Angemessen zu reagieren sei als Vorgesetzter wichtig. „Um ein Team gut zu leiten, musst du fair sein.“

In der Lichtbranche haben sich durch LEDs die Innovationszyklen von zwei Jahren auf ein halbes verkürzt. „Die Vernetzung löst Energieeffizienz als wichtigstes Thema ab“, ist Qiu überzeugt. Und auch bei den Softwarefunktionen gebe es alle sechs Monate etwas Neues. Der Markt verlange immer kürzere Produkteinführungszeiten.

Auch diese Branche steht vor Disruptionen. „Bis 2020 werden wir alle unsere Produkte vernetzbar machen und so der führende Lichtanbieter im Internet der Dinge sein“, sagt Qiu. Das sei nötig, um sich durch Innovation von der Konkurrenz differenzieren zu können. Der Wettbewerb bei den Produkten sei heftig, sagt die Managerin. „Es gibt so viele chinesische Anbieter, die auf niedrige Kosten und einfache Funktionen setzen.“

In zehn Jahren werde das anders sein, ist die Ingenieurin überzeugt: „Es wird im Markt eine Konsolidierung geben hin zu weniger Firmen mit größerem Einfluss.“ Die Diskussionen würden sich bis dahin auch nicht mehr so sehr um die Leuchtmitteltechnik drehen, sondern um Licht als Medium für Daten und das Internet der Dinge (IoT). Bis dahin werde es auch das perfekte Licht geben. Für Qiu heißt das, dass es zu ihrer Stimmung passt und sie sich wohlfühlt, wenn es angeht. Außerdem will sie das Licht in Zukunft nicht nur einschalten, sondern damit interagieren: „Bin ich das erste Mal im Raum, stelle ich das Licht zum Beispiel fürs Abendessen ein. Wenn ich das nächste Mal in den Raum komme, sage ich nur noch ‚Licht fürs Abendessen‘ und alles stellt sich automatisch ein.“

Und gibt es in zehn Jahren auch mehr Frauen im Entwicklungsteam? „Wir versuchen schon jetzt, im Innovationsbereich die Geschlechteranteile auszugleichen“, sagt die Innovationschefin. „Im Moment ist das noch nicht der Fall, aber wir arbeiten daran.“