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Freitag, 22. Februar 2019

Energiespeicher

Unter Strom

Von Peter Kellerhoff, Stephan W. Eder | 5. Juli 2018 | Ausgabe 27

Europa will den Kampf um die Lithium-Ionen-Technik nicht verloren geben.

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Foto: panthermedia.net/sdecoret

Derzeit ist viel los, wenn es um die Elektromobilität geht. Im Brennpunkt steht nicht das Elektroauto, sondern die Batteriezelle: Es geht um neue Technologien, die nötigen Rohstoffe, die Produktionskapazitäten. Für all das nehmen die großen Player am Markt derzeit viel Geld in die Hand.

So kaufte Volkswagen Ende Juni für 100 Mio. $ (86 Mio. €) das US-Technologie-Start-up Quantumscape; im Wesentlichen eine Gruppe von Wissenschaftlern, die seit Jahren an Feststoffbatterien forschen. Dieser Akku-Typ soll in Zukunft Lithium-Ionen-Akkus als Energiespeicher in E-Autos ablösen können: Er verspricht bei gleichem Gewicht die doppelte Reichweite. VW sichert sich mit dem Übereinkommen den Zugriff auf Entwicklungen und will bis 2025 eine Fertigungsanlage bauen.

Zugleich versuchen sowohl die großen asiatischen Batteriezellenhersteller als auch deren Kundschaft, die Automobilkonzerne, mit den Lieferanten der kritischen Rohstoffe Kobalt und Lithium langfristige Lieferverträge abzuschließen. So hat BMW Anfang des Jahres einen Deal bekannt gegeben, der den Münchnern die beiden Rohstoffe für die nächsten zehn Jahre sichert. Dabei gehe es in diesem Zeitraum allein bei Kobalt um 100 000 t.

Die Produktionskapazitäten bei den Zellherstellern haben die Hauptabnehmer aus der Automobilbranche mittelfristig schon längst reserviert.

Nur: Das Geschäft mit der Produktion von Lithium-Ionen-Zellen spielt sich vor allem in Asien und den USA ab. Europa und Deutschland sind derzeit als Fertigungsstandort für die Zelltechnik abgehängt. Daher hat die EU den Aufbau von mehreren Gigafactories inzwischen zum industriepolitischen, strategisch vorrangigen Ziel erklärt.

Wie lange dauert es, das nötige Know-how aufzubauen, um leistungsfähige Batterien kostengünstig in Masse herstellen zu können? „Zehn Jahre“, sagt Werner Tillmetz, Leiter des Geschäftsbereichs Elektrochemische Energietechnologien im Zentrum für Sonnenenergie und Wasserstoff-Forschung. „Nach fünf Jahren mag die Produktion schon anlaufen können, aber bis diese Zellen wirklich wettbewerbsfähig sind – zehn Jahre.“

Seitdem die Autoindustrie das Thema aufgegriffen habe, gebe es Jahr für Jahr Verbesserungen, so Tillmetz. Ihre Großinvestitionen bringen den nötigen Drive in die Technologieentwicklung und den Markt. Davon profitieren auch andere Märkte wie die der Batteriespeicher für Solaranlagen.

Martin Winter, wissenschaftlicher Leiter des Batterieforschungszentrums Meet an der Uni Münster, schätzt, dass die Kosten für eine neue deutsche Batterieproduktion mit 100 Mio. € bis 200 Mio. € pro Gigawattstunde (GWh) veranschlagt werden müssen. Zum Vergleich: Tesla und Panasonic bauen aktuell gemeinsam eine Gigafactory in den USA mit 35 GWh.

Umso wichtiger sind die hohen Investitionen hierzulande. „Deutschland sollte jederzeit in der Lage sein, bei eventuellen Versorgungsengpässen die Technologie entsprechend aufskalieren zu können“, schreibt Winter der Politik und Industrie ins Stammbuch. Seiten 20 bis 24

INTERVIEW ZUM THEMA

BU Tillmetz

„Lithium-Ionen-Technologie ist noch lange nicht ausgereizt“

ZSW-Vorstand Werner Tillmetz sieht viele Stellschrauben, um die Leistungsfähigkeit von Batterien zu steigern.