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Dienstag, 19. März 2019

Universitäten

Vision vom vereinten Hochschul-Europa

Von Monika Etspüler | 10. Januar 2019 | Ausgabe 01

Befürworter grenzüberschreitender Bildung setzen auf europäische Universitäten. Aber gerade in den Ingenieurwissenschaften gibt es große inhaltliche Differenzen.

Macron BU
Foto: dpa Picture-Alliance/Frédéric Dugit

Emmanuel Macron plädiert im September 2017 an der Pariser Sorbonne für die Einrichtung mindestens 20 europäischer Universitäten.

Einer der stärksten Befürworter eines geeinten Europas ist Emmanuel Macron. Vom französischen Staatspräsidenten stammt der Vorschlag, Europäische Universitäten mit dem Ziel einzurichten, bis 2024 ein Netzwerk von 20 EU-Hochschulen zu realisieren. Eine Idee mit Charme, denn schließlich sind die Universitäten neben der Kirche die ältesten europäischen Institutionen.

Wie Macron sich europäische Universitäten vorstellt

Die Hochschulen sind in den vergangenen Jahrzehnten verstärkt grenzüberschreitende Kooperationen eingegangen. Die TU München hat ihre Partnerschaften in Dänemark, den Niederlanden, der Schweiz und Frankreich, die RWTH Aachen pflegt Beziehungen nach Belgien, Frankreich, Österreich und Italien. Auch das Studieren ist internationaler geworden. Der Bologna-Prozess hat zu einer europaweiten Angleichung der Studienabschlüsse in Form von Bachelor und Master geführt; das Erasmus-Austauschprogramm bietet Studierenden die Möglichkeit, internationale Erfahrungen zu sammeln.

Doch die europäische Hochschullandschaft erinnert trotz aller Anstrengungen an einen Flickenteppich. Kein Wunder, dass Macrons Vorschläge von staatlicher Seite wie von Seiten der Hochschulvertreter mit Applaus aufgenommen wurden. Gerhard Duda, Leiter des Brüsseler Büros der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), sieht die Chance, in EU-Universitäten die ganze Vielfalt europäischer Forschung, Bildung und Innovation einschließlich ihrer Strukturen zu bündeln. Für Ulrich Marsch, Sprecher der TU München (TUM), sind intensivere Kooperationen und engere finanzielle Vernetzungen zwei entscheidende Vorteile grenzüberschreitender Hochschulen im Vergleich zum Status quo. Die endgültige Ausgestaltung künftiger EU-Universitäten lässt zwar noch auf sich warten, doch die ersten Schritte sind getan. Die Europäische Kommission stellt dafür bis 2021 rund 30 Mio. € bereit. Damit sollen zunächst bis zu sechs Projekte finanziert werden, deren Ausschreibung zurzeit läuft – Fachhochschulbeteiligungen inbegriffen. 2019 entscheidet sich, wer den Zuschlag erhält. Vorgesehen ist außerdem, im kommenden EU-Haushalt rund 1,7 Mrd. € für den Zeitraum zwischen 2021 und 2027 bereitzustellen. In Deutschland haben Bund und Länder bereits ihre finanzielle Unterstützung zugesagt.

Zu den Favoriten der ersten Ausschreibungsrunde zählen die Hochschulen in der Großregion Luxemburg, wo schon jetzt sechs grenzüberschreitende Universitäten mit 19 Studiengängen untereinander vernetzt sind: die Universitäten Kaiserslautern, Lüttich, Lothringen, Luxemburg, Trier und die des Saarlandes. Wer das Rennen macht, entscheidet ein Gutachterteam, das von der EU benannt wird. Wichtige Punkte im Kriterienkatalog sind die Relevanz der eingegangenen Vorschläge und die Umsetzbarkeit der geplanten Kooperationen.

„Im Moment ist alles nur angedacht“, meint Thomas Kiefer, beim VDI zuständig für internationale Bildungspolitik. Eine europäische Lösung müsse einheitliche Qualifikationsmerkmale für Bachelor und Master aufweisen. Denn insbesondere bei Ingenieuren unterschieden sich die Hochschulen zum Teil stark in ihren Lehrinhalten. Mit welchen Schwierigkeiten grenzüberschreitendes Studieren verbunden sein kann, zeige der Blick nach Österreich. So darf, wer dort seine Ingenieurausbildung an einer Höheren Technischen Lehranstalt absolviert hat, in Deutschland zwar als Ingenieur arbeiten, sich aber nicht so nennen. Dazu komme, dass der Wunsch, ins Ausland zu gehen, bei vielen Studierenden nicht besonders ausgeprägt sei.

Bei der Europäisierung der Hochschullandschaft sieht Kiefer vor allem die Politik in der Pflicht. „Ohne entsprechende Rahmenbedingungen wird es keinen Konsens zwischen den Hochschulen geben.“ Dem pflichtet TUM-Sprecher Ulrich Marsch bei, gleichzeitig warnt er aber vor zu viel staatlicher Einflussnahme. „Das könnte sich als wissenschaftshemmend erweisen und wäre somit gegenläufig zu dem eigentlichen Ziel, Europa in Forschung und Lehre wettbewerbsfähiger zu machen.“ Heike Schmitt von 4Ing, dem Verein zur Förderung der Ingenieurwissenschaften und Informatik an Universitäten, begrüßt den Vorstoß von Macron, denn „im Ingenieurbereich werden länderspezifische Anstrengungen in Zukunft nicht ausreichen, um der Phalanx aus China etwas entgegenzusetzen“.