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Donnerstag, 21. Februar 2019

Wissenschaft

Wehklagen über zu dünne Finanzdecke

Von Monika Etspüler | 2. August 2018 | Ausgabe 31

In Baden-Württemberg glauben sich die praxisnahen Hochschulen für die Herausforderungen der Zukunft nicht ausreichend gerüstet.

Foto: imago/Lichtgut

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer muss sich in Baden-Württemberg dem scharfen Gegenwind aus den Hochschulen für Angewandte Wissenschaften stellen.

Die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Baden-Württemberg sehen sich als Motor für die mittelständische Industrie. Allerdings als Motor, der Gefahr läuft ins Stottern zu geraten, weil ihm der Sprit ausgeht. Die Kritik der Rektoren richtet sich an die Adresse von Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne). Sie sehen die Leistungen der HAW, verglichen mit denen der Universitäten, nicht entsprechend gewürdigt. Aus dem Ministerium heißt es: „Die Ministerin hat viele Kinder und die hat sie alle gleich lieb.“

Das sehen die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften anders. „Die Politik hat noch nicht erkannt, welche wichtigen Funktionen die praxisorientierten HAW übernommen haben“, so Bastian Kaiser, Rektor der Hochschule Rottenburg und Vorsitzender der Landesrektorenkonferenz der HAW. Zwar subventioniert das Land im Rahmen des Hochschulfinanzierungsvertrags die Hochschulen zwischen 2015 und 2020 mit neuen Mitteln im Wert von rund 1,7 Mrd. €. Doch was zunächst als großzügig erscheint, vermag offensichtlich nicht, die vorhandenen Lücken zu stopfen. Trotz gestiegener Budgets sind die Finanzmittel pro Studierendem seit 2007 von 5600 € auf 4600 € pro Jahr zurückgegangen. Eng damit verknüpft ist die wachsende Zahl an Studierenden, die sich in den letzten 20 Jahren fast verdoppelt hat. Den Bedarf an Ingenieuren decken die HAW in Baden Württemberg inzwischen zu 59 %. Mit dieser Entwicklung hält die finanzielle und personelle Ausstattung der praxisnahen Hochschulen nicht mit.

Von der Landeshochschulkonferenz der HAW wird die wachsende Diskrepanz zwischen den Anforderungen, die heute an einen modernen Hochschulbetrieb gestellt werden, und dem, was die Bildungseinrichtungen zu leisten vermögen, mit Besorgnis beobachtet. Die Mittel, um die IT auf einen zeitgemäßen Zustand zu bringen, reichen nicht aus, die Laborausstattungen lassen zu wünschen übrig. Es fehlt an Mitarbeitern in Bibliotheken, Prüfungsämtern, in Forschung und Lehre. Die befristeten und meist schlecht dotierten Stellen sind in Zeiten relativer Vollbeschäftigung nur schwer zu besetzen. Die Haushaltslage verbietet, befristete Arbeitsverträgen in unbefristete umzuwandeln.

Zwar konnten die HAW die meist projektbezogenen Drittmittel seit 2005 verfünffachen. Basis für die Schaffung unbefristeter Stellen aber ist die dauerhafte Grundfinanzierung des Landes. Der Hochschulfinanzierungsvertrag sieht eine Anhebung dieser Grundfinanzierung um jährlich circa 3 % vor, die dem Topf für zeitlich befristete Programmmittel entnommen wird. Es findet also keine reale Budgeterhöhung statt, sondern lediglich eine Umschichtung der Finanzen.

„Diese Grundfinanzierung beträgt am Ende der Vertragslaufzeit maximal 60 % des Gesamtbudgets“, schätzt Bastian Kaiser. Zu wenig, um den Hochschulen Planungssicherheit zu geben, moniert die Landesrektorenkonferenz. Unbefristete Stellen und Studienplätze seien kaum zu schaffen. Es fehlt an Geld, um sie zu verstetigen. Die Grundfinanzierung sei deutlich zu erhöhen, fordern die Rektoren unisono. Dazu zählt für sie auch, dass die Finanzmittel pro Studierendem mindestens wieder auf das Niveau von 2007 angehoben werden.