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Dienstag, 23. Januar 2018

Elektromobilität

Wettlauf um die Ladesäulen

Von Katharina Otzen | 21. Dezember 2017 | Ausgabe 51

In Großbritannien stellen sich Öl-, Energie- und Autokonzerne auf, um den Anschluss beim Aufbau einer Ladesäuleninfrastruktur nicht zu verpassen.

w - Ölkonzerne BU
Foto: Shell

Der Mineralöl- und Gaskonzern Shell hat in Großbritannien mit Recharge eine eigene Ladesäuleninfrastruktur gestartet.

Die Begeisterung für Elektrofahrzeuge greift immer weiter um sich. Jeder Autobauer, der etwas auf sich hält, verspricht, schnellstens seine Modelle in einer E-Version zu präsentieren sowie neue zu entwickeln. Doch drohen einige Probleme alle zu treffen: die fast überall noch fehlende oder nicht ausreichende Infrastruktur für die Elektromobilität, die zu geringe Speicherkapazität der Batterien und die noch unzureichende Zahl der Schnellladestationen.

Das ist auch auf den Britischen Inseln ein Thema. National Grid, der börsennotierte Betreiber der überregionalen britischen Stromnetze, hat schon Schreckensbilder für die künftigen Elektroautofahrer gezeichnet: Wenn sie ihre Batterie zu Hause schnell aufladen und zugleich noch Tee kochen, gibt es Kurzschluss. Das Netz gebe das nicht her.

Auch Scottish & Southern Energy (SSE), einer der sechs großen überregionalen britischen Stromversorger, warnt vor Versuchen, Batterien zu Hause zu Spitzenlastzeiten aufzuladen. Das gehe erst nach teuren und noch nicht einmal anstehenden Investitionen in die Verstärkung des Netzes.

Doch solche Warnungen entmutigen die wenigsten. 2016 stieg im Vereinigten Königreich der Absatz von Elektro- und Hybridfahrzeugen um 22 % auf knapp 90 000 Wagen. Im laufenden Jahr setzt sich dieser Trend noch verstärkt fort.

Erik Fairbairn, Gründer und Inhaber der Ladegesellschaft Pod Point, schätzt zwar, dass nur etwa 5 % aller britischen Haushalte in der Lage wären, Schnellladestationen zu Hause installieren zu lassen, glaubt aber, die Mehrheit könnte gut mit den sogenannten „smart chargers“ zurechtkommen. Diese intelligenten Ladegeräte arbeiten nur, wenn die Spannung im Netz ausreicht.

Im Übrigen, so Fairbanks, sei die Mehrzahl der Besitzer von Elektroautos gar nicht so sehr auf schnelles Laden angewiesen. Denn kaum jemand fahre die Batterie seines Elektrowagens total leer. Damit reiche für die meisten ein regelmäßiges Auffrischen der Batterie – und da genüge das langsame Laden über Nacht.

Derzeit verbessert Pod Point für die Kunden von Southern Railways, eine der britischen Bahngesellschaften, eine Reihe kostenloser Ladestationen an Bahnhöfen rund um London, in Eastbourne und an anderen Plätzen in Südengland.

Um das Problem ausreichender Ladestationen kümmern sich in Großbritannien wie in Kontinentaleuropa aber auch große Energie- und andere Konzerne: Royal Dutch Shell etwa installiert an seinen britischen Tankstellen Schnellladestationen (vorerst noch zu Discountpreisen), an denen sich die Batterien innerhalb von 30 min auf 80 % ihrer Kapazität aufladen lassen.

Das mit zehn Stationen begonnene Programm will Shell möglichst schnell auf die meisten britischen Tankstellen und dann auf Netze in anderen Ländern ausweiten. Doch damit nicht genug: Shell hat mit der niederländischen Newmotion eine der größten europäischen Batterielade-Gesellschaften gekauft.

Deren Vorstandschef Sytse Zuidema freut sich, mit dem „starken Partner Shell“ noch „weiter in Europa expandieren“ zu können. Newmotion betreibt in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden bisher rund 30 000 private Ladestationen, schafft Zugang zu rund 50 000 öffentlichen Ladepunkten in 25 europäischen Ländern und hegt noch weitere ehrgeizige Pläne.

Newmotion ist dabei als Dienstleister auch für andere Ölkonzerne tätig. Im September hatte man einen Vertrag mit der französischen Total geschlossen. Die bietet ihren Geschäftskunden damit über ihre Total-Card seit dem vierten Quartal 2017 Zugang zum Newmotion-Ladenetz. Die Franzosen wollen wie Shell ihre Position mit dem Angebot für Elektro- und Hybridfahrzeuge am Markt stärken.

Der deutsche Eon-Konzern fährt eine internationale Kampagne unter dem Motto „Freedom is Electric“ – (Freiheit ist elektrisch) – und plant, bis 2020 in Europa ein Netzwerk von 10 000 Ladestationen zu installieren. Die britische Eon-Tochter bietet den Kunden zu „wettbewerbsfähigen“ Tagespreisen einen um 33 % reduzierten Nachttarif an. Das beste, so ironische Branchenstimmen, sei aber der in einer Wüste platzierte Werbefilm.

Das haben die vier großen Autokonzerne BMW, Daimler, Ford und Volkswagen bei ihrer Ionity genannten gemeinsamen Initiative zum Aufbau von 400 Schnellladestationen wahrscheinlich nicht im Sinn. An den Hauptverkehrsachsen in Europa entlang bis 2020 aufgebaut, sollen diese Stationen „Elektromobilität langstreckentauglich“ machen. Der koreanische Konkurrent Kia macht keinen so großen Wurf, sondern bietet den Käufern von Elektroautos an, Ladestationen zu Hause kostenlos zu installieren.

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