Passwort vergessen?  |  Anmelden
 |  Passwort vergessen?  |  Anmelden
Suche

Freitag, 18. Januar 2019

Energiewirtschaft

Zentraler Baustein Windkraft

Von Stephan W. Eder | 10. Januar 2019 | Ausgabe 01

Die Mannheimer MVV Energie AG setzt weiter auf die Energiewende. Die Zahlen geben dem Versorger bislang recht.

w - ESG und MVV BU
Foto: imago/spfimages

Warten auf den Ausbau: Der Mannheimer Versorger MVV Energie setzt auf Windkraft an Land als Wachstumsmotor. Die Branche atmet etwas auf, nachdem für die kommenden drei Jahre insgesamt 4 GW an neuen Kapazitäten zusätzlich ausgeschrieben werden sollen.

Für Georg Müller sind es „verlorene Jahre“ – 2017 und 2018 habe sich nämlich in Sachen Fortsetzung der Energiewende und Klimaschutz in Deutschland politisch nichts getan. Müller, Vorstandschef von MVV Energie, trimmt den Mannheimer Versorger seit Jahren auf Kurs Richtung Nachhaltigkeit. Sie sei und bleibe eine „Leitplanke unserer Geschäftsentwicklung“, sagte er Mitte Dezember bei der Vorstellung der Zahlen für das Geschäftsjahr (GJ) 2018 (Ende: 30. September 2018) in Frankfurt am Main.

Was beinhalten die neuen Regelungen zur Energiewende?

Zum vierten Mal in Folge konnte MVV Energie das operative Ergebnis erhöhen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg von 224 Mio. € im GJ 2017 um 2 %. Der Überschuss verbesserte sich um 4 % auf 111 Mio. €. Der Umsatz hingegen sank um 3 % auf 3,9 Mrd. €.

Kritik an Energiepolitik: Müller ließ kaum ein gutes Haar an der derzeitigen Energie- und Klimaschutzpolitik. Die Bundesregierung wollte wichtige offene Fragen zügig in einem „100-Tage-Gesetz“ klären. Daraus aber wurde nichts, das Energiesammelgesetz (EnSaG, s. Randspalte) reiche nicht aus, so Müller.

Was für ihn vor allem fehlt, sind langfristige Festlegungen, die ein Unternehmen braucht, um sich auszurichten. So lobte Müller wiederholt die Klimaschutzziele der Bundesregierung, bis 2030 einen Anteil erneuerbarer Energien bei der Stromerzeugung von 65 % zu erreichen. „Die Ziele sind klar. Wir brauchen nun einen verlässlichen Fahrplan“, forderte Müller.

Laut Müller gilt es, den Ausbau erneuerbarer Energien „deutlich“ zu beschleunigen. Zentraler Baustein für MVV Energie ist vor allem die Windkraft an Land. Um die eigene Position in diesem Bereich zu stärken, gab Müller bekannt, dass MVV Energie die Tochter Juwi, die weltweit Projekte im Bereich erneuerbare Energien realisiert, komplett übernehmen wolle.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr erzeugte der Mannheimer Versorger 63 % des selbst produzierten Strom aus erneuerbaren Energiequellen – 1,148 Mrd. kWh. Im Vorjahr lag der Anteil bei 57 %. „Wir wollen am Beginn der Wertschöpfungskette der erneuerbaren Energien vertreten sein“, sagte Müller. Entsprechend erhöhte MVV Energie die eigene installierte Leistung um 3 % auf 467 MW.

Energiepolitisch forderte Müller eine Regionalquote bei den Ausschreibungen für Windkraft an Land. Anlagen müssten dort ausgebaut werden, wo die Nachfrage am größten sei – „also auch in Süddeutschland“. Die im EnSaG festgeschriebenen Sonderausschreibungen für Wind und Photovoltaik von je 4 GW in den nächsten drei Jahren begrüßte er ausdrücklich.

Kohleausstieg: Als weitere wichtige Baustelle benannte Müller einen „geordneten Ausstieg aus der fossilen Energieerzeugung“. Die Abschaltung der entsprechenden Kraftwerke sei einfach der schnellste und effektivste Weg, Treibhausgase zu verringern. Die Reihenfolge dabei ist für Müller klar: erst Braunkohlekraftwerke, dann nur stromerzeugende Steinkohlekraftwerke und am Ende die Umstellung der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK).

MVV Energie betreibt selbst in Mannheim entsprechende Anlagen. Da die KWK aber Teil der Lösung und nicht des Problems „für eine erfolgreiche Wärmewende“ sei, müsse die KWK-Förderung bis 2030 weiterlaufen. Die Politik gestand der Branche im EnSaG jetzt 2025 zu. Das aber reicht Müller nicht. Gerade in Ballungsräumen gebe es keine Alternative zur Wärmewende mithilfe von KWK-Anlagen.

Mehr Investitionen: MVV will in den kommenden Jahren Müller zufolge für den Ausbau erneuerbarer Energien und für Kraft-Wärme-Kopplung in Verbindung mit Fernwärme 3 Mrd. € in die Hand nehmen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte MVV Energie 290 Mio. € investiert. Vor allem in umweltfreundliche Kraft-Wärme-Kopplung und Fernwärme.

Die Anbindung des Heizkraftwerks auf der Friesenheimer Insel – einer Rheininsel bei Mannheim – an das Fernwärmenetz ist denn auch eines der drei großen Investitionsprojekte von MVV Energie für die Zukunft. 100 Mio. € steckt der Versorger in das Projekt. Als weiteres Großprojekt steht das modulare Gaskraftwerk in Kiel vor seiner Fertigstellung im Sommer dieses Jahres. Im schottischen Dundee entstehe, so Müller, eine neue hocheffiziente thermische Abfallverwertungsanlage.

MVV Energie profitierte im abgelaufenen Geschäftsjahr von der gut laufenden Umweltsparte (Müllverbrennungsanlagen) und den steigenden Erlösen aus den Windkraftanlagen des Unternehmens. Auch die Kosten habe man weiter gesenkt, so Müller. Aufs Ergebnis drückten der milde Winter und sinkende Netzentgelte.