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Donnerstag, 21. Februar 2019

Kommentar

Das kann der liebe Gott nicht wollen

Von Wolfgang Schmitz | 26. Oktober 2017 | Ausgabe 43

Die Globalisierung trennt die Welt in zwei Lager: in die Sieger, die vom Wachstum profitieren, und die Verlierer, die davon nur aus den Medien hören. Um einen Eindruck davon zu gewinnen, braucht es keinen Langstreckenflug, eine rund 60 km weite Fahrt von Düsseldorf nach Gelsenkirchen reicht. Hier die schicke Boomcity, dort die Ruhrpott- und Fußballstadt, in der jeder Dritte statistisch als arm gilt.

Wolfgang Schmitz, Redakteur: Kirche kritisiert Kapitalismus.

Der Wettbewerb hält nicht an nationalen Grenzen, er unterscheidet zwischen guter Infrastruktur und struktureller Ödnis, zwischen Angebot an „klugen Köpfen“ und Mangel an „High Potentials“. Er fragt nicht, wo er soziale Lücken stopfen darf, er kennt nur Gewinner und Verlierer und belohnt bzw. bestraft sie entsprechend. „Die sozialen und ökologischen Kosten tauchen in der Rechnung der Globalisierung nicht auf“, hat schon Marx gesagt. Und: „Wenn diese Kosten nicht in den Blick genommen werden, wird das Projekt Kapitalismus vor die Wand fahren.“ Am Ende ruft der intellektuelle Geist zur „Neubestimmung der Gesellschaft und des Staates auf globaler Ebene“ auf. Kapitalismus sei nicht das Ziel. „Wir müssen ihn überwinden.“ Wer jetzt glaubt, es sei von Karl Marx die Rede, der irrt. Die harsche Kritik kommt von seinem Namensvetter Reinhard, seines Zeichens Vorsitzender der katholischen Bischofskonferenz und Erzbischof von München und Freising.

Mit seiner gesellschaftskritischen Haltung befindet sich Marx in bestem Einvernehmen mit Papst Franziskus, der die Auswüchse des Kapitalismus einmal als „Wirtschaft, die tötet“ bezeichnete und die Macht des Geldes anprangerte. Seinem Vorgesetzten und seinem Amtsbruder zur weltanschaulichen Seite steht der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki. Der 61-Jährige fordert die Abkehr von einer Flüchtlingspolitik, die Menschen nach ihrer „Brauchbarkeit“ bewertet.

Dass die drei Würdenträger derart auf die Antikapitalismus-Pauke hauen, ist sicher nicht auf Profilneurosen zurückzuführen oder einer Marketingstrategie der katholischen Kirche geschuldet. Die drei Geistlichen können einfach nicht anders, als die Missstände beim Namen zu nennen. Ihr Chef da oben wird ihnen Dampf gemacht haben.