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Freitag, 22. Februar 2019

Qualitätsmanagement

Den Blick auf die Prozessabläufe geschärft

Von Hans Schürmann | 16. August 2018 | Ausgabe 33

Bereits frühzeitig hat sich der Hersteller von elektronischen Hausgeräten Vorwerk mit der Rezertifizierung seines Qualitätsmanagementsystems (QMS) beschäftigt. Ende 2017 hat das Unternehmen das QMS-Audit für seine drei Standorte – Stammsitz in Wuppertal und Niederlassungen in Cloyes (Frankreich) und Schanghai – nach einer Vorbereitungszeit von gut einem halben Jahr absolviert.

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Foto: Vorwerk

Predictive Maintenance in der Küche: Vielleicht können die Kundinnen und Kunden dank Digitalisierung bald sogar vorbeugende Instandhaltung praktizieren. Vorwerk setzt dabei auf DIN ISO-Normen.

„Die frühzeitige Umsetzung der neuen QMS-Norm war für uns ein logischer Schritt, nachdem wir bereits Anfang 2017 unser Umweltmanagementsystem nach der ebenfalls überarbeiteten DIN EN ISO 14001:2014 haben zertifizieren lassen“, sagt Wilhelm Floer, Leiter des QM-Audits bei Vorwerk.

Der Elektromaschinenhersteller plant als nächstes die Anpassung des Energiemanagementsystems nach der neuen ISO-Norm 50001. „Deren Novellierung steht kurz bevor“, sagt Floer. Der Normenentwurf ist bereits öffentlich zugänglich und soll Ende dieses Jahres beziehungsweise spätestens im Frühjahr 2019 veröffentlicht werden. „Alle neuen ISO-Normen besitzen inzwischen eine gleiche Logik und Struktur (High Level Structure), was die Integration der unterschiedlichen Managementsystemnormen in das betriebliche Managementsystem deutlich einfacher macht“, so der QMS-Experte.

Die Vorwerk-Gruppe wird von einer Unternehmerfamilie geführt. Mehr als 645 000 Menschen sind weltweit für Vorwerk tätig, davon über 633 000 als selbstständige Berater sowie rund 12 000 als fest angestellte Mitarbeiter. Die Gruppe erzielt einen Umsatz von 2,9 Mrd. € pro Jahr. Der Maschinenbauer entwickelt und produziert seine Haushaltsgeräte selbst und liefert diese exklusiv an die Vertriebsgesellschaften Thermomix, Kobold und Lux Asia Pacific. „Die Anforderungen der neuen QMS-Norm 9001:2015 zum Prozessmanagement hatten wir in unserer Gruppe im Grunde schon vorher umgesetzt“, sagt Frank Meyer, Beauftragter für das Qualitätsmanagement bei Vorwerk. Die Überarbeitung des Qualitätsmanagementsystems habe noch einmal den Blick geschärft für zusätzliche Möglichkeiten zur Optimierung der Prozessabläufe.

Vor allem eine bewusstere Betrachtung der Chancen und Risiken zur Erreichung der Unternehmensziele habe geholfen, zusätzliche Optimierungspotenziale zu entdecken. Bisher habe man im Unternehmen eher auf die Risiken geschaut – sei sehr „worse-case-orientiert“ gewesen, so Meyer, der nach der Neuausrichtung des Qualitätsmanagementsystems zusammen mit der Vorwerk-Geschäftsführung die Weiterentwicklung des QMS vorantreibt. „Wir blicken nun verstärkt auch auf die Chancen, und das nicht nur bei den großen Entscheidungen, sondern bereits im täglichen Geschäft“, sagt der QM-Manager.

Ein Fortschritt bei der überarbeiteten ISO-Norm seien die höheren Freiheiten, die Unternehmen nun flexibler machen, so Meyer. „Ein Qualitätsmanagementsystem kann heute nicht mehr statisch sein. Wenn sich Dinge im Umfeld des Unternehmens verändern, muss man die notwendigen Schlüsse ziehen und sein Handeln anpassen.“ Vorwerk sei längst nicht mehr nur ein Maschinenbauer, der seine Produkte über einen längeren Zyklus am Markt absetzen kann. Der Anteil an Software für die Steuerung der elektronischen Haushaltsgeräte habe enorm zugenommen, erläutert Meyer. Das bedeute: „Um wettbewerbsfähig zu sein, müssen wir unsere Produktzyklen an die agileren Softwarezyklen anpassen.“

Die Digitalisierung sehe das Unternehmen als Chance – vor allem bei der Entwicklung von neuen Dienstleistungen. Heute versorgt das Unternehmen seine Kunden beispielsweise für den Thermomix auf der Homepage im Internet mit Rezepten und Tipps rund um das Multifunktionsküchengerät. In Zukunft könne dieser Service erweitert werden mit Angeboten für eine vorbeugende Instandhaltung (Stichwort Predictive Mainenance) wie sie im B-to-B-Geschäft mehr und mehr Verbreitung finden. „Mit der Umsetzung der neuen Norm für das Qualitätsmanagementsystem ist man für solche Herausforderungen nun besser gerüstet“, sagt Meyer.