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Mittwoch, 17. Januar 2018

Weiterbildung

Die Herren der Zahlen

Von Leila Haidar | 16. November 2017 | Ausgabe 46

Wer nach oben will, sollte sich Managementkenntnisse aneignen.

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Foto: panthermedia.net/pressmaster

Technisches Know-how und betriebswirtschaftliche Kenntnisse ebnen den Weg auf der Karriereleiter.

Ein Ingenieurstudium alleine reicht nicht, um in eine Spitzenposition zu kommen. Das zeigt sich immer wieder. Fachleute setzen deshalb verstärkt darauf, ihr Expertenwissen mit betriebswirtschaftlichen Kenntnissen zu erweitern, denn mit Managementwissen tun sich Führungskräfte beim Aufstieg leichter. Einer davon ist Björn Lamprecht.

Er war mit seinem Diplom als Maschinenbauingenieur, Fachrichtung Produktionstechnik, nicht zufrieden. Es folgte direkt im Anschluss ein zweites Studium im Bereich des allgemeinen Maschinenbaus. Danach reichte es dem Kirchheimer immer noch nicht: „Ich fühlte mich zu einseitig aufgestellt und wollte nun die Betriebswirtschaft nachholen“, sagt der heute 52-jährige Hochschulabsolvent mit zusätzlichem Abschluss als Wirtschaftsingenieur. Seine Eltern haben ihn in diesem Wunsch unterstützt. Mit 27 Jahren hatte er die drei Studiengänge und den Wehrdienst abgeschlossen und startete gut gerüstet ins Berufsleben.

Der 1,91 m große Mann wollte hoch hinaus. Der heutige Geschäftsführer des Solarunternehmens Goldbeck Solar glaubt, dass er sich mit der Kombination aus technischem Verständnis und betriebswirtschaftlichem Denken leichter getan hat, sich beruflich zu entwickeln. „Ich kann an technische Sachverhalte in der Rolle eines Controllers ein Preisschild hängen“, erzählt Lamprecht von den Momenten, in denen er für seine ausgedehnte Hochschulzeit dankbar ist. Dennoch seien ein, zwei Studiengänge, oder drei, nicht ausschlaggebend für seinen Posten als Chef von 80 Mitarbeitern. „Es geht mehr um gesunden Menschenverstand, Neugier, Willen und Instinkt.“

Sein Grundwissen und seine Berufserfahrung helfen ihm im Alltag, die richtigen Fragen zu stellen und vorhandene Prozesse sukzessive zu verbessern. Auch seine Mitarbeiter unterstützt der Unternehmer heute dabei, ihr BWL-Wissen zu vertiefen. „Nur wer über ein fundamentales Wissen verfügt, kann Strukturen vollumfänglich hinterfragen und mit neuen Ideen zielgerichtete Impulse setzen“, sagt der ehemalige Fußballer und Trompeter.

Einmal Chef eines kleineren Unternehmens zu sein, das kann sich Mehmet Soysal ebenfalls vorstellen. „Aber nur, wenn die Work-Life-Balance stimmt“, sagt der 22-jährige Masterstudent. Die Grundlagen für seine Aufstiegsmöglichkeiten setzte er an der Uni Stuttgart mit einem Bachelor der technischen BWL. „Das waren etwa drei Viertel Betriebswirtschaft und ein Viertel Technik“, fasst Soysal zusammen. Dass die Kombination für ihn stimmt, konnte er als Werkstudent bei Festo ausprobieren.

Im Bereich des globalen „Product Life-Cycle Data Managements“ von Festo geht es um technische und qualitative Aspekte rund um Produkte der Automatisierungstechnik. Und deren Kosten. „Das Material soll weltweit hohe Anforderungen erfüllen und gleichzeitig einen möglichst geringen Aufwand vor Ort erfordern, sodass administrative Kosten im Rahmen bleiben. Hier sind weltweit hohe Einsparpotenziale möglich“, sagt der Masterstudent.

Den Master macht er, weil er glaubt, dass ihm der Titel für seinen späteren Karriereweg helfen wird. Soysal geht Problemstellungen gerne analytisch an. Das Auslandspraktikum für Festo in den USA sei ein weiterer wichtiger Baustein für das Berufsleben gewesen. „Es war wichtig, zu sehen, wie Menschen an anderen Standorten arbeiten. Auch für mein Englisch war der Aufenthalt ideal.“ Mit dem Studium der technischen BWL hat Soysal für sich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Technische Produkte zu verstehen und sie betriebswirtschaftlich einzuordnen, fällt ihm heute deutlich leichter. „Ingenieure und Betriebswirte sprechen manchmal verschiedene Sprachen. Ich sehe mich als Vermittler, der beide Seiten versteht.“

Viele Parteien zusammenbringen muss auch Torsten Volkmann. Er schloss Maschinenbau am heutigen Karlsruher Institut für Technologie KIT in Karlsruhe mit einem Diplom ab. Für seinen heutigen Job als Prokurist beim Unternehmensberater Spitzmüller AG muss er sich in die verschiedensten Investitionsprojekte von mittelständischen Unternehmen hineindenken. „Es heißt dann, die Ideen von mittelständischen Firmen auf ihre Fördertauglichkeit zu prüfen und entsprechende technische und kaufmännische Unterlagen zu erstellen“, sagt der 46-Jährige.

Vor allem in Finanzierungsfragen wird der Offenburger oft zurate gezogen. Die unternehmerischen Kenntnisse bezog Volkmann aus einem „Training on the Job“. Mit einem Mentorenprogramm gelang dem Diplom-Absolventen der Berufseinstieg, interne Weiterbildungen halfen dabei, Zielkosten zu erfassen, Bilanzen zu lesen und Projekte zu managen. Ein wöchentlicher Austausch mit den älteren Kollegen führte dazu, dass er heute klassische Probleme in der Beratung löst. Auch nach zehn Jahren bei Spitzmüller fühlt sich Volkmann nicht „ausgelernt“. Die jährliche interne Konferenz, bei der renommierte Referenten über das Bankenwesen oder Finanzthemen sprechen, genießt er sehr. „Man lernt jeden Tag etwas Neues.“

„Bis heute schließen wir die betriebswirtschaftlichen Lücken unserer neuen Mitarbeiter gezielt durch mannigfaltige Unterstützung und mit der täglichen Praxis“, sagt die Führungskraft. Für die Arbeit in seinem Unternehmen brauche es zwar ein fundiertes Fachwissen, das die meisten der 40 Angestellten aus ihrem Studium mitbringen. Aber die täglichen Aufgaben zu erfüllen, lerne man eben nur bei der praktischen Arbeit. cer

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