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Dienstag, 23. Januar 2018

Baukunst

Die Kunst der Architektur

Von Fabian Kurmann | 2. November 2017 | Ausgabe 44

Die einfache Gleichung „Kunst = Architektur“ kann man zwar schnell aufstellen, doch ob sie wahr ist, kann man nur wissen, wenn man die Definitionen beider Begriffe sehr gut kennt. Tony Cragg, Sohn eines Luftfahrtingenieurs und ein berühmter Bildhauer, ist jemand, der weiß, was Kunst ist.

BU
Foto: Fabian Kurmann

Der Künstler und die Architektin: Tony Cragg und Julia Bolles-Wilson beim Streitgespräch über Kunst und Architektur.

Julia Bolles-Wilson war Professorin für Architektur in Münster und kennt die andere Seite der Gleichung. Die Voraussetzung, eine Antwort zu finden, schien beim Streitgespräch der beiden vergangene Woche also gegeben.

„Die Aufgabe der Architektur ist es eher Konventionen zu stützen, die des Künstlers eher sie infrage zu stellen“, sagt die Architektin, doch an manchen Stellen sei es schwierig, Grenzen zu ziehen. Ein Beispiel sei Peter Eisenmann, der Architekt, der das Holocaust-Mahnmal in Berlin geschaffen hat, das nicht selten als Kunstwerk bezeichnet wird. „Der Architekt beginnt wie der Künstler mit einer Idee“, erklärt Bolles-Wilson. Dann setze er diese Schritt für Schritt in Realität um. „Er hat eine riesige Kiste an Materialien, Farben und Formen zur Disposition und die nutzt er auch.“ Jeder gestalte im Rahmen der Möglichkeiten seines Budgets. Denn im Alltag müsse sich Architektur immer auch rechnen. Bei einem Reihenhaus sei Kunst nun mal nicht im Budget eingeplant. „Gebäude zu entwerfen, ist sicher ein künstlerischer Beruf“, räumt Tony Cragg ein, „aber es ist keine Kunst.“ Architekten seien viel mehr Designer als Künstler. Sie optimierten Form und Funktion nach bestimmten Kriterien wie Nützlichkeit, Kosten, selten nach Schönheit.

Darum gehe es in der Kunst nicht. „Kunst versucht etwas Geistiges, Emotionales, etwas Unsichtbares greifbar zu machen“, sagt Cragg.

Kunst sei etwas, das ein Individuum erschaffe, weshalb z. B. Regierungseinrichtungen oder große Planungsbüros niemals Kunst schaffen könnten. „Auch Architekten können niemals Künstler sein, aber sie sollten immer danach streben, künstlerisch zu arbeiten“, so der Bildhauer.

Denn die hässlichen, einfallslosen Alltagsbauten, aus denen Städte heute meistens bestünden, seien „eine materielle Wüste, die den Geist tötet“. Nur die Mächtigen könnten sich ansprechende Architektur leisten, ob im Repräsentations- oder im Sakralbau.

Doch Alltagsbauten und gestalterische Qualität unter einen Hut zu bringen, das wissen Architekten, ist häufig eine wahre Kunst.

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