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Donnerstag, 21. Februar 2019

Business-Etikette

Einer hat die Macht, der andere lacht

Von Ulrike Felger | 20. Dezember 2018 | Ausgabe 51

Wer über wen witzelt und wer über was lacht zeigt, wer im jeweiligen Kontext etwas zu sagen hat. Denn: Wer Humor lanciert, hat Macht.

Foto: privat

Ulrike Felger ist Coach, Moderatorin und Expertin für Kommunikation und Change-Prozesse.

In Meetings bestimmt der Ranghöchste den Gesprächsverlauf. Dazu gehören auch Abschweifungen sowie die Entscheidung, wann es genug der Erheiterung ist.

Humor kann Menschen verbinden, eine angespannte Atmosphäre auflockern, peinliche Situationen retten oder einfach die Stimmung heben. Doch das richtige Maß an Witz ist überaus individuell. Verzichten Sie grundsätzlich auf Häme, Spott und Anzüglichkeiten. Sie stellen eine negative Grundhaltung zur Schau und verschlechtern das Klima, statt es zu verbessern. Dies gilt umso mehr für Sarkasmus und Zynismus. Wiederholen Sie einen Witz nicht öfter beim selben Publikum – die wenigsten Scherze werden besser, je öfter man sie erzählt.

Wer sein sonniges Gemüt nicht beschränken will, hält sich an Political Correctness: Diskriminierende oder rassistische Witze wie generell Späße auf Kosten anderer sind tabu. Das gilt auch für Scherze über Sex, Männer und Frauen, Politik oder Religion. Lästern ist oft lustig – wirft aber ein schlechtes Licht auf Ihre Persönlichkeit.

Der Humor-Knigge fürs Büro lässt sich kompakt eindampfen:

Selbstironie zeigen: Wer über sich selbst lachen kann, zeigt Souveränität und stärkt dabei den Zusammenhalt im Team.

Schlagfertigkeit nutzen: Gekonnt kontern ist eine Kunst, die bösen Seitenhieben die Spitze nimmt – und die geübt werden will.

Taktisch witzeln: Nichts löst Spannungen zwischen Menschen besser als ein gelungener Scherz.

Dran bleiben: Es gibt Menschen, die vermasseln jede Pointe. Deshalb erst mal üben, dann den großen Auftritt suchen.

Wählerisch sein: Kein Witz verpflichtet zum Mitlachen. Wird es geschmacklos, dürfen Sie Ihr Missfallen durchaus auch zeigen.

Komplimente verpacken: Die schönste Verpackung für ein Kompliment ist eine charmante Übertreibung. Sie bringt die Zufriedenheit herzlicher rüber als ein schlichtes „Gut gemacht“.

Beachten Sie unbedingt den Kontext einer Situation: Ein cooler Spruch, der am Vorabend beim Sport für schallendes Gelächter gesorgt hat, verliert im nüchternen Bürolicht oft seine Leichtigkeit. Gerade zwischen den Hierarchieebenen ist Humor mit Vorsicht zu genießen.

Ganz grundsätzlich ist das Veralbern von abwesenden Dritten im Job wie im Leben ein No-Go. Wer lachen will, sollte sich am besten selbst zum Narren machen und z. B. mit einer kurzweiligen Anekdote aus seinem Leben aufwarten.

Ein Chef beweist Kritikfähigkeit, wenn er Spaß versteht und sich auch selbst auf die Schippe nimmt. Gleichzeitig festigt er so seinen Status: Einem humorvollen Vorgesetzten nimmt man schlechte Nachrichten leichter ab als einem, der sich hinter distanzierter Seriosität verschanzt. Auch wichtig: Galgenhumor gebührt nur dem Gehenkten – nicht dem Henker. Ein Hinweis, den es gerade bei schwierigen betrieblichen Situationen zu beherzigen gilt.