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Samstag, 20. Januar 2018

Porträt

Entdeckerin der Radioaktivität

Von Bettina Reckter | 2. November 2017 | Ausgabe 44

Vor 150 Jahren wurde Marie Curie geboren. Die Physikerin und Chemikerin erhielt als erste Frau überhaupt einen Nobelpreis – und als erster Mensch sogar einen zweiten Nobelpreis.

Marie Curie BU
Foto: imago/United Archives/WHA

Marie Curie erforscht die Strahlung, die von Uran ausgeht. Dafür gewinnt sie 1903 den Nobelpreis für Physik und 1911 den Nobelpreis für Chemie.

Eine rätselhafte Strahlung ist es, die Marie Curie da in ihrem Labor entdeckt. Sie geht von der Pechblende aus, einem schwarzen Material, das die unermüdliche Forscherin gemeinsam mit ihrem Mann Pierre untersucht. Die Strahlung nennt sie „Radioaktivität“. Für ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse erhält die Polin, die vor 150 Jahren am 7. November 1867 als Marya Sklodowska das Licht der Welt erblickt, als erste Frau überhaupt einen Nobelpreis.

Marya ist das jüngste von fünf Kindern, sie wächst in einem Lehrerhaushalt auf. Vater und Mutter unterrichten und sind als Schulleiter tätig. Ehrgeizig ist Marya von klein auf. Sie will lernen – und absolviert mit nur 15 Jahren das Abitur als Klassenbeste. Doch dann ist erst mal Schluss. Denn zu der Zeit dürfen Frauen in Polen nicht studieren.

So verdient sie sich ihren Lebensunterhalt als Hauslehrerin und verschlingt nebenbei alles, was sie aus Büchern über Physik, Soziologie, Anatomie und Physiologie aufschnappen kann. In ihrer Freizeit führt sie zudem erste physikalische und chemische Experimente durch. Kein Wunder, dass ihr Wunsch nach einem naturwissenschaftlichen Studium wächst und wächst.

Schließlich zieht es die junge Frau nach Paris, wo sie sich fortan Marie nennt und 1891 an der Sorbonne einschreibt – zunächst für Physik, später noch für Mathematik. „Marie hat anfangs gezögert nach Paris zu gehen. Doch dann war sie mit großem Enthusiasmus dabei“, erinnert sich Helene Langevin-Joilot, die Enkelin von Marie Curie.

Beide Studiengänge schließt Marie als Beste bzw. Zweitbeste ab. Ihr erster Job: Im Auftrag der Gesellschaft zur Förderung der Nationalindustrie soll sie die magnetischen Eigenschaften verschiedener Stahlsorten untersuchen. Endlich erfüllt sich ihr Traum – sie darf nun ganz offiziell im Labor arbeiten.

Im Jahr 1894 lernt sie Pierre Curie kennen. Er ist Experte für Magnetismus und leitet selbst ein Labor. Für die neugierige Wissenschaftlerin muss dies ein ungeheurer Glücksmoment gewesen sein. Vielleicht wird auch deshalb aus der baldigen Zusammenarbeit schließlich Liebe. Schon ein Jahr später heiratet das Paar.

Es ist das Jahr, in dem die Röntgenstrahlung entdeckt wird. Kurz darauf findet Henri Becquerel eher zufällig heraus, dass Urankaliumsulfat eine Fotoplatte schwärzen kann. Diese Strahlung wählt Marie Curie für ihre Dissertation bei Becquerel. Sie widmet sich der „Forschung über radioaktive Stoffe“.

Gemeinsam mit Becquerel und ihrem Mann Pierre untersucht sie Uranverbindungen. In Pechblende, einem Uranoxid zum Färben von Glas, entdecken sie besonders viel Strahlung – obwohl nur 0,1 % der Substanz überhaupt strahlt.

In mühsamer Handarbeit bereitet Marie im Hinterhof rund 1 t Pechblende auf, um genügend Material für einen wissenschaftlichen Nachweis zusammenzubekommen. „Sie fand heraus, dass sich in der Pechblende noch ein weiteres chemisches Element wie das Uran befinden musste, und zwar in viel größerem Ausmaß“, sagt die Enkelin, die selbst Kernphysikerin ist.

Dass ihre Arbeit nicht ungefährlich ist, muss die junge Frau, die permanent entzündete Fingerkuppen hat und an Müdigkeit und Schwächeanfällen leidet, geahnt haben. Letztlich wird sie dafür mit dem Leben bezahlen. Aber ihr Forscherdrang ist so groß, dass sie diese Anzeichen der Strahlenkrankheit, die ja noch unbekannt ist, einfach übergeht.

Der Lohn für die harte Arbeit ist die Entdeckung von gleich zwei neuen chemischen Substanzen: Die eine nennt Marie Curie – nach ihrer Heimat – Polonium, die andere Radium, eine Substanz, die leuchtet.

Es gelingt, genügend Radiumchlorid zu gewinnen, um daraus die Atommasse zu bestimmen. Zu dem Zeitpunkt übt Marie seit drei Jahren als erste Frau eine Lehrtätigkeit für Physik an Frankreichs renommiertester Ausbildungsstätte für zukünftige Lehrerinnen aus. Sie hält Vorträge, verfasst Abhandlungen und heimst Forschungspreise ein.

Für die Strahlung schlägt die disziplinierte Forscherin die Bezeichnung Radioaktivität vor. Wobei noch nicht klar ist, was genau das sein soll. Für ihre Entdeckung werden Marie und Pierre gemeinsam mit Becquerel 1903 mit dem Nobelpreis für Physik geehrt. Marie Curie, die erste Frau, die diese höchste Wissenschaftsauszeichnung der Welt erhält, ist aber gesundheitlich so angeschlagen, dass sie nicht selbst zur Preisverleihung reisen kann. Nur langsam erholt sie sich wieder.

Da geschieht das Unfassbare. 1906 stirbt Pierre bei einem Verkehrsunfall. Nun muss Marie den gemeinsamen Wissenschaftstraum allein erfüllen. Noch im gleichen Jahr übernimmt sie die Vorlesungen ihres Mannes, zwei Jahre später auch dessen Lehrstuhl für allgemeine Physik. Sie ist die erste Frau und erste Professorin, die an der Sorbonne lehrt.

Doch die eifrige Wissenschaftlerin hat Neider, die eine Schmutzkampagne anzetteln. Ihre Liebesaffäre mit Paul Langevin wird ihr 1911 zum Verhängnis. Dessen ungeachtet erhält sie im gleichen Jahr den Nobelpreis für Chemie für die Entdeckung der chemischen Elemente Polonium und Radium. Es ist das erste Mal überhaupt, dass eine Person diesen wichtigen Preis ein zweites Mal bekommt.

Und sie forscht weiter. Marie erhält ein eigenes Laboratorium, das Curie-Institut zur Erforschung der Radioaktivität. Während des ersten Weltkriegs entwickelt sie einen Röntgenwagen, um die verwundeten Soldaten an der Front zu untersuchen. Sie engagiert sich für bessere Arbeitsbedingungen von Wissenschaftlern und für die Förderung von weiblichen und ausländischen Studierenden.

Die disziplinierte Forscherin behauptet sich in einer Männerwelt und ist dennoch ihren beiden Töchtern Irene und Eve eine liebevolle Mutter. Tochter Irene tritt in ihre Fußstapfen und wird ebenfalls Kernphysikerin. Marie Curie wird 66 Jahre alt. Sie stirbt am 4. Juli 1934.

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