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Freitag, 22. Februar 2019

Mittelstand

Exzellenz für den Mittelstand

Von Manfred Ronzheimer | 26. Oktober 2017 | Ausgabe 43

Die Technikakademie Acatech fordert eine bessere Vernetzung zwischen Wissenschaft und kleinen, aber innovativen Unternehmen.

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Foto: panthermedia.net/pressmaster

Mit einer „Innovationsoffensive für den Mittelstand“ will Acatech Brücken zur Forschung bauen.

Der Exzellenzinitiative für die Wissenschaft müsse eine gleiche Anstrengung für den innovativen Mittelstand folgen. Dies forderten die Spitzen der Deutschen Akademie für Technikwissenschaften (Acatech), Kagermann und Kempf, in Berlin vor dem Hintergrund der Regierungsbildung. Deutschland brauche mehr partnerschaftliche Kooperationen von Politik, Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft.

Die Akademie für Technikwissenschaften (Acatech)

Der Schub der Digitalisierung sollte von mittelständischen Unternehmen für neue Formen der Vernetzung mit Kunden und Forschung genutzt werden, mahnte der frühere VDMA-Präsident Wittenstein an. „Das Silicon Valley ist nicht die Blaupause für unseren Erfolg. Ein starker industrieller Mittelstand gehört hingegen in jedem Fall dazu“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Wittenstein SE auf der Acatech-Festveranstaltung im Berliner Konzerthaus.

In der politischen Keynote des Abends hielt der frühere Forschungsminister Heinz Riesenhuber Rückschau auf Erfolge deutscher Innovationspolitik. Sie habe dazu beigetragen, dass von den weltweit rund 3200 „Hidden Champions“ heute die Hälfte Weltmarktführer aus Deutschland seien. Der Wettbewerb werde aber härter. „Wer sich auf seinen Lorbeeren ausruht, trägt sie an der falschen Stelle“, befand der CDU-Politiker in seiner letzten Bundestagswoche. Desiderat sei weiterhin die Einführung der steuerlichen Forschungsförderung, für die er schon vor 30 Jahren beim damaligen Bundesfinanzminister Gerhard Stoltenberg erfolglos geworben habe. „Aber jetzt sind wir kurz davor, sie endlich einzuführen.“ 

Foto: Acatech/D. Ausserhofer

Acatech-Präsident Henning Kagermann: „Wir brauchen mehr Zusammenarbeit, mehr Geschwindigkeit, aber auch mehr Diskussion.“

Acatech-Präsident Henning Kagermann hob hervor, dass die „vierte industrielle Revolution“, die mit der Digitalisierung ausgelöst worden sei, verstärkte Anstrengungen bei der innovativen Vernetzung der Akteure wie auch in der Bildung notwendig mache. „Wir müssen uns eingestehen, dass wir bei der Umsetzung der digitalen Transformation oder bei der Energiewende nicht schnell genug sind und unsere Ziele für den Ausbau digitaler Infrastrukturen nicht ambitioniert genug angegangen sind“, sagte der frühere SAP-CEO selbstkritisch. Hoffnung setzte er in die Chancen der „Plattformökonomie“ und die Entwicklung autonomer Systeme und künstlicher Intelligenz.

Hierzu habe Acatech eine neue Kooperationsplattform „Lernende Systeme“ nach dem Muster von „Industrie 4.0“ eingerichtet. „Die Zukunft ist ein Gemeinschaftswerk“, sagte Kagermann. Innovation laufe zunehmend kooperativer und integrativer ab. Kagermann: „Wir brauchen mehr Zusammenarbeit, mehr Geschwindigkeit, aber auch mehr Diskussion.“

 „Die Exzellenzinitiative der Grundlagenforschung muss mit einer Exzellenzinitiative der Umsetzungsforschung einhergehen“, war die Forderung des neuen wissenschaftlichen Co-Präsidenten der Acatech, Dieter Spath. Er hatte langjährig das Fraunhofer IAO in Stuttgart geleitet und war zuletzt bei Wittenstein tätig. „Kleine und mittlere Unternehmen brauchen bessere Zugänge zu Forschungskooperationen“, betonte Spath.

Dies gelte für Hidden Champions, kleine und mittelständische Unternehmen sowie Start-ups. Acatech möchte deshalb eine „Innovationsoffensive für den Mittelstand“ initiieren. Innovation sollte neben der Technik stärker auch soziale Komponenten berücksichtigen.

Als prioritär sieht Spath Neuerungen in betrieblichen Organisationsprozessen im Dienstleistungsbereich an, nicht zuletzt bei der Nutzung von Daten, die aus Geschäftsprozessen gewonnen werden. Spath: „Wir sind heute dem höchsten Innovationsdruck der Nachkriegsgeschichte ausgesetzt.“

 Für den Kern des Innovationsgeschehens hält der Unternehmer Manfred Wittenstein vor allem den engen Kontakt mit der Kundenseite. Sein Unternehmen mit 2500 Beschäftigten ist heute Weltmarktführer im Bereich der präzisen mechatronischen Antriebstechnik. Für das neue Antriebssystem „Galaxie“ mit einer fundamental neuen Kinematik wurde das Unternehmen 2016 mit dem Hermes Award der Hannover Messe ausgezeichnet. „Das Funktionsprinzip dieses Antriebs steht in keinem Lehrbuch der Wissenschaft“, verriet Wittenstein. „Uns haben der Markt, die Kunden weltweit und auch die eigenen Ingenieure getrieben, aber nicht der Staat oder irgendein Förderprogramm.“

Mit einer Einschränkung: Die Forschungsvereinigung Antriebstechnik innerhalb der Industriellen Gemeinschaftsforschung habe bei der Entwicklung substanziell geholfen. „Wir mussten unheimlich viel Neuland betreten.“ Wittensteins Botschaft: Eigeninitiative und Mut sind die Basis des innovativen Mittelstandes. Die Unternehmen sollten „noch konsequenter und offensiver ihren Forschungsbedarf“ in Kooperationen mit der Wissenschaft einbringen.ws