Passwort vergessen?  |  Anmelden
 |  Passwort vergessen?  |  Anmelden

Samstag, 17. Februar 2018

Studium

Für die Zukunft gut gerüstet

Von Peter Steinmüller | 8. Februar 2018 | Ausgabe 06

Viele Hochschulen haben die Anforderungen der Elektromobilität bereits in ihren Ausbildungsprofilen verankert.

BU HS-Elektromobilität
Foto: TU Chemnitz/Dirk Hanus

Die TU Chemnitz qualifiziert mit einem Bachelorstudiengang für Elektromobilität. Diesem Trend folgen immer mehr Hochschulen.

Der Wandel vom Verbrennungsmotor und zum Elektroantrieb stellt nicht nur die Unternehmen vor neue Herausforderungen, sondern auch die Hochschulen und Weiterbildungsunternehmen. „Ein Umbruch wie er jetzt in der Automobilentwicklung hin zu Elektrofahrzeugen stattfindet, muss parallel auch in der Ausbildung vollzogen werden“, sagt Lars Funk, Leiter des Bereichs „Beruf und Gesellschaft“ beim VDI. Beispielsweise an den Universitäten. Als Einheit von Forschung und Lehre seien diese sehr früh am Puls der Zeit. „Sie schaffen die Übergänge und vermitteln ihren Studenten neue Technologien und Erkenntnisse aus Forschungsprojekten, längst bevor neue eigene Studiengänge eingerichtet werden“, so der VDI-Experte.

Das habe bei der Entwicklung und Einführung neuer Umwelttechnologien gut geklappt und funktioniere auch bei dem Thema Elektromobilität sehr gut. „Wir empfehlen daher jungen Leuten, die sich für das Thema Elektromobilität qualifizieren wollen, ein Bachelorstudium im Bereich Maschinenbau, Elektrotechnik oder Informatik zu wählen und sich dann im Masterstudium zu spezialisieren“, so Funk. Auch nach der Einschätzung der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE), dem Beratungsgremium der Bundesregierung zur Elektromobilität, das sich aus Spitzenvertretern aus Industrie, Politik, Wissenschaft, Verbänden und Gewerkschaften zusammensetzt, sind die ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge wie Fahrzeugtechnik und Maschinenbau inhaltlich gut aufgestellt. Das Gremium sprach sich daher gegen die Einrichtung neuer Ausbildungsgänge aus und empfahl, die Elektromobilität stärker in bestehenden Ausbildungsprofilen zu verankern.

Das ist in den letzten Jahren an mehreren Hochschulen in Deutschland geschehen, sodass bundesweit erste Kompetenzzentren entstanden sind, die in Projekten mit Firmen aus der Automobilindustrie die notwendigen Technologien rund um die Elektromobilität entwickeln und die Unternehmen bei der Qualifizierung von Mitarbeitern unterstützen.

Beispielsweise in Bochum: Dort entwickelt das Institut für Elektromobilität gemeinsam mit Partnern aus der Industrie etwa Prototypen eines Elektroautos, das seine Energie über Solarzellen auf dem Karosseriedach generiert, sowie einen Kleintransporter, der elektronisch angetrieben wird. Gleichzeitig bietet die Hochschule für Absolventen mit einem Bachelorabschluss in Elektrotechnik, Fahrzeugtechnik, Mechatronik oder Informatik einen Masterstudiengang Elektromobilität an, in dem sie sich in drei Semestern in einem Vollzeitstudiengang weiterbilden können.

Auch die RWTH Aachen hat sich zu einem Kompetenzzentrum für Elektromobilität entwickelt. Mit seinem Elektromobilitätslabor (eLab) bietet die Universität Unternehmen die erforderlichen Ressourcen, die es den Firmen ermöglichen, Komponenten für ein Elektrofahrzeug zu entwickeln. Um die Aktivitäten der Hochschule zu koordinieren, hat die RWTH die Geschäftsstelle für Elektromobilität (GSE) eingerichtet. Sie ist das Bindeglied zwischen diversen Instituten der RWTH Aachen und allen am Thema Interessierten. Neben der Koordination von Projekten organisiert die GSE Weiterbildungsveranstaltungen wie eine Ringvorlesung für Studenten der Hochschule mit einer Vielzahl von Vorlesungseinheiten, z. B. zur Produktion von elektrischen Speichern.

Die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Mannheim bietet Studenten der Mechatronik die Möglichkeit, sich über die Wahl der Studienrichtung Elektromobilität im Hauptstudium für eine Tätigkeit im Bereich der Entwicklung von Elektroautos zu spezialisieren.

Foto: DHBW Mannheim

„Wir können sehr schnell auf Veränderungen in der Arbeitswelt reagieren und die Teilnehmer in unseren Studiengängen mit dem neuesten Wissen versorgen.“ Sven Schmitz, DHBW Mannheim.

„Immer mehr unserer Partnerunternehmen suchen Mitarbeiter, die für die Entwicklung und Integration von elektrischen Antrieben in Pkw, Nutzfahrzeugen, Zweirädern und Flurförderfahrzeugen qualifiziert sind“, sagt Sven Schmitz, Professor und Studiengangleiter Elektromobilität an der DHBW Mannheim. Neben dem DHBW-Standort Mannheim haben Stuttgart und Mosbach als weitere Standorte die neue Studienrichtung im Programm.

Das Besondere an dem Konzept der DHBW ist die starke Orientierung an den Bedürfnissen der Arbeitswelt. „Die Partnerunternehmen, die Stellen für ein spezielles Studium ausschreiben, bestimmen quasi mit, welche Inhalte in den Studiengängen vermittelt werden“, erläutert Schmitz. Gleichzeitig stellen sie auch das Know-how für die Studieninhalte zur Verfügung. Neben den Professoren der DHBW, die im Grundstudium vor allem das Basis-Know-how vermitteln, bringen Dozenten aus den Unternehmen in den oberen Semestern das Wissen für die Spezialisierung ein. „Dadurch können wir sehr schnell auf Veränderungen in der Arbeitswelt reagieren und die Teilnehmer in unseren Studiengängen mit dem neuesten Wissen versorgen“, sagt der DHBW-Professor.

Zunächst sei das Interesse der Partnerunternehmen an der neuen Studienrichtung Elektromobilität gering gewesen. „Jetzt, wo die elektrischen Antriebe immer wichtiger werden, bieten immer mehr Unternehmen einen dualen Studienplatz Elektromobilität an“, so Schmitz. Neben OEMs der Fahrzeugindustrie wie Audi, Daimler und EvoBus sowie deren Zulieferern seien dies auch Unternehmen aus der Strom- und Verkehrswirtschaft wie Rhein-Neckar-Verkehr.

„Durch den wachsenden Anteil an regenerativer Energie, der einer natürlichen Fluktuation unterliegt, wird es immer wichtiger, Speicher für diese Energien zu schaffen“, erläutert der Studienleiter für Elektromobilität. Hier könnten Strom- und Mobilitätswirtschaft künftig hervorragend zusammenarbeiten.

Die fachlichen Inhalte der Studienrichtung betreffen sowohl die Entwicklung von Komponenten als auch die Integration mit Sub- und Gesamtsystemen von elektrischen Antrieben und deren Versorgung mit Energie. „Die Ausbildung ist damit so breit gefächert, dass Absolventen später in allen Anwendungsbereichen eine Stelle finden können“, so Schmitz.

Inzwischen bieten einige Hochschulen auch Bachelorstudiengänge an, die gezielt im Bereich Elektromobilität ausbilden, beispielsweise an der HM-Hochschule in München, an der TU Chemnitz sowie an der Hochschule Ruhr West in Mülheim.

„Bei einer so frühen Spezialisierung sollten Interessenten jedoch genau darauf achten, dass die Ausbildungsinhalte im Studium möglichst breit angelegt sind, um später bei der Suche eines Arbeitsplatzes flexibel genug zu sein“, empfiehlt VDI-Experte Funk. So sollten beispielsweise beim Thema Energiespeicher nicht nur Batterien, sondern auch Brennstoffzellen eine Rolle spielen, weil beide Speicherarten noch am Anfang der Entwicklung stehen und nicht klar ist, welche Speicherform sich letztendlich durchsetzen wird. pst

stellenangebote

mehr