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Dienstag, 23. Januar 2018

Familienunternehmen

„Fürchtet euch nicht vor der Digitalisierung!“

Von Wolfgang Schmitz | 16. November 2017 | Ausgabe 46

Bei Mittelständlern begrabe die Digitalisierung die Belegschaften nicht, hieß es auf dem Karrieretag bei Schüco.

Familienunternehmen begreifen die Digitalisierung als Chance – ohne sich in hektischem Aktionismus zu verlieren. Auf diese Aussage legten die Teilnehmer des „Karrieretag Familienunternehmen“ größten Wert. Stellvertretend für seine Kollegen aus Vorständen und Geschäftsführungen betonte der Gastgeber, dass man die Digitalisierung begrüße, ohne kritiklos jedem Trend hinterher zu hecheln. „Wir geben in der gebotenen Geschwindigkeit Gas“, sagte Andreas Engelhardt, Geschäftsführer des Bielefelder Bauzulieferers Schüco.

Diese Feststellung scheint wichtig, denn das technologische Tempo bereitet nicht nur den Älteren Sorgen. „Viele junge Menschen haben Manschetten vor der Digitalisierung“, weiß Stefan Heidbreder, Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen. Deshalb fühlten sich längst nicht alle Absolventen und Young Professionals dazu berufen, bei Internetkonzernen anzuheuern. Auch IT-Experten nicht. „Solche Leute gehen nicht zu Google, die gehören in Familienunternehmen.“ Was Engelhardt, Chef von rund 4700 Schüco-Mitarbeitern, nur bestätigen kann: „Auch viele Junge wollen noch Kontakt zum Produkt.“ Ihnen sei es wichtig, Gebäude mit Nachhaltigkeit zu bauen, keine virtuellen Wunderwelten.

Das Vorurteil, Familienunternehmen lebten von dem, was die Großen ihnen vormachten, sei falsch, sagt Engelhardt. Sicher: US-Firmen seien bei IT-Technologien in Führung gegangen. Aber „beim Internet of Things liegen wir in der zweiten Spielhälfte sehr weit vorne“. Die große Kundennähe sei ein Garant dafür, dass Kommunikationstechnik auch mit Leben gefüllt werde.

Die Digitalisierung fördert die Zusammenarbeit der Teams, trägt aber zur größeren Stressbelastung bei, glauben von der TU München befragte Arbeitsplatzbewerber mit akademischem Hintergrund.

Die Digitalisierung, die wie eine Riesenwelle Belegschaften unter sich begrabe, gebe es im Übrigen nicht. Zumindest bei Schüco nicht. Engelhardt sieht die Digitalisierung „nur“ als Hilfsmittel, nicht als Disruption. Voraussetzung, um dennoch vorhandene Ängste ab- und Vertrauen aufzubauen, seien Ehrlichkeit und Offenheit. „Wir müssen den Mitarbeitern erklären, was wir vorhaben, wir müssen ihnen aber auch sagen, was wir noch nicht wissen.“

Engelhardts Appell „Fürchtet euch nicht vor der Digitalisierung!“ richtet sich nicht allein an junge und weniger junge Bewerber. Die großen Familienunternehmen täten gut daran, auch ihre Kunden und Zulieferer auf dem Digitalisierungsweg an die Hand zu nehmen. So schult Schüco im Jahr 2017 rund 12 000 eigene Mitarbeiter und solche aus anderen Unternehmen. Mit dem digitalen Metallbauer haben die Bielefelder eine neue Ausbildungsrichtung ins Leben gerufen, von der auch andere Firmen im Umkreis profitieren sollen.

Im Rahmen des Karrieretags stellte die Stiftung Familienunternehmen eine Studie der Technischen Universität München zur Einstellung von Studierenden und berufstätigen Akademikern gegenüber der Digitalisierung vor. Die Hälfte der Befragten fühlt sich ausreichend auf die Anforderungen vorbereitet, Männer (50,4 %) etwas besser als Frauen (49,0 %). Nur 45,5 % der Wirtschaftswissenschaftler sehen der Digitalisierung furchtlos ins Auge, während das bei Wirtschaftsingenieuren 55,0 % tun.

Bei Betrachtung der Abschlüsse gilt: Je höherwertig die Ausbildung, desto geringer die Zweifel, den digitalen Wandel nicht meistern zu können.

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