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Mittwoch, 20. Februar 2019

Porträt

Gemeinsam zum Ziel

Von Hans Schürmann | 22. November 2018 | Ausgabe 47

Andreas Adler ist Ingenieur bei Bosch in Immenstadt im Allgäu. Er entwickelt zusammen mit Teamkollegen Software für die Steuerung komplexer Montageanlagen.

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Foto: Bosch

Geschafft: In Immenstadt nimmt Bosch in Kürze die Montageanlage für eine neue Frontvideokamera in Betrieb. Andreas Adler entwickelt zusammen mit seinen Teamkollegen die SPS-Software für die Steuerung der Anlage.

Der Automobilzulieferer hat bereits 2015 begonnen, die Prozesse der Fertigung an den Standorten Blaichach und Immenstadt (Allgäu) zu digitalisieren. Die Produktionsstätten im Allgäu sind Leitwerk für ein internationales Netzwerk mit elf Standorten weltweit und über 7000 verbundenen Maschinen. Hier fertigt das Unternehmen im globalen Verbund der Bosch-Gruppe Hightechkomponenten für eine aktive Fahrsicherheit – neben den Sicherheitssystemen ABS und ESP, Sensoren und Videokameras für die Fahrerassistenz. Produktionsplaner, Software- und Anlagenentwickler arbeiten Schulter an Schulter, tauschen sich aus und treiben Verbesserungen voran. Einer davon ist der Elektroingenieur Andreas Adler.

Zusammen konzipieren sie auf Basis von Boschs eigenen Fertigungssystemen bereits während der Entwicklung neuer Produkte die Fertigungs- und Montageanlagen. „Durch Simultaneous Engineering sorgen wir dafür, dass die Ideen der Kollegen für neue Produkte umgesetzt werden können“, sagt Andreas Adler. Der 33-jährige Elektroingenieur ist seit September 2015 Mitglied im Team des hauseigenen Maschinenbaus, das die Produktions- und Montageanlagen für die Fertigung der Neuentwicklungen plant und realisiert.

Zurzeit nimmt Bosch in Immenstadt die Montageanlage für eine neue Frontvideokamera in Betrieb, die für das Auto der Zukunft entwickelt wurde. Die neue Stereovideokamera dient zur dreidimensionalen Umfelderfassung. Ein Teil des Hightechprodukts wird im Reinraum montiert. Adler entwickelt gemeinsam mit seinen Teamkollegen die Software für eine speicherprogrammierbare Steuerung (SPS) der Anlage. Während er und seine Kollegen mit Handskizzen und in Workshops das Grob- und Feinkonzept der Montageanlage entwerfen, optimieren die Kollegen in der Entwicklungsabteilung Details des Produkts weiter. „Jeder kann sich einbringen und wird wertgeschätzt“, beschreibt Adler die Arbeitsatmosphäre.

Das Arbeiten im Team hat dem Elektroingenieur schon immer gelegen. Nach dem Abitur und der Bundeswehrzeit hat er sich zunächst für eine Ausbildung als Veranstaltungstechniker entschieden. Die Arbeit machte ihm Spaß, doch Adler wollte mehr, ihn lockte die Vision, an der Entwicklung großer vernetzter Anlagen mitzuarbeiten. „Da war ein Bachelorstudium in Elektro- und Informationstechnik einfach der nächste logische Schritt.“

Der Ingenieur hat das Studium 2009 an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Kempten aufgenommen und 2014 mit dem Master of Engineering abgeschlossen. Die Hochschule im Allgäu hatte gerade ein Jahr zuvor ihren Bachelorstudiengang Elektrotechnik mit Blick auf die zunehmende Bedeutung der Digitalisierung in der Automatisierung der Fabrik der Zukunft um Module der Informationstechnik erweitert. Seitdem lernen die Studierenden in diesem Studiengang auch das Programmieren am Beispiel von gängigen Softwaresprachen, wofür sich Adler besonders interessierte. In seiner Bachelorthesis beschäftigte sich der angehende Ingenieur mit einer praxisnahen Aufgabe, der Optimierung der Taktzeiten einer Maschine. Zudem schloss Adler den Masterstudiengang „Electrical Engineering“ an.

Andreas Adler habe sein Masterstudium mit Bravour gemeistert und eine ausgezeichnete Masterarbeit über die Modellierung der elektrischen Maschine eines Pumpspeicherkraftwerks abgeliefert, sagt Frank Fischer, Professor im Fachbereich Elektrotechnik. „Er hat sich eigenständig in eine komplexe Software eingearbeitet, in dem Programm wichtige fehlende Optionen identifiziert und Optimierungen vorgeschlagen.“ Der VDE-Südbayern hat Adler für seine Arbeit mit dem VDE Award 2014 ausgezeichnet.

In wenigen Monaten hat der junge Ingenieur in Immenstadt seinen Traum von der ersten Montageanlage, an der er maßgeblich mitgearbeitet hat, in die Realität umgesetzt. Noch ist nicht klar, ob er anschließend die Montageanlage für die neue Stereovideokamera weiter betreuen und optimieren oder in ein anderes Projekt wechseln wird. Sicher ist für Adler jedoch, dass er sich langfristig auf jeden Fall weiterbilden möchte, mit dem Ziel, eines Tages Führungsaufgaben bei Bosch zu übernehmen.