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Sonntag, 18. Februar 2018

Karriereplanung

Gute Chancen in der Umbruchphase

Von Peter Steinmüller | 8. Februar 2018 | Ausgabe 06

Bei der Wende zum klimafreundlichen Auto sind IT- und Elektrotechnikspezialisten stark gefragt.

BU Aufmacherfoto
Foto: imago/Westend61

Nicht nur mit Ladesteckern müssen sich Ingenieure beschäftigen, die ihre Karrierechancen in der Elektromobilität suchen.

E-Mobilität und autonomes Fahren bedeuten für Autobauer und Zulieferer neue Chancen, aber auch erhebliche Herausforderungen: Sie müssen neben einem laufenden Geschäft mit konventionellen Autos neue Geschäftskonzepte generieren und Technologien entwickeln für einen Markt, der gerade erst langsam entsteht. Dafür benötigen sie engagierte Mitarbeiter mit neuen und zusätzlichen Qualifikationen.

Der Schlüssel zur Reduktion von Emissionen im Autoverkehr ist die Elektromobilität, betrieben mit Energie aus erneuerbaren Quellen. In Verbindung mit regenerativ erzeugtem Strom emittieren Elektrofahrzeuge deutlich weniger CO2. Mit ihren Energiespeichern könnten Elektrofahrzeuge zudem die Schwankungen von Wind- und Sonnenkraft ausgleichen und den Ausbau dieser unsteten Energiequellen unterstützen, so die Hoffnungen. Daher forciert die Bundesregierung seit mehreren Jahren den schrittweisen Umstieg von importiertem Öl auf heimisch produzierten Strom und Wasserstoff. Mit einem „Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität“ plant sie, bis 2020 in Deutschland einen Leitmarkt mit mindestens 1 Mio. Elektrofahrzeugen zu etablieren.

Auch wenn die Entwicklung von Elektroautos in den letzten Jahren eher schleppend verlaufen ist und die Zahl der zugelassenen Elektroautos deutlich geringer ist als geplant, könnte laut der jüngsten Deloitte-Studie zur Wertschöpfungskette in der Automobilindustrie der Anteil der E-Antriebe bei Neuzulassungen im Jahr 2025 in Deutschland in einem realistischen Szenario bereits rund ein Viertel betragen. „Spätestens seit der Dieselkrise hat die Automobilbranche erkannt, dass sie die Entwicklung hin zur Elektromobilität nicht weiter aufhalten kann“, sagt Harald Proff, Partner bei dem Beratungsunternehmen in Düsseldorf.

Steiler Rückgang: Die Unternehmensberatung Deloitte prognostiziert, dass Verbrennungsmotoren bei Pkw in zwölf Jahren nur noch einen Marktanteil von einem Viertel bei den Pkw-Neuzulassungen ausmachen werden.

Die Hersteller (OEM) und deren Zulieferer investieren seitdem massiv in die Entwicklung von erforderlichen Technologien und neuen Geschäftsmodellen für die Mobilität der Zukunft. Die Fahrzeugentwicklung fand lange Zeit ausschließlich im Labor statt, das ändert sich nun. „Angesichts der langen Zyklen in der Automobilindustrie glaube ich allerdings, dass die Ablösung des Verbrenners in den Jahren erst ab 2030 massiv an Fahrt gewinnt“, sagt Proff.

Für die Umsetzung in der Produktion benötigen die Unternehmen elektronisches Know-how und IT-Wissen. Damit steigen auch die Karrierechancen für Ingenieure, die sich solches Wissen angeeignet haben. Bundesregierung und Industrie haben 2010 die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) als Impulsgeber, Berater und Thinktank gegründet. Ausbildung und Qualifizierung waren von Beginn an Kernthemen der NPE-Initiative. Denn eins war klar: Der schrittweise Umstieg vom Verbrennungsmotor hin zum Elektroantrieb wird deutliche Auswirkungen auf die Arbeitsplätze haben. Es entstehen neue Berufsbilder und Qualifikationen.

Durch die Elektromobilität ergeben sich eine Vielzahl von neuen Herausforderungen in der Automobilproduktion. „Die Integration voll- und teilelektrifizierter Antriebsstränge in den Automobilbau erfordert das Neudenken bestehender Fertigungs- und Automatisierungsprozesse“, sagt Heiner Heimes, Leiter der Geschäftsstelle Elektromobilität an der RWTH Aachen. Zusätzlich muss die Prozesssicherheit von neuen Fahrzeugwerkstoffen und eine durchgehend sichere Montage der Hochvoltkomponenten sichergestellt werden. Das alles geschieht vor dem Hintergrund unsicherer Stückzahlen und einer sich ändernden Wertschöpfungsverteilung zwischen Hersteller (OEM) und Zulieferern.

Um den Wandel hin zu emissionsfreien Autos zu schaffen, benötigen die Automobilhersteller und ihre Zulieferer gut ausgebildete Fachkräfte. Doch die sind rar. Wegen fehlender Stellen waren nur wenige Studenten motiviert, sich auf das Thema Elektromobilität zu spezialisieren. Doch das scheint sich nun zu ändern: Mit der wachsenden Nachfrage nach Absolventen, die sich während des Studiums fundierte Kompetenzen sowohl im Maschinenbau als auch in der Elektrotechnik angeeignet haben, steige nun auch das Interesse der Studenten an den Themen rund um die Elektromobilität deutlich, sagt Heimes, und fährt fort: „Alle Absolventen der Hochschule mit diesen Qualifikationen können sich auf spannende Aufgaben nach dem Studium freuen.“ Das habe sich herumgesprochen, inzwischen versuchten immer mehr Studenten, sich in dem Themenfeld weiterzubilden. Die Ringvorlesung zur Elektromobilität, in der die RWTH Aachen seit vier Jahren das Expertenwissen aus unterschiedlichen Bereichen der Hochschule bündelt und über den aktuellen Stand der Forschung und neueste Trends in der Elektromobilität berichtet, wird inzwischen von über 100 Studenten besucht.

Mit der gestiegenen Nachfrage nach Ingenieuren der Elektro- und Informationstechnik sind deren Karrierechancen so gut wie nie. Das zeigt die jüngste Studie des VDE zum Arbeitsmarkt für Elektroingenieure: Fünf von zehn Befragten beschreiben den Ingenieurberuf als Tätigkeit mit viel Gestaltungsspielraum, krisensicher und mit internationalem Profil. Zwei von zehn haben bereits Personalverantwortung, sechs von zehn streben Personalverantwortung an und drei von zehn erwarten sie innerhalb der nächsten drei Jahre. „Diese Zahlen zeigen, dass es für Elektroingenieure schnell die Karriereleiter hinaufgeht. Denn im Schnitt sind unsere Befragten erst zwei Jahre und einen Monat berufstätig“, sagt VDE-CEO Ansgar Hinz.

Der Arbeitsmarkt für Ingenieure, die sich mit den Herausforderungen rund um die Elektromobilität auskennen, liegt nach Einschätzung von Lars Funk, VDI-Bereichsleiter „Beruf und Gesellschaft“, zu 80 % in der Automobilbranche – und hier vor allem in der Zulieferindustrie. Da der Wandel hin zu Elektrofahrzeugen gerade erst begonnen habe, seien die Karrierechancen für ambitionierte Absolventen eines Studiums mit einem Schwergewicht in Elektromobilität in dieser Umbruchphase besonders groß. „Zurzeit werden in den Unternehmen der Automobilbranche Geschäftsbereiche neu aufgebaut und Start-ups benötigen in der Wachstumsphase engagierte Mitarbeiter, die das Unternehmen vorantreiben“, so Funk. Das sieht auch Deloitte-Berater Proff so: „Die Absolventen haben zurzeit die Möglichkeit, sich die Jobs auszusuchen und sollten dies nutzen.“

Jungingenieure sollten sich gut informieren über die zukünftigen Arbeitgeber und die Aufgaben, die sie erwarten. „Wie stellen sich die Unternehmen auf den Wandel ein? Die OEMs sind die Integratoren der Technologie und bieten einen sicheren Arbeitsplatz. Zulieferer dagegen sind flexibler. Hier könnten die spannenderen Aufgaben warten“, so Proff. pst

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