Passwort vergessen?  |  Anmelden
 |  Passwort vergessen?  |  Anmelden
Suche

Samstag, 16. Februar 2019

Ausbildung

Im Gleichschritt mit der Digitalisierung

Von Klaus Heimann | 5. Juli 2018 | Ausgabe 27

Der Einzug digitaler Techniken verändert das Lernen im Betrieb. Mit Beginn des Ausbildungsjahrs gehen elf Industrieberufe mit digitalen Inhalten an den Start.

Digitale Berufe BU
Foto: panthermedia.net/daisy-daisy

Digitale Kompetenzen sind in der Elektro- und Metallindustrie unabdingbar, ohne das Mensch-zu-Mensch geht es aber auch nicht.

Das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) rechnet vor, welche Auswirkungen die Digitalisierung hat: Knapp 8 Mio. Beschäftigte arbeiten in Berufen, in denen mindestens 70 % der anfallenden Tätigkeiten Computer oder computergesteuerte Maschinen erledigen können. Viele der Betroffenen sind in der Chemie-, Elektro- und Metallindustrie beschäftigt. Damit sie nicht zu den Verlierern gehören, muss Aus- und Weiterbildung die Brücke zu den neuen Qualifikationen schlagen.

Die Arbeitsmarktforscher empfehlen kontinuierlich zu prüfen, ob die Bildungsprofile noch den aktuellen technologischen Anforderungen entsprechen. Denn: Berufe können sich so verändern, dass sie mehr oder weniger gut mit der Digitalisierung Schritt halten.

Damit liegt ein konkreter Arbeitsauftrag auf dem Tisch: Umbau der Berufsbildung. Die Sozialparteien, vorneweg Gesamtmetall und IG Metall, schickten 36 betriebliche Experten ins Rennen, um die Industrieberufe digital fit zu machen. Inzwischen haben sie für elf Profile die unterschiedlichen Anforderungen von Industrie 4.0 untersucht und die gefundenen Inhalte im Curriculum verankert. Frank Gerdes, Berufsbildungsexperte der IG Metall, freut sich über das Arbeitsergebnis: „Das ist ein absolut gutes Signal für das Ausbildungsjahr 2018: Die industriellen Metall- und Elektroberufe haben jetzt den Einstieg in die digitale Welt geschafft.“

Anders als einige Hochschulen, die schnell mit zusätzlichen Studiengängen 4.0 liebäugeln, gibt es bei betrieblicher Bildung keine zusätzlichen Ausbildungsgänge. „Aktuell sind keine neuen technischen Ausbildungsberufe erforderlich, jedoch ist eine Anpassung im Zusammenhang mit Industrie 4.0 notwendig“, so Sven-Uwe Räß, bei Gesamtmetall für Anpassungsarbeiten zuständig.

Was ändert sich nun konkret bei den runderneuerten Berufen? Berufsbildner Gerdes von der Gewerkschaft berichtet: „Die rund 70 000 Jugendlichen, die in den elf Berufen im August oder September starten, können digitale Qualifikationen erlernen: 3-D-Druck, IT-gestützte Anlagenänderung oder Programmierung. Je nach Beruf gibt es Zusatzqualifikationen, unter denen Betrieb und Azubi wählen können.“

Für Gesamtmetall-Experte Räß ist ganz wichtig, dass die Unternehmen ihre Spielräume behalten: „Da die Zusatzqualifikationen eine freiwillige Option für die Betriebe sind, ist niemand überfordert. Das Ausbildungsformat ist deshalb so gewählt, weil der Grad der Digitalisierung und die Themen in den Betrieben sehr unterschiedlich sind.“ Die Sozialparteien haben sich deshalb gegen direkte und knallharte gesetzliche Vorgaben entschieden. Stattdessen werben sie für das Digitalangebot, auch wenn es länger dauert, bis alle Betriebe mitmachen.

Einer Vorgabe kann sich allerdings kein Ausbildungsbetrieb entziehen. Der Rahmenplan enthält den verpflichtenden Auftrag, in jedem Fall die Grundlagen der Digitalisierung zu vermitteln. „Digitalisierung der Arbeit, Datenschutz und Informationssicherheit“ nennt sich diese Berufsbildposition. Konkret meint die Chiffre, dass die Azubis mit der Standardsoftware ihrer Firma arbeiten sollen, Dokumente austauschen und sichern, Daten eingeben und analysieren, digitale Lernmedien nutzen oder Unregelmäßigkeiten an IT-Systemen erkennen. Kurzum: Es geht um die Basis-informationen der Digitalisierung. „Das könnten im Übrigen die Inhalte sein, die bald in allen 327 Berufen zu vermitteln sind“, vermutet Berufe-Experte Gerdes.

Das Projekt „Digitalisierung der Berufe“ hat drei weitere Botschaften: Erstens gelang die Anpassung in einem rasanten Tempo. Die Vorarbeiten starteten im Oktober 2017, im März lagen die Berufsordnungen vor. Zweitens haben die Sozialpartner Raum für Differenzierung und Vielfalt geschaffen. Und drittens bestätigt die Wirtschaft, dass die betriebliche Berufsausbildung, auch unter den Bedingungen von Industrie 4.0, unverändert die Basis für die benötigten Fachkräfte ist.

Übrigens: Parallel zu den Industrieberufen haben sich Fachleute auch die vier IT-Berufe vorgeknöpft und Änderungen auf den Weg gebracht. Im ersten Schritt geht es um mehr IT-Sicherheit. Die Neuerungen sind ebenfalls ab August verbindlich vorgeschrieben.

Wie intensiv die Digitalisierung in der Industrie aufschlägt, ist auch daran zu abzulesen, dass der IT-Fachinformatiker zum zahlenmäßig stärksten Beruf aufgestiegen ist. Der Industriemechaniker, langjähriger Branchenprimus, schaffte es 2017 bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen nur noch auf Platz zwei.