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Donnerstag, 21. März 2019

Gründung

Im Tandem auf den Markt

Von Matilda Jordanova-Duda | 17. Mai 2018 | Ausgabe 20

Wie Fraunhofer Venture über „TechBridge“ mit Start-ups kooperiert, schildert Programmmanagerin Radostina Ruseva.

Interview BU2
Foto: Julia Milberger

Im Wettbewerb „TandemCamp“ bewerben sich Start-ups um die Fraunhofer-Förderung.

VDI nachrichten: Was macht TechBridge?

Foto: Julia Milberger

Radostina Ruseva ist Programmmanagerin von TechBridge, das Kooperationen zwischen Fraunhofer-Instituten und Technologie-Start-ups fördert. Sie war selbst Gründerin und Start-up-Coach.

Ruseva: Das „Matching“ der Start-ups mit den richtigen Partnern aus den Instituten ist eine unserer Hauptaufgaben. Dazu gehören noch zwei weitere ganz wichtige Säulen. Erstens: Coaching für die Institute wie auch für die Start-ups, um die Kooperation vorzubereiten. Zweitens: die Finanzierung. Das ist notwendig, denn die Institute sind ständig auf Projektakquise und auch bei den Start-ups sitzt das Geld nicht locker. Wir vergeben die Budgets in zwei Stufen. Einmal 10 000 €, damit kann man eine Machbarkeitsstudie durchführen. Dann noch einmal 50 000 €. Weil die Nachfrage höher ist, als das Angebot sein kann, muss man sich dafür in unserem Wettbewerb „TandemCamp“ bewerben.

Wie geht das?

Wenn sich ein Start-up und ein Institutsteam kennengelernt haben und etwas gemeinsam tun wollen, können sie ihre Bewerbung einreichen. Die Ausgewählten nehmen an einem ganztägigen Kick-off-Workshop teil und bewerben sich dann um die 10 000 €. Die Budgets werden an diesem Tag vergeben, sodass die Gewinnertandems gleich loslegen können. Wir prämieren immer fünf Tandems. Nach rund zwei Monaten können sie sich in einem sogenannten „TandemCamp extended“ für die zweite Stufe bewerben. Später gibt es eventuell auch andere Mittel.

Welche Kriterien müssen die Start-ups erfüllen?

Wir haben keine festen Kriterien. Wir hatten sowohl Studierende, die noch nicht gegründet haben, wie auch erfahrene Serial Entrepreneurs. Aber gewöhnlich stehen die Start-ups kurz vor dem Markteintritt und suchen einen Technologiepartner. Bei Fraunhofer können sie oft auf bereits vorhandene Technologien zurückgreifen. Es gibt auch die älteren Start-ups, ein bis drei Jahre nach der ersten Finanzierungsrunde, die schon sehr gut das tun, was sie vorhatten, aber keinen Plan für die Zukunft haben. Daher kann es sowohl für sie als auch für ihre Investoren von Interesse sein, mit einem richtigen Forscher zusammenzukommen, um sich die nächste Produktstufe oder die Erweiterung des Produktportfolios vorzunehmen.

Wie sieht es nach Branchenzugehörigkeit aus?

Meistens sind es Technologie-Start-ups, aber es gibt keine Einschränkung bezüglich der Mitarbeiterzahl, des Umsatzes, der Branche oder des Finanzierungsstatus und auch nicht nach der Technologie. Es ist ein interner Fraunhofer-Scherz: Es gibt keine Technologie, die es bei Fraunhofer nicht gibt. Wir haben 70 Institute, und es beteiligen sich mit jedem TandemCamp immer mehr von ihnen.

Was bringt diese Kooperation den Fraunhofer-Forschern?

Für uns ist das ein zusätzlicher Technologietransfer-Weg. Die Fraunhofer-Gesellschaft muss zwei Drittel ihres Haushalts selbst erwirtschaften. Das ist so, damit sie die Motivation hat, Technologien auf den Markt zu bringen. Schon vor TechBridge gab es Unternehmen, die unsere Technologien lizenziert haben und erfolgreich damit geworden sind. Etwa Coding Technologies, die das MP3-Format lizenziert und später den Exit mit Dolby geschaffen haben. Mit TechBridge versuchen wir nun, den Start-ups entgegenzukommen und Instrumente und Methoden für eine effiziente und ressourcenschonende Zusammenarbeit zusammenzustellen. Diese Projekte sind klein, haben aber Potenzial zu wachsen. Wir investieren vorab, aber wir hoffen – daher auch der Wettbewerbscharakter –, dass wir die richtigen auswählen. Wir hoffen, dass relevante Erlöse zurück an die Fraunhofer-Gesellschaft fließen. Lizenzgebühren sind eine Möglichkeit, ebenso Joint Ventures oder Beteiligungen.

Ist die Kooperation auf eine bestimmte Dauer ausgelegt?

Das hängt von den Tandems ab. Die Institute agieren sehr selbstständig und entscheiden selbst über den Rahmen. Wir gehen das vorerst unverbindlich an. Das TandemCamp und der Gewinn von 10 000 € setzen noch keinen Lizenzvertrag voraus. Beide Teile verpflichten sich nur zur Geheimhaltung. Anstatt den Lizenzvertrag schon am Tag null auszuhandeln, macht man ihn erst nach den entsprechenden Vorbereitungsarbeiten. Dann weiß man etwa, ob die Technologie das hergibt, was gewünscht ist, und ob man sich persönlich versteht.

Welche Projekte sind bereits hervorgegangen?

Es gibt mehrere Beispiele. Etwa „Monitorfish“: Das Start-up beobachtet den Bestand und den Gesundheitszustand in der Fischzucht. Dafür brauchten die Gründer spezielle Erkennungsalgorithmen. Wir haben sie mit der Abteilung Maritime Graphics des Fraunhofer-Instituts für Graphische Datenverarbeitung (IGD) zusammengebracht. Mit den 10 000 € haben sie einen ersten Prototyp erstellt. Vor Kurzem erst haben sie auch eine Folgefinanzierung von 50 000 € gewonnen. „Acuila“ ist ein studentisches Team, das die Tourenplanung der Pflegedienste digitalisieren will. Es entwickelt zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für Algorithmen und Wissenschaftliches Rechnen (SCAI) eine Software, die spontane Veränderungen in Echtzeit darstellen kann.

Wie lange wird es das Programm „TechBridge“ noch geben?

Unsere BMBF-Förderung ist erst einmal bis März 2019 befristet. Wir hoffen auf Verlängerung, weil wir eine hohe Nachfrage sowohl bei den Start-ups als auch bei den Instituten feststellen. Es bewerben sich auch immer bessere Start-ups und motiviertere Institutsansprechpartner. Die Zusammenarbeit ist an sich nicht neu. Neu ist: Wir stellen Instrumente zu Verfügung, die es einfacher machen, systematisch mit Start-ups zu kooperieren. Für die Fraunhofer-Gesellschaft ist es zum ersten Mal eine Öffnung nach außen im Sinne von „Open Innovation“. Das heißt, die Kunden in der Wertschöpfungskette zu integrieren oder Ideen vom Markt, von außen und von hereinzuholen. 

http://www.fraunhoferventure.de/de/angebote/projekte/techbridge