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Montag, 22. Januar 2018

Strategie

Jetzt mal hergehört!

Von Chris Löwer | 12. Oktober 2017 | Ausgabe 41

Wie man sich und seine Abteilung gekonnt ins Rampenlicht rückt, ohne zu prahlen

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Foto: panthermedia.net/olegdudko

Selbstvermarktung: Wer gute Arbeit leistet, sollte das kommunizieren und nicht darauf warten, dass die anderen die eigene Leistung und die des eigenen Teams bemerken.

Ich bin gut, meine Abteilung liefert bestens ab, alles prima. Nur so richtig merkt das keiner, geschweige denn, dass die Leistung honoriert wird.“ Die Sache ist: Von nichts kommt nichts. Führungskräfte müssen schon für sich und ihr Team trommeln, damit sie wahrgenommen und wertgeschätzt werden. Nur halten das Ingenieure oft für unnötig. „Ich erlebe es immer wieder, dass sich gerade Naturwissenschaftler und Ingenieure mit dem Marketing in eigener Sache schwertun“, sagt Maren Lehky von der Hamburger Karriereberatung Lehky Consulting. „Sie scheinen zu glauben, dass es doch reichen müsse, wenn die Leistung stimmt und man einen richtig guten Job macht.“

Mitunter halten sie auch wenig von allem Marketinggeklingel, das die Kollegen aus der entsprechenden Abteilung so gut auch in eigener Sache beherrschen. „Dabei reicht es heute nicht aus, einfach nur einen tollen Job zu machen. In einer Welt voller Komplexität, Dauerinformation und immer neuen Impulsen gehen die Leisen unter – leider“, weiß Lehky. Natürlich ist gute Arbeit die Basis, sagt Buchautor und Kommunikationsberater Branko Woischwill, doch es braucht eben noch etwas mehr, um erfolgreich zu sein. „In der Aus- und Weiterbildung wird oft zu wenig vermittelt, dass es in der Arbeitswelt nicht nur um die Leistung allein geht, sondern gute Arbeitsergebnisse auch den richtigen Leuten bekannt gemacht werden sollten“, bedauert Woischwill.

Doch was gehört zu gekonntem, nicht zu lautem Selbstmarketing für die eigene Abteilung? „Zunächst einmal hilft der Gedanke, dass man das Marketing nicht nur für sich persönlich und seinen Glanz betreibt, sondern auch das Team davon profitiert“, sagt Lehky. Jeder möchte schließlich für einen Chef arbeiten, der gut dasteht, und in einem Team, das Themen entwickelt, die für das Unternehmen relevant sind. „Keiner arbeitet gern verborgen im Keller“, betont sie. Nicht zuletzt seien erfahrungsgemäß jene Abteilungen am besten ausgestattet, von Budget- und Ressourcenkürzungen verschont, die sich gut verkaufen.

Woischwill rät Führungskräften, zunächst die eigenen Ziele klar zu definieren: Wer ist meine Zielgruppe? Welcher Eindruck soll bei der Zielgruppe entstehen? Welche beruflichen Pläne verfolge ich? „Wenn man hierzu Klarheit hat, dann ergibt sich ein spezifischer Selbstmarketing-Weg.“

Werkzeuge hierfür können E-Mails sein, mit denen man maßgebliche Entscheider über Projekterfolge informiert, oder die Präsenz bei Branchenveranstaltungen, um dort etwa über neu erworbene Kompetenzen oder eine Patentanmeldung zu informieren. Lehky: „Es bietet sich alles an, was einen Lichtspot auf die Leistungen, Erfindungen, spannenden Projekte wirft.“ Beispielsweise ein Interview in der Unternehmenszeitung, ein Vortrag vor High Potentials, ein Beitrag auf der Führungskräftetagung, ein Chat im Intranet, bei dem man Fragen zum Thema beantwortet, die viele Mitarbeiter interessieren könnten. „Denkbar ist auch eine Fotodokumentation mit Ausstellung auf dem eigenen Flur, wohin man seine Stakeholder auf einen Drink einlädt, kurz: alles, was zum Thema passt und für Interesse sorgt“, sagt Lehky. Stets sollte es um Inhalte gehen, die für das Unternehmen von vitalem Interesse sind. Nicht verkehrt sei bei allem auch, anzumerken, wo es Verbesserungsmöglichkeiten gibt, um nicht ungewollt in Lobhudelei abzudriften. Taktisch klug ist laut Lehky, sich mit seinem Team an Schlüsselprojekten zu beteiligen – dabei die Dienste der Abteilung anzubieten und nicht darauf zu warten, dass von allein eine Einladung kommt.

Die Grundregel lautet nach Expertenmeinung: Man sollte nie davon ausgehen, dass der Chef im Bilde ist. Deshalb sei er auch die natürliche Adresse für etwas Selbstmarketing. Entscheidend sei, zu wissen, wie man ihn anspricht: „Den Chef informiert man zum Beispiel, indem man ihn fragt, ob man ihm ein aktuelles Projekt vorstellen darf und sein Feedback zu den erreichten Milestones bekommen könnte“, erklärt Lehky. Oder man hält ihn mit Updates auf dem laufenden, wenn er hierfür Interesse bekundet hat. Lehky: „Oder man fragt ihn, wie viel Information er gern darüber hätte. Es kommt sehr darauf an, zu schauen, wie er tickt.“ Steht er selbst gern im Mittelpunkt, dann sei es günstiger, ihn die Lobrede auf der Flurparty halten zu lassen, damit sein Stern am hellsten strahlt. „Das wird er Ihnen danken!“ Hält er selbst das Trommeln für Getue und glaubt, man habe das nicht nötig, müsse man ihm mit Sachargumenten beikommen.

Woischwill rät von einer Profilierung im Sinne von „Ich kann alles!“ ab. Auch er sagt: „Wichtig ist, dass man ein Gespür für unterschiedliche Leute und Situationen entwickelt. So wird man automatisch viel besser die richtige Tonlage finden.“ Denn der Grat zwischen Aufmerksamkeit schaffen und prahlen ist schmal. Maren Lehky hält es für eher unwahrscheinlich, dass Ingenieure auf den Putz hauen: „Da muss man sich als eher bescheidener und sachorientierter Mensch überhaupt keine Sorgen machen. Man wird nie ins Prahlen abrutschen. Davor bewahren einen viele innere Barrieren und die eigene Abneigung dagegen.“ cer

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