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Sonntag, 21. Januar 2018

Standort

Kampf um Görlitzer Turbinenwerk der Siemens AG

Von Wolfgang Schmitz | 26. Oktober 2017 | Ausgabe 43

Angesichts einer möglichen Schließung des Turbinenwerks der Siemens AG in Görlitz hat Landrat Bernd Lange der Leitung des Münchner Konzerns den Kampf angesagt.  „Die Schließung werden wir nicht hinnehmen.

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Foto: dpa Picture-Alliance/Jürgen Lösel

Turbinenbau im Siemens-Werk Görlitz: Der Industriekonzern soll planen, wegen der schlechten Marktlage den Betrieb zu schließen.

Solche Signale in die Bevölkerung verstärken den Verdruss in der Region“, sagte der CDU-Politiker am Montag in der sächsischen Industriestadt.

Am Wochenende hatte der Landrat mit Mitarbeitern des Siemens-Werks über die Situation gesprochen. „Dieses Treffen bestätigte mir, dass die Auftragsbücher gut gefüllt sind“, sagte Lange. Die rund 800 Siemens-Mitarbeiter in Görlitz entwickeln und fertigen Industriedampfturbinen, etwa für Kraftwerke mit kombinierter Energieerzeugung und Wärmeauskopplung. Eingesetzt werden die Maschinen unter anderem in einer schwedischen Papierfabrik, einer Müllverbrennungsanlage in Großbritannien und einem mexikanischen Industriekraftwerk. 

Der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) setzt sich ebenfalls für den Erhalt des Werks ein. Er forderte den Bund auf, „sehr deutlich Position für die Standorte in strukturschwachen Regionen wie der Lausitz zu beziehen“. 

Der Elektrokonzern Siemens plane, so ein Bericht des Manager Magazins in der letzten Woche, harte Einschnitte in der Kraftwerkssparte Power & Gas. Nach internen Plänen sollten bis zu elf der weltweit 23 Standorte der Sparte geschlossen oder verkauft werden, berichtete das Magazin unter Berufung auf Unternehmenskreise.

Ein Siemens-Sprecher wollte den Bericht am Donnerstag letzter Woche nicht näher kommentieren. Er erklärte lediglich, das Unternehmen setze seine Strategie „Vision 2020“ konsequent und erfolgreich um. „Dazu gehört, dass wir uns kontinuierlich Gedanken über die strategisch richtige Aufstellung unserer Geschäfte machen.“ Das könne „die Konsolidierung einzelner Aktivitäten einschließen, wenn es die Marktbedingungen erforderlich machen“, so der Sprecher. Gleichzeitig investiere Siemens umfangreich in Wachstumsfelder.

Die ostdeutschen Standorte von Power & Gas dürfte es dem Bericht zufolge besonders hart treffen. Neben der Schließung von Görlitz stehe der Verkauf des Generatorenwerks in Erfurt auf dem Programm.

Am 9. November will Siemens vorläufige Jahreszahlen vorlegen. Spätestens dann dürften auch die Sparpläne konkreter kommuniziert werden. Dafür spricht, dass die Konzernleitung das gesamte Vorhaben den Arbeitnehmern Anfang November im Wirtschaftsausschuss vorstellen will. Die IG Metall reagierte verärgert. „Wir bewerten es als unsäglich, dass erneute Tausende Mitarbeiter auf diese Weise verunsichert werden“, sagte ein Gewerkschaftssprecher am Konzernsitz in München.

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