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Mittwoch, 20. Februar 2019

Führung für Profis

Keine Konfliktlösung ohne Kompromiss

Von Ulrike Felger | 7. Februar 2019 | Ausgabe 06

Wer glaubt, Konflikte vermeiden zu können, verkennt die Lage. Und sorgt eher dafür, dass Ärger im Verborgenen köchelt und sich irgendwann in einer plötzlichen Explosion Bahn bricht.

Foto: privat

Ulrike Felger ist Coach, Moderatorin und Expertin für Kommunikation und Change-Prozesse.

Der beste Weg zur Klärung eines Konflikts ist das Gespräch. Dieses zu führen, ist eine ganz klare, wenn auch nicht einfache und selten erfreuliche Führungsaufgabe. Damit ein solches Gespräch gelingt, müssen die Parteien bereit sein, aufeinander zuzugehen.

Doch bevor es soweit ist, muss es gut vorbereitet werden, damit es nicht in die Hose geht. Für den Vorgesetzten ist es wichtig, zunächst die eigene Haltung zu der Streitigkeit und den daran Beteiligten zu reflektieren. Idealerweise verhält sich ein Chef als Gesprächsmoderator allparteilich – das funktioniert allerdings nur, wenn er oder sie selbst keine Aktien im Spiel hat.

Verlassen Sie sich auf keinen Fall auf Anschuldigungen nach Hörensagen. Und denken Sie daran, dass jede Kommunikation und damit auch jeder Konflikt eine Sach- und eine Beziehungsebene hat. Ein absolutes No-Go sind Vorwürfe, Schuldzuweisungen oder der Versuch, die Konfliktparteien zu irgendetwas zu überreden.

Wer einen Streit beilegen will, muss für die Emotionen genügend Raum schaffen. Dabei ist es wichtig, auf einen korrekten Umgangston ohne Beschimpfungen, Spott, Provokationen oder Beleidigungen zu achten. Es gelten die Regeln jedes guten Mitarbeitergesprächs: Lassen Sie die Beteiligten ausreden und übermitteln Sie Ich-Botschaften. Eine besonnene Wortwahl gehört ebenso dazu wie eine gute Selbstkontrolle bezüglich Mimik und Gestik.

Oft helfen Gespräche unter vier Augen, sich von den Interessenslagen der Konfliktparteien ein erstes Bild zu machen. Es ist nicht leicht, in einer angespannten Situation echte Information von Propaganda zu unterscheiden. Und es ist wichtig, redegewandten Mitarbeitenden oder Kollegen in formellen oder informellen Vorgesprächen nicht blind auf den Leim zu gehen.

Spannend ist deshalb der Blick hinter die Kulissen: Oft sind Auseinandersetzungen nur Inszenierungen auf einem Nebenschauplatz. Die Fragen „Um was geht es hier denn wirklich?“ und „Warum ist Ihnen das gerade so wichtig?“ helfen, der wahren Ursache einer Krise auf die Spur zu kommen. Eine echte Konfliktlösung bedeutet übrigens immer, dass die Beteiligten aufeinander zugehen. Ohne Kompromiss lenkt eine Konfliktpartei vielleicht gegen ihre innere Überzeugung ein. Und bei der nächstbesten Gelegenheit geht der Ärger in die nächste Runde.

Ist ein Kompromiss gefunden, heißt es, einen Knopf an die Sache zu machen: Vereinbaren Sie konkrete nächste Schritte und legen Sie fest, wer was bis wann macht. Letztlich greifen hier die Prinzipien guten Projektmanagements. Wenn ein Vorgesetzter selbst nicht direkt an der Auseinandersetzung beteiligt ist, kann es helfen, eigene Lösungsvorschläge einzubringen oder die Interessenslage des Unternehmens transparent zu machen.

Der Einsatz lohnt sich: Verläuft ein Gespräch in konstruktiven Bahnen, kann es wie ein Sommergewitter die Atmosphäre reinigen.