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Donnerstag, 21. März 2019

Studium

„Mehr Raum für Planung und Organisation“

Von Monika Etspüler | 14. März 2019 | Ausgabe 11

Warum ein Referenzrahmen für Studiengänge im Bauwesen nötig ist und warum gerade zum jetzigen Zeitpunkt, erläutert Susanne Müller vom Akkreditierungsverbund ASBau im Interview.

Bau Interview BU Aufmacher
Foto: panthermedia.net/Rawpixel

Digitalisierung, Interdisziplinarität und Internationalität sind wesentliche Herausforderungen, deren Basis schon im Bauingenieurstudium gelegt werden sollte.

VDI nachrichten: Die Studiengänge des Bauingenieurwesens sind sehr breit gefächert. Warum hat man diese Vielfalt jetzt in einen Referenzrahmen (siehe Kasten) gepresst?

Foto: Hauptverband der deutschen Bauindustrie

Susanne Müller: „Die konkreten Inhalte eines Studiengangs waren nicht mehr transparent genug.

Müller: Wir haben tatsächlich eine enorme Vielfalt an Studiengängen, doch gerade das breite Angebot hat dazu geführt, dass die konkreten Inhalte eines Studiengangs nicht mehr transparent genug waren. Das macht es den angehenden Studierenden, aber auch zukünftigen Arbeitgebern schwer, sich zu orientieren. Außerdem beobachten wir mit einer gewissen Sorge die zum Teil sehr frühe Spezialisierung während des Studiums. Mit dem Referenzrahmen wollen wir einen möglichst einheitlichen Standard bei der Ausbildung erreichen. Wir werden beim Status quo aber nicht stehen bleiben, sondern ihn regelmäßig weiterentwickeln, um so auf aktuelle Herausforderungen reagieren zu können.

Susanne Müller und der ASBau

Im Referenzrahmen heißt es: „Bauingenieure und -ingenieurinnen müssen die Tragweite, Folgewirkungen und die Wirtschaftlichkeit von Entscheidungen einschätzen können.“ Konnten sie das bisher nicht?

Der Referenzrahmen ist nicht so zu verstehen, dass alles, was darin thematisiert wird, nicht bereits vorhanden ist. Durch den Referenzrahmen soll das Berufsprofil von Bauingenieuren und Bauingenieurinnen geschärft werden. Er soll als Orientierungsrahmen dienen im Hinblick auf die berufliche Tätigkeit der Absolventinnen und Absolventen.

Die Bauwirtschaft war in den vergangenen Jahrzehnten einem enormen Wandel unterzogen. Welche Kompetenzen haben an Bedeutung gewonnen, welche verloren?

Die Wirtschaftsvertreter im ASBau haben darauf hingewiesen, dass Defizite der Berufsanfänger weniger in klassischen Kompetenzbereichen zu suchen sind. Hier sehen wir durchaus die Möglichkeit, durch teilweise „Entschlackung“ des Studiums einen Ausgleich zu der gestiegenen Bedeutung des Baumanagements zu schaffen, also der Planung und Organisation von Bauprojekten.

In diesem Bereich ist die Verantwortung der Ingenieure nämlich gestiegen. Hinter dieser Entwicklung verbergen sich zu großen Teilen Auswirkungen der Digitalisierung, denn Innovationen bringen bekanntermaßen auch neue Anforderungen mit sich. So müssen Ingenieure sich heute zusätzlich zu den rein baulichen Aufgaben auch stärker mit betriebswirtschaftlichen oder juristischen Aspekten auseinandersetzen. Diese integrativen Kompetenzen müssen dann auch stärker abgebildet werden.

Spricht man von der Digitalisierung der Baubranche, ist vor allem das Building Information Modeling, kurz BIM, gemeint, in dem alle relevanten Bauwerksdaten zusammengeführt werden. Wird das Wissen darüber an den Universitäten und Hochschulen vermittelt?

Die vollen Auswirkungen der Digitalisierung sind in der Bauwirtschaft noch bei Weitem nicht absehbar. Deshalb ist es auch schwierig, entsprechende Kompetenzen in der Ausbildung zu verankern. Es handelt sich um einen laufenden Prozess. Ein klares Anforderungsprofil und entsprechende Standards haben sich noch nicht herausgebildet. Derzeit besteht jedoch an den meisten Hochschulen bereits die Möglichkeit, sich im Rahmen von Wahlmodulen mit Themen wie BIM zu befassen. Wir plädieren mit dem Referenzrahmen dafür, entsprechende Angebote möglichst als Ausbildungsstandard, also verpflichtend vorzusehen.

Soft Skills und Interdisziplinarität spielen im Studium und später im Beruf eine immer größere Rolle. Gilt diese Entwicklung auch für die Baubranche?

Das sind essenzielle Merkmale. Deshalb müssen die Hochschulen sie bei der Gestaltung des Studiums berücksichtigen. Das gilt natürlich auch im Bauingenieurwesen. Wir bewegen uns hier aber in einem Bereich, der nur schwer als Maßstab für den Erfolg eines Studiums gelten kann. Unser Vorschlag ist es deshalb, Projekte und Exkursionen, die sich zur Vermittlung von Soft Skills eignen, stärker zu nutzen und dabei auch interdisziplinär vorzugehen. Die Zusammenarbeit mit angrenzenden Fakultäten wie Maschinenbau, Elektrotechnik oder Architektur ist sicher noch ausbaufähig. In der Baupraxis ist ein Miteinander dann häufig Grundvoraussetzung.