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Donnerstag, 21. Februar 2019

Hochschule

„Mehr Tempo bei der Transformation“

Von Hans Schürmann | 22. November 2018 | Ausgabe 47

Dagmar Dirzus vom VDI fordert Verbesserungen in der Ausbildung.

VDI nachrichten: Frau Dirzus, wie ist zu erklären, dass Änderungen bei der Hochschulausbildung erst so spät greifen?

Foto: VDI

Dagmar Dirzus, Geschäftsführerin der VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik.

Dirzus: Bis die heutigen neuen Curricula umgesetzt sind, dauert es fünf Jahre. Bis dann die ersten Studenten in die Unternehmen kommen, dauert es noch mal fünf Jahre.

Wie könnte es schneller gehen?

Man braucht nicht den ganz großen Wurf. Wenn sich die Lehrenden bei den Studieninhalten und Qualifikationen, die sie vermitteln wollen, mehr an den Anforderungen der Praxis orientieren würden, dann wäre schon viel erreicht.

Geschieht das nicht schon längst?

Fachhochschulen und duale Studiengänge sind zwar schon näher an der Praxis. Die Lehrenden an den Universitäten haben aber kaum noch Bezug zu den Anforderungen, die an die künftigen Ingenieure gestellt werden. Es ist wichtig, dass die Professoren und Dozenten ihre Vorlesungen stärker an der Realität in der Industrie ausrichten, das Studium wieder praxisnäher wird. Das könnte relativ einfach umgesetzt werden, indem Universitäten beispielsweise das Wissen von Experten aus der Industrie für die Ausbildung der Ingenieure nutzen.

Heißt das, es sollten weniger Grundlagen vermittelt werden?

Nein. Es ist nach wie vor wichtig, dass Universitäten und Fachhochschulen in den Bachelorstudiengängen Elektrotechnik und Maschinenbau wissenschaftliche Grundlagen fundiert vermitteln. Strömungslehre, Mechanik, Thermodynamik, Werkstofflehre: Das ist Basiswissen. Das sollten Studenten aber nicht nur in Klausuren parat haben, sondern später in der Praxis auch anwenden können. Dazu müssen Hochschulen Methoden vermitteln, die ihnen helfen, das Wissen auch umzusetzen. Zu diesen Kompetenzen zählen auch Business-Know-how, Kreativitäts- und Szenariotechniken, Innovationsmethodiken, Technologie- und Innovationsmanagement sowie die Expertise, Kundenbedürfnisse noch besser zu verstehen und sogar zu antizipieren.

Sind das nicht typische Studieninhalte von Masterstudiengängen?

Ja, oft können Studenten der Automatisierungstechnik diese Skills – wenn überhaupt – erst über das Belegen von Modulen im Masterstudium erwerben. Das muss sich aber ändern. Solche Lerninhalte müssen integral und nicht rein additiv in die Studiengänge integriert werden. Dazu gehört auch die Fähigkeit, interdisziplinär zu arbeiten. Innovationen gelingen nur noch durch Kooperation. Damit Zusammenarbeit gelingt, muss diese bereits während des Studiums geübt werden. Beispielsweise durch Hausarbeiten, die interdisziplinär gelöst werden müssen – am besten durch eine Zusammenarbeit mit Studenten an anderen Fakultäten.

Ist das nicht schwierig zu realisieren?

Heute vielleicht noch. Daher ist der VDI ja für die Auflösung von Fakultätsgrenzen. Das würde allen helfen. Wenn Naturwissenschaftler, Ingenieure, IT-ler beispielsweise mit Betriebswirtschaftlern, Juristen und Psychologen ein Thema gemeinsam bearbeiten und eine Lösung finden, schärft das nicht nur den Blick für die Praxis: Wofür lerne ich das Ganze? Gleichzeitig führt das Üben von Kooperation zu einer höheren Wertschätzung anderer Fachdisziplinen und verbessert die Kommunikation zwischen den Fachbereichen.