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Mittwoch, 24. Januar 2018

Ausstellung

Ozonsonde trifft Saxofon

Von Ines Gollnick | 26. Oktober 2017 | Ausgabe 43

Mit „Wetterbericht“ erwartet die Besucher in der Kunst- und Ausstellungshalle des Bundes in Bonn ein Erlebnisparcours der besonderen Art.

Bildartikel zu Wetterstudio wetterbericht-0757.jpg
Foto: Deutsches Museum München

Ein Modell des ersten amerikanischen Wettersatelliten „Tiros I“ aus dem Jahr 1960.

Es kommt nicht häufig vor, dass sich Kunstliebhaber und technikorientierte Naturwissenschaftler in einer Ausstellung über den Weg laufen. Aber genau das beabsichtigen die Verantwortlichen der Kunst- und Ausstellungshalle des Bundes in Bonn und der dortigen Dependence des Deutschen Museums München mit der Präsentation „Wetterbericht – Über Wetterkultur und Klimawissenschaft“.

Ausstellung passend zur Klimakonferenz in Bonn

Die Ausstellung entstand in Kooperation mit der „United Nations Framework Convention on Climate Change“, dem UN-Klimasekretariat, das in Bonn sitzt, und dem Deutschen Wetterdienst (DWD). Die Präsentation nähert sich dem hochaktuellen Thema aus der Perspektive verschiedener Disziplinen und zeigt künstlerische, kulturgeschichtliche und naturwissenschaftlich-technische Exponate aus aller Welt. Etwa 100 Leihgeber trugen dazu bei, dass auf rund 1500 m2 ein Erlebnisparcours mit einem außergewöhnlichen Exponatmix entstehen konnte. Auf der einen Seite sind Landschaftsgemälde von William Turner und John Constable, Fotos sowie kunstvoll entworfene Alltagsgegenstände mit Bezug zum Wetter zu sehen. Auf der anderen Seite wird Technik gezeigt, mit der auf dem Gebiet der Klima- und Wetterforschung früher gemessen und geforscht wurde.

Foto: G. Vogl. Landratsamt Rosenheim, Hagelabwehr

Im Jahr 1958 startete der Landrat Georg Knott im Landkreis Rosenheim vom Boden Hagelraketen mit Silberjodid.

Für ein Phänomen wie dem Wetter, das ständigen Veränderungen unterliegt, einen dramaturgischen roten Faden zu entwickeln, erwies sich als nicht leicht. Der Hauptteil der Ausstellung beschreibt in zwölf Räumen die Spanne von der Morgen- bis zur Abenddämmerung und geht dabei auf verschiedene bestimmende Elemente und Phänomene des Wettersystems ein. Bevor der Besucher von Kapitel zu Kapitel wandert, informiert die „Wetterküche“ mit einem animierten Globus und einem Monitor darüber, dass vielfältige Komponenten wie Sonne, Luft, Meer und Land das Wettergeschehen bestimmen. Der erste Raum startet mit einer mythisch verklärten Morgendämmerung, in der noch Wettergötter herrschen. Über Sonne, Luft und Meer am Vormittag und Nebel, Wolken, Regen sowie Wind am Nachmittag entwickelt sich die Schau bis hin zu Sturm, Gewitter, Schnee und Eis am Abend.

Die Betrachter können sich dem Thema in jedem Kapitel emotional-sinnlich und über den Verstand nähern. So entlocken beim Thema Sonne ein Sonnenschirmensemble und Fotos zur Freikörperkultur ein Schmunzeln. Ein paar Schritte weiter glänzt eine äquatoriale Sonnenuhr aus Metall von 1726 des Uhrmachers und Mechanikers Johann Mathias Willebrand und erinnert daran, wie mit Hilfe der Sonne am Himmel die Tageszeit angezeigt werden konnte.

Im Raum „Luft“ sind ein Saxofon und die Ozonsonde OSE 3 sowie eine Radiosonde Vitrinennachbarn. Mit diesen Sondentypen führten Polarforscher der DDR gemeinsam mit sowjetischen Wissenschaftlern die ersten langfristig angelegten Ozonmessungen durch. Die Ozonwerte werden zusammen mit den Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsdaten der Radiosonde zur Erde gefunkt. Das Musikinstrument erzählt eine andere luftige Episode. Ohne Luft ist es nichts, denn Töne von Musikinstrumenten sind nichts anderes als Luftschwingungen. Erst wenn der Reiz im Gehirn angekommen ist, bekommt die akustische Information ihre Bedeutung.

Das Prinzip, in jedem Raum Untergruppen zum Hauptthema zu bilden, wird konsequent durchgehalten. So macht der Besucher im Raum „Nebel“ Bekanntschaft mit Fantasmen, also Trugbildern, trifft auf Geräte zur Luftfeuchtigkeitsmessung und auf asiatische Kunst. Immer wieder werden Kunst- und Kulturgeschichte und Wissenschaft auf wenigen Quadratmetern vereint.

Kunsthistorisch Interessierte zieht der Parcours immer wieder in die Welt der Wissenschaft. Sie machen die Bekanntschaft mit so spannenden Exponaten wie den Magdeburger Halbkugeln, mit denen Otto von Guericke das Vakuum erforschte, sprich die Wirkung des Luftdrucks belegte und die Existenz der Erdatmosphäre bewies. Allerdings haben auch so vermeintlich langweilige Exponate wie die handschriftlichen Notizen des Meteorologen und Geowissenschaftlers Alfred Wegener an Wladimir Köppen von 1931, mit seinen Überlegungen zur Kontinentaldrift, im Raum „Meer“ zu Recht ihren Platz an exponierter Stelle. Sie machen den fundamentalen Beitrag von Naturwissenschaft und Technik in einer Kulturausstellung deutlich und sichtbar.

Foto: Courtesy of Agnews, London

Wetterkapriolen setzen den Ballonfahrern auf diesem Gemälde von Johann Geyer aus dem 19. Jahrhundert zu.

Wetter spielt für jeden eine Rolle. Es ist allgegenwärtig. Deshalb bleibt die Frage, wie das Wetter wird, jeden Tag aktuell. Mit der Prognose beschäftigt sich deshalb im „Wetterstudio“ am Ende der Ausstellung mit ARD-Wetterfrosch Karsten Schwanke ein Experte auf dem Gebiet. Viele Jahrtausende lang entzog sich das Wetter der wissenschaftlichen Erfassung und Deutung. Erst mit der Aufklärung gelang es einzelnen Wissenschaftlern, die Gesetze der Natur und damit auch des Wetters genauer zu beschreiben und zu erforschen. Meteorologen wie Schwanke können längst auf Satellitenbeobachtung und Computermodelle setzen. Diese Technik hat die Vorhersage revolutioniert, sodass auch kurzfristige Vorhersagen möglich sind.

Die Bundeskunsthalle bietet mit „Wetterbericht“ insgesamt eine Schau, die nicht nur informieren, sondern auch unterhalten will – aber auch den Ernst des Themas Wetter- und Klimawandel verkennt sie nicht. Eine Ausstellung, die daher gut zur UN-Klimakonferenz passt, die vom 6. bis 17. November in Bonn stattfindet. cer

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