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Mittwoch, 20. Februar 2019

Kongress

Per App und Wahl zum Chef werden

Von Claudia Burger | 22. November 2018 | Ausgabe 47

Die Deutsche Gesellschaft für Personalführung (DGFP) sieht Human Resource in der Poleposition bei der Bewältigung der Transformation.

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Foto: DGFP

Mit Leidenschaft: Continental-Personalvorstand Ariane Reinhart beschwor die Wichtigkeit der Personalabteilungen.

Für mich ist strategische Personalplanung die Mutter der Human-Resource-Arbeit“, sagte Ariane Reinhart, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP) und Personalvorstand bei Continental, beim zweitägigen Kongress der DGFP mit dem Titel „Navigating the Future“ in Köln mit rund 500 Teilnehmern. Dazu gehörten die akribische Bestandsanalyse, die Standardisierung von Jobprofilen sowie das Up- und Reskilling der Belegschaften. „Wir sind die Spinne im Netz“, sagte sie.

Reinhart sprach sich für den Einsatz von People-Analytics-Programmen und anderen digitalen Techniken aus. „Räumt eure Daten auf, dann könnt ihr Aussagen für die Zukunft ableiten“, sagte Reinhart. Als Wegbereiter und Enabler arbeite HR gemeinsam mit dem Business an den großen Fragen der Gegenwart – Demografie, Diversität, Digitalisierung – und leiste so einen wesentlichen Beitrag, um Organisationen zukunftsfest zu machen. Dies erfordere Mut und Entschlossenheit: „Brecht aus eingefahrenen Konzepten aus, experimentiert mit neuen Formaten und Technologien und teilt euer Erfahrungswissen“, appellierte Reinhart. Human Resource müsse so innovativ werden wie die Entwicklungsabteilung.

Agilität, New Work, all diese Begriffe tauchten auch bei dieser Konferenz auf und es wurde deutlich: In vielen Unternehmen klappt es nicht mit der Transformation. Nicht selten leiden die Organisationen an Überhitzung. Heike Bruch, Leiterin des Instituts für Führung und Personalmanagement der Universität St. Gallen, erklärte, rund drei Viertel der Unternehmen würden sich die Finger verbrennen.

Studien hätten gezeigt, dass vor allem fehlende inspirierende Führung als wichtiger Faktor für das Misslingen zu nennen sei. „Im Augenblick beobachten wir, dass manche Unternehmen planlos Hierarchieebenen abbauen und dadurch in ein Führungsvakuum stürzen“, sagte Bruch.

„Die Mitarbeiter brauchen die Möglichkeit, die nötigen Kompetenzen in Selbstführung zu erwerben.“ Es werde oft nur an den Oberflächenstrukturen gekratzt, statt die Tiefenstrukturen zu verändern: „Die digitale Transformation geschieht nicht von heute auf morgen – das ist eine Langzeitaufgabe“, so Bruch.

Auch Bettina Volkens, Vorstandsmitglied für Personal und Recht der Lufthansa Group, räumte ein, dass sie sich von Buzzwörtern hat einfangen lassen. „Man muss nicht alle Moden mitmachen“, betonte sie. Bei Lufthansa seien auch weiterhin Hierarchien nötig, aber es werde sehr viel in die Weiterentwicklung von Führungskräften investiert. Lufthansa verfolge eine Rotation Policy, die regelmäßige Positionswechsel nach fünf Jahren vorsieht.

Ein anderes Instrument ist das Talentprogramm „Makers of Tomorrow“. Anders als bei herkömmlichen Nachwuchskräfteprogrammen bestimmen nicht die Vorgesetzten, wer teilnimmt – sondern die Beschäftigten selbst. Per App bewerben sich konzernweit Interessenten, und ebenfalls per App können ihre Kollegen Empfehlungen aussprechen. 8000 Beschäftigte nutzten die App und gaben innerhalb von drei Wochen 40 000 Feedbacks. Rund 16 zu entwickelnde Führungskräfte wurden aus den 1200 Bewerbern ausgewählt. Das hat nicht jedem gefallen, räumt Volkens ein, einige Mitarbeiter würden von Altersdiskriminierung sprechen. „Das nehme ich sehr ernst“, sagte sie.

Bei der Rekrutierung von Facharbeitern werden die Unternehmen nach Ansicht von Raimund Becker, Vorstand Regionen der Bundesagentur für Arbeit (BA), zunehmend Probleme bekommen. Von den 800 000 offenen Stellen, die der BA aktuell gemeldet seien, richteten sich 80 % an Fachkräfte. Bei den Arbeitslosen sähe es genau umgekehrt aus: Hier besäßen 80 % keine formale Bildung. Qualifizierung sei ein ein Riesenthema.

Die Bedeutung von Qualifizierung als Schlüssel zu einem ausbalancierten Fachkräftemarkt unterstrich auch Dieter Spath, Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften und Leiter des Fraunhofer IAO. „Wir müssen Weiterbildungsweltmeister werden!“, forderte er. Das nötige Upgrading der Qualifizierung werde mehr und mehr on the job passieren. Dies verändere auch die Rolle der Führungskräfte. „Wenn wir vom Lecturing zum Coaching übergehen, heißt das, dass sie sich stärker in der Weiterbildung engagieren müssen.“