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Sonntag, 21. Januar 2018

Weiterbildung

Schreiben lernen

Von Janna Degener-Stor | 26. Oktober 2017 | Ausgabe 43

Schreibkompetenzen sind wichtig. Manche Hochschulen bieten Kurse an.

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Foto: panthermedia.net/gerasimov

Ingenieure müssen meist mehr schreiben, als sie erwartet haben. Das gilt an der Hochschule und im Berufsleben.

Wie viele angehende Ingenieure hat Johannes Stoedter ein Faible für Zahlen. Schreiben dagegen fiel ihm schon zu Schulzeiten schwer. An der Hochschule wollte er eigentlich nichts mehr mit Texten zu tun haben. Doch nachdem schon der Praktikumsbericht eine Qual gewesen war, stand mit der Bachelorarbeit ein riesiger Berg an Schreibarbeit an. „Das Recherchieren und Lesen der wissenschaftlichen Artikel, die überwiegend englischsprachig waren, empfand ich als anspruchsvoll. Ich war auch unsicher, wie ich mein eigenes Paper strukturieren sollte“, erinnert sich der Student.

Tipps und Tricks von den Schreibberatern:

Und dann habe er auch noch voller Sorge an die Presseartikel über Karl-Theodor zu Guttenberg gedacht, dessen politische Karriere nach der Plagiatsaffäre um seine Dissertation ein schnelles Ende fand.

Welche Rolle das Schreiben in ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen spielt, unterscheidet sich je nach Hochschule, Fach und Dozent. „Manche Studierende müssen schon in den ersten Semestern Entwürfe, Protokolle oder Laborberichte anfertigen. Später stehen teilweise kleinere Semesterarbeiten an. Spätestens in der Abschlussarbeit geht es dann aber wie in jedem Studium darum, einen längeren wissenschaftlichen Text zu verfassen, was viele Ingenieurstudierende ohne entsprechende Vorbereitung vor heftige Herausforderungen stellt“, betont Britta Hufeisen, Fachgebietsleiterin Sprachwissenschaft-Mehrsprachigkeit und Leiterin des Sprachenzentrums der Technischen Universität Darmstadt.

Im Anschluss, beim Übergang vom Studium zum Beruf, heißt es auch für Ingenieure, Lebensläufe und Motivationsschreiben zu verfassen. Und im Beruf schreiben sie Angebote, Erläuterungsbriefe, Reaktionen auf Kundenanfragen oder -beschwerden.

Auch wenn eine Bachelorarbeit sich erheblich von einem Kundenbrief unterscheidet, geht es doch in beiden Fällen darum, verständliche, dem Kontext angemessene und in sich stimmige Texte zu verfassen. Doch wie gelingt es, aus einer Aneinanderreihung von Sätzen einen zusammenhängenden und gut lesbaren Text zu machen – und dabei, wenn nötig, auch noch wissenschaftlichen Ansprüchen gerecht zu werden? Wie lässt sich eine Zeichnung versprachlichen? Und welche Techniken helfen, Formulierungsschwierigkeiten zu umgehen oder auf Schreibblockaden zu reagieren? Um diese Fragen zu klären, bieten immer mehr Hochschulen in Deutschland Unterstützungsangebote wie Lehrveranstaltungen, Beratungen oder Schreibgruppen an, die sich teilweise gezielt an (angehende) Ingenieure richten.

Einige Studiengänge sind bereits so konzipiert, dass Vorlesungen, Seminare und/oder Übungen zum wissenschaftlichen Schreiben oder zum Schreiben im Ingenieurberuf einen festen Bestandteil des Studiums ausmachen. An der TU Darmstadt etwa ist die Lehrveranstaltung „Wissenschaftliches Schreiben für Maschinenbau-Studierende“ curricular in einem Studiengang verankert.

An der Universität Bremen werden entsprechende Module Teil einer neuen forschungsbetonenden Studienoption im Masterstudiengang „Systems Engineering“ sein. Im Science-Blogging-Projekt lernen Studierende zudem, öffentlich und allgemein verständlich über ihre Forschungen zu berichten. Andere Hochschulen wie die Ruhr-Universität Bochum bieten freiwillige Workshops an, in denen es um die Planung und Gestaltung des Schreibprozesses, um präzise Formulierungen oder um Merkmale spezieller Textteile wie Einleitung oder Fazit geht.

Schreibberater bieten an verschiedenen Hochschulen die Möglichkeit eines individuellen Feedbacks zu studentischen Texten. „Wir können keine vollständigen Abschlussarbeiten Korrektur lesen. Aber anhand von zwei bis drei Seiten beurteilen wir etwa, ob ein Text grundlegend wissenschaftlichen Ansprüchen genügt, wo eventuelle Schwierigkeiten und wo somit Punkte zur Überarbeitung bzw. Verbesserung zu finden sind“, erklärt Annika Rodenhauser von der Schreibwerkstatt Mint der Universität Bremen.

Foto: RUB

André Deutscher von der Zweigstelle „Schreibmaschine“ der RUB.

Auch zu grammatischen Schwierigkeiten geben die Schreibberater Feedback: „Ich erkläre den Studierenden anhand von Beispielen, worauf sie achten müssen und wie sie ihre Texte selbst verbessern können“, betont André Deutscher von der Zweigstelle „Schreibmaschine“ der Ruhr-Universität Bochum, die sich an Ingenieurstudierende richtet.

Auch Johannes Stoedter hat die Schreibberatung an seiner Hochschule in Anspruch genommen, um Antworten auf seine Fragen rund um die Bachelorarbeit zu finden. Auf den Websites der Institute fand er zudem hilfreiche Leitfäden und über die Fachschaft bekam er Kontakt zu Studierenden aus höheren Semestern, die ihm mit guten Ratschlägen zur Seite standen.

Seine Bachelorarbeit hat er gerade abgegeben und für die Unterstützung, die er dabei bekam, ist er so dankbar, dass er seine neu erworbenen Kompetenzen jetzt als Schreibtutor und -coach an jüngere Kommilitonen weitergibt. Schreiben ist für Johannes Stoedter zwar nach wie vor eine Qual, deshalb würde er niemals eine Karriere in der Forschung anstreben.

Dennoch ist Stoedter sicher, dass er beim Schreiben der Bachelorarbeit Kompetenzen erworben hat, von denen er sicherlich auch in der Wirtschaftswelt profitieren wird: „Ich habe mich nicht nur im strukturierten Arbeiten und im englischen Fachwortschatz verbessert, sondern auch eine große Portion Durchhaltevermögen bewiesen.“  cer

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