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Donnerstag, 21. März 2019

Arbeitsmarkt

Schwache Führung, starker Rahmen

Von Peter Steinmüller | 24. Januar 2019 | Ausgabe 04

Welche Widersprüchlichkeiten sich bei Führungskräften auftun, wenn sie die Folgen der Digitalisierung abschätzen, zeigt eine aktuelle Studie.

Angst vor Arbeitsplatzverlusten zieht sich wie ein roter Faden durch die Diskussionen über die Digitalisierung. Umso überraschender sind die Ergebnisse des HR-Reports 2019, den der Personaldienstleister Hays vergangene Woche vorstellte: Demnach rechnen die Befragten mit einem Beschäftigungszuwachs aufgrund der Digitalisierung. Auf einer Skala von 0 bis 100 liegt der Durchschnittswert bei 60 Punkten zugunsten neuer Jobchancen. „Die Stimmung in der Wirtschaft ist anders als in der Gesellschaft“, interpretierte Studienleiterin Jutta Rump dieses Ergebnis. Die Professorin ist Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability der Hochschule Ludwigshafen. Ihr Institut befragte 868 Entscheider aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, davon vier Fünftel Führungskräfte.

IT an der Spitze: Mehr Arbeitsplätze durch Digitalisierung erwarten Führungskräfte vor allen Dingen in der IT sowie im Vertrieb und Service.

Bemerkenswert: Auf Platz fünf jener Funktionsbereiche, in denen die Befragten mit Beschäftigungsaufbau rechnen, liegt die Produktion. Und das, obwohl Experten gerade hier ein großes Rationalisierungspotenzial sehen. Diese Einschätzung teilen die eigentlich optimistischen Studienteilnehmer dann doch, wenn sie als negative Effekte die Verkleinerung der Kernbelegschaften oder das Ersetzen bisheriger Tätigkeiten durch Digitaltechnik nennen.

„Es sind eine Menge Brüche drin“, gab Studienleiterin Rump angesichts der Antworten zu bedenken. Eine Erklärung dafür gab Hays-COO Dirk Hahn: „Wir erleben eine Evolution, keine Revolution.“ Alle Mitarbeiter gingen noch ihren täglichen Arbeitsaufgaben nach, die Digitalisierung laufe nebenbei.

Widersprüche tun sich auch im Bewusstsein der Befragten auf, wenn es um die qualitative Bedeutung des digitalen Umbruchs geht: So ist für sie nach dem lebenslangen Lernen die Work-Life-Balance das zweitwichtigste Instrument, um ihre Beschäftigungsfähigkeit zu erhalten. Geht es aber um ihren eigenen Beitrag dazu, landen die „Bedürfnisse nach Ruhe, Erholung und Aktivität“ auf dem letzten Platz. Rumps Erklärung hierfür: Die Mitarbeiter sehen die Verantwortung weniger bei sich selbst, sondern erwarteten Unterstützung vom Unternehmen. Daran hapert es aber in der Praxis: Während 44 % die Wichtigkeit solcher Maßnahmen betonen, vermelden nur 32 % deren Umsetzung.

Das Thema Führung verliere in den HR-Reports seit Jahren an Bedeutung, stellte Rump heraus. Die Zeichen stünden eher auf Eigenverantwortung und Selbstorganisation. Die Personalexpertin warnte die Manager davor, den Teamaspekt bei den neuen Arbeitsformen zu unterschätzen. Sie hätten unmittelbare Auswirkungen auf die Aufbau- und Ablauforganisation des Unternehmens. „Agilität braucht einen starken Rahmen.“ Welche Herausforderungen die Führungskräfte angesichts der unklaren Perspektiven zu meistern haben, beschrieb Rump. Sie müssten aktuell an die Mitarbeiter appellieren: „Lasst uns einmal in Richtung Horizont rudern, aber ich kann nicht sagen, ob die Erde eine Scheibe oder eine Kugel ist.“

http://www.hays.de/studien