Passwort vergessen?  |  Anmelden
 |  Passwort vergessen?  |  Anmelden
Suche

Mittwoch, 20. Februar 2019

Studie

Selbst das Vorbild Island schwächelt

Von Peter Steinmüller | 20. Dezember 2018 | Ausgabe 51

Weltweit stagniert die Gleichberechtigung, in einigen Bereichen wächst die Kluft zwischen den Geschlechtern wieder, warnt das Weltwirtschaftsforum (WEF) in seinem „Global Gender Gap Report 2018“.

BU
Foto: mauritius images/ARCTIC IMAGES/Alamy

Islands Beamtinnen wie diese Polizistinnen haben bei der Gleichberechtigung an Boden verloren. Trotzdem bleibt das Land die Nummer eins in dieser Frage, meldet das WEF.

Ein zunehmendes Gefälle zwischen Männern und Frauen vermeldet die Studie für die Bereiche Gesundheit und Bildung. Lediglich bei der wirtschaftlichen Chancengleichheit sei die Kluft zwischen den Geschlechtern verringert worden, allerdings sei der Frauenanteil an der weltweiten Erwerbsbevölkerung zurückgegangen.

Die Gleichberechtigung in Deutschland kommt kaum voran. Das hat eine neue Studie des Weltwirtschaftsforums (WEF) ergeben. So habe etwa der Frauenanteil in den Parlamenten abgenommen, zudem gebe es Lücken zwischen den Geschlechtern im Bereich Bildung. Insgesamt rutschte Deutschland im jährlichen Index des WEF um zwei Plätze auf Rang 14 ab. Knapp 78 % der Geschlechterkluft sind demnach hierzulande geschlossen. Beim ersten Ranking 2006 stand die Bundesrepublik noch auf Platz fünf. Spitzenreiter bleibt Island.

Als Gründe für diese „beunruhigende Entwicklung“ nennen die Studienautoren: Die Automatisierung wirke sich unverhältnismäßig stark auf Bereiche aus, die traditionell von Frauen besetzt waren. „Gleichzeitig sind Frauen in wachsenden Beschäftigungsfeldern, die Mint-Fähigkeiten und -Wissen erfordern, unterrepräsentiert.“ So sei in Deutschland die Lücke zwischen Frauen und Männern bei der künstlichen Intelligenz sehr groß: Nur 16 % des Talentpools für diese Aufgaben seien Frauen. Zudem seien weltweit vielerorts Kinder- und Altenbetreuung noch immer unterentwickelt.

„Mehr denn je können es Gesellschaften sich nicht leisten, auf die Fähigkeiten, Ideen und Perspektiven der Hälfte der Menschheit zu verzichten“, kommentierte der WEF-Gründer Klaus Schwab den Bericht.

Das WEF untersuchte für den jährlichen Bericht in 149 Staaten vier Bereiche: in der Wirtschaft etwa Gehälter und Chancen auf Führungspositionen, zudem Zugang zu Bildung, politische Mitwirkungsmöglichkeiten sowie Gesundheit. Im Vorjahr hatten die Autoren erstmals seit Veröffentlichung der Studie 2006 eine Vergrößerung der Kluft zwischen Frauen und Männern festgestellt. Vor diesem Hintergrund sei die – wenn auch marginale – Verbesserung in diesem Jahr begrüßenswert. Weltweit ist die Geschlechterkluft demnach zu 68 %geschlossen.

Probleme gibt es aber fast überall. Auch Spitzenreiter Island wurde mit einer zu 85 % geschlossenen Lücke schlechter bewertet als im Vorjahr (88 %). Dort habe sich die Kluft bei weiblichen Abgeordneten sowie Beamtinnen und Managerinnen vergrößert. Es folgen Norwegen, Schweden und Finnland sowie Nicaragua und Ruanda. Die USA fallen um zwei Plätze auf Rang 51. Westeuropa bleibt die Region mit der höchsten Gleichstellung (75,8 %), Schlusslicht sind der Nahe Osten und Nordafrika (60,2 %).

Im jetzigen Tempo werde es länger dauern, die globale Lücke zwischen den Geschlechtern zu schließen, schreiben die Autoren. Sie rechnen für die 106 Länder, die bereits 2006 untersucht wurden, mit 108 Jahren – verglichen mit 100 Jahren beim vorigen Bericht. Bis zur Gleichstellung am Arbeitsplatz dauert es demnach noch 202 Jahre.