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Dienstag, 23. Januar 2018

Branche

Vernetzung in den Köpfen

Von Hans Schürmann | 21. September 2017 | Ausgabe 38

Die Digitalisierung in der Produktion verändert die Anforderungen an Entwickler und Konstrukteure.

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Foto: dpa Picture Alliance/Franziska Kraufmann

Touch me: Ingenieure im Maschinenbau brauchen digitales Know-how.

Als Aline Kluge-Wilkes vor sieben Jahren ihr Maschinenbaustudium an der RWTH Aachen begann, startete sie mit dem Ziel, nach der Ausbildung in einer Entwicklungsabteilung zu arbeiten und Maschinen nach dem Vorbild der Natur zu konstruieren. „Ich war begeistert von den Möglichkeiten der Bionik und wollte mich später im Studium ganz auf diese Thematik spezialisieren“, erinnert sich die 25-Jährige.

Doch während des Bachelor-Studiums wurde Kluge-Wilkes schnell klar: Mit dem Trend „Industrie 4.0“, der Digitalisierung der Produktion, wird die Vernetzung und damit verbunden die Informationstechnik zunehmende Bedeutung für den Maschinenbau gewinnen. Um auf die sich ändernden Anforderungen im Beruf besser vorbereitet zu sein, kombinierte die junge Ingenieurin im anschließenden Masterstudium die Weiterbildung im Bereich Bionik mit zusätzlichen Schwerpunkten in der IT.

In ihrer Masterarbeit hat sich Aline Kluge-Wilkes schließlich auf die Entwicklung eines autonom agierenden Roboters fokussiert, der in der künftig digitalisierten Produktion Messaufgaben in der Qualitätssicherung übernehmen soll. Auch hier gewann der Bereich der IT immer mehr an Bedeutung. „Aber nicht auf Kosten der Bionik, sondern in Verbindung mit dieser. Meiner Erfahrung nach führt Industrie 4.0 nicht nur zu einer Vernetzung verschiedener Produktionsschritte, sondern auch zu einer Vernetzung der Fachrichtungen und Studiengänge“, sagt die junge Maschinenbauingenieurin, die im nächsten Schritt promovieren möchte.

So wie Aline Kluge-Wilkes geht es inzwischen vielen Studenten des Maschinenbaus. Sie orientieren sich immer stärker in Richtung IT und öffnen sich auch anderen Fachgebieten. „Die Ausbildung wird immer interdisziplinärer“, sagt Dagmar Dirzus, Geschäftsführerin der VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik. Das heißt: Ingenieure mit Spezialisierung in den Bereichen Elektrotechnik, Maschinenbau oder Informatik erwerben zunehmend ein breiteres Wissen und gewinnen dadurch eine gemeinsame Basis, auf der sie später im Beruf einfacher miteinander kommunizieren können.

Die Grenzen werden fließender, aber sie verschwinden nicht: „Es wird auch unter Industrie 4.0 noch Spezialisten geben. Maschinenbauer werden nicht programmieren. Aber sie müssen so viel von IT verstehen, dass sie ihre Anforderungen, beispielsweise an ein gewünschtes Softwareprogramm, präzise formulieren können“, erläutert Dirzus.

Neben höheren Anforderungen an die fachlichen Qualifikationen wird die Digitalisierung der Unternehmen auch die Arbeitsorganisation verändern. „Dabei wird die Teamarbeit weiter an Bedeutung gewinnen“, so Dirzus. Das bedeutet: Sozialkompetenzen, Kommunikationsfähigkeit, die Fähigkeit der Präsentation sowie agiles Projektmanagement werden immer wichtiger. Außerdem müssten Maschinenbauingenieure neben technischem Know-how auch Methoden der Geschäftsmodellinnovation kennen und lernen, vom Kunden aus zu denken.

Das sieht Thilo Weber, Bildungsexperte beim VDMA in Frankfurt, genauso. „Darüber hinaus wird die Weiterbildung künftig eine zentrale Rolle spielen“, sagt der VDMA-Mann. Unter Industrie 4.0 werde das Innovationstempo weiter zulegen. Daher sei es wichtig, dass Ingenieure neben einer soliden Grundausbildung lernen, sich selbstständig weiterzubilden, um sich für künftige Anforderungen im Beruf fit zu halten. Für das Ingenieurstudium heiße das: „Die Ausbildung zum Bachelor muss breiter werden und eine Spezialisierung sollte erst auf dem Weg zum Master erfolgen“, fordert Weber.

Aber nicht nur für die Arbeitnehmer, auch für die Unternehmen wird das Thema „lebenslanges Lernen“ immer wichtiger. „Firmen müssen ihre Mitarbeiter auf dem Weg zur digitalisierten Fabrik mitnehmen“, fordert der VDMA-Bildungsexperte. Bereits 2015 hat der VDMA in einer ersten Studie untersucht, wie Industrie 4.0 die Anforderungen an die Mitarbeiter in der Produktion verändert, und Empfehlungen gegeben, wie Unternehmen und Mitarbeiter sich darauf einstellen sollten. Aktuell startet der Verband die Fortsetzung der Befragung unter Mitgliedsunternehmen, die die Auswirkungen von Industrie 4.0 auf das Berufsbild der Ingenieure zum Thema hat. Erste Ergebnisse erwartet Weber im Frühjahr.

Die Digitalisierung in der Produktion bringt aber nicht nur neue Herausforderungen für die Maschinenbauingenieure, sie sorgt auch für eine anhaltend hohe Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt. Diese stieg im ersten Quartal 2017 weiter deutlich an: um 6,3 % gegenüber dem Vorjahresquartal. Besonders gute Jobchancen bietet laut Ingenieurmonitor 2017/1, der von VDI und dem Institut der deutschen Wirtschaft in Köln regelmäßig erstellt wird, der Bereich Forschung und Entwicklung (F&E). Dort sorge das selbstgesetzte Ziel der Bundesregierung, jährlich 3 % des Bruttoinlandsprodukts in F&E zu investieren, zu einer erhöhten Nachfrage nach Ingenieuren.

Durch die verstärkte Nachfrage steigen die Ingenieurgehälter auch im Bereich Maschinenbau. Laut der aktuellen Gehaltsstudie von Ingenieurkarriere.de verdienen Ingenieure in der Maschinenbaubranche durchschnittlich 62 700 €. Das Einstiegsgehalt von Berufsanfängern mit einem abgeschlossenen Studium liege durchschnittlich bei 46 300 € im Jahr. Bei der Gehaltseinstufung spielt laut Studie eine Rolle, wo der Abschluss erworben wurde: So verdienen Bachelor-Ingenieure mit Fachhochschulabschluss beim Einstieg in den Arbeitsmarkt im Mittel 2000 € weniger als ihre Mitbewerber von Universitäten und Technischen Hochschulen.

Beim Master liegen FH- und Uni-Absolventen dagegen gleichauf. Verhandeln kann, wer eine Zusatzqualifikation vorweisen kann, etwa Berufserfahrung oder Kenntnisse in Personalführung. Diese Bewerber überspringen oft die übliche Einstiegsposition des Fach- und Projektingenieurs und steigen mit einer höher dotierten Position in die Unternehmen ein. Während sich die Gehaltsunterschiede zwischen den Hochschulabschlüssen über die Zeit ausgleichen, gewinnen laut Studie Positionswechsel zusätzlich an Wert: Über alle Berufsjahre gerechnet kommt ein Projektingenieur im Maschinenbau beispielsweise auf ein Jahreseinkommen von 52  800 €. Ein Projektmanager verdient 65  800 € und ein Teamleiter erhält im Durchschnitt 79 000 €. cer

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