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Sonntag, 21. Januar 2018

Studienabbrecher

Vom Abbruch zum Aufbruch

Von Monika Etspüler | 23. November 2017 | Ausgabe 47

Mit ihrem Ausbildungskonzept bieten diebundesweit vertretenen Eckert Schulen gescheiterten Studierenden eine neue Chance.

Laut Deutschem Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) brechen aktuell rund 29 % aller Bachelorstudierenden vorzeitig ihr Studium ab. In den Mint-Fächern sind es sogar bis zu 40 %.

Als häufigsten Grund geben die Betroffenen an, von den Leistungsansprüchen überfordert zu sein. Wo sie letztlich beruflich Wurzeln schlagen, weiß niemand genau.

Immerhin konnte die DZHW-Studie ermitteln, dass ein halbes Jahr nach Verlassen der Hochschule 43 % der Studienabbrecher mit einer Ausbildung begonnen und weitere 31 % einen Job gefunden haben. Das ändert aber nichts daran, dass es für die meisten Studienaussteiger ein herber Rückschlag ist, mit einem halb fertigen Studium die Hochschule verlassen zu müssen.

So erging es auch dem 31-jährigen Adrian Kuske. Nach Abbruch des Maschinenbaustudiums stieß er auf die Homepage der Eckert Schulen. Der Schulverbund mit bundesweit 45 Standorten bietet seit 2016 an seinem Hauptsitz im bayerischen Regenstauf ein Ausbildungskonzept für Studienabbrecher.

Foto: Eckert Schulen

„Wer bei uns den Techniker macht, kommt mit einem Plus raus.“ Andrea Radlbeck, Sprecherin der Eckert Schulen.

Das Programm namens „Fast Track“ bietet den Teilnehmern die Möglichkeit, nach einem Jahr ihren ersten Abschluss als staatlich geprüfter Industrietechnologe zu machen und nach weiteren eineinhalb Jahren als staatlich geprüfter Techniker ins Berufsleben durchzustarten. Vom Niveau her ist Letzterer mit dem „Bachelor of Engineering“ gleichzusetzen. Zu den Besonderheiten der Ausbildung gehört, dass im Studium erbrachte Leistungen nicht verloren gehen. Mindestens 30 Credit Points werden anerkannt. „Ein bundesweit einmaliges Konzept“, wie Andrea Radlbeck, die Sprecherin der Eckert Schulen, betont. Auf der Messe „Zukunft Personal“ in Köln wurde „Fast Track“ mit dem Innovationspreis in der Kategorie Personalgewinnung und Beratung ausgezeichnet.

Adrian Kuske gehört zu den ersten 21 Auszubildenden, die inzwischen ihren Abschluss zum Industrietechnologen gemacht haben. Ihre Vorgeschichten sind ähnlich. Alle sind sie Studienabbrecher, einige hatten sogar ihren Bachelorabschluss bereits vor Augen, mussten sich dann aber nach missglückten Abschlussprüfungen doch neu orientieren. Ihr neues Ziel ist es, bis Frühjahr 2019 das Techniker-Zertifikat in der Tasche zu haben. Inzwischen steht an den Eckert Schulen der Termin für die zweite Ausbildungsrunde fest. Sie beginnt Ende Januar kommenden Jahres.

Das „Fast Track“-Programm startet mit einem dreiwöchigen Praktikum in der mechanischen Werkstatt auf dem Campus in Regentrauf, wo die Neulinge zunächst bohren, drehen und fräsen lernen. Es folgt die einjährige Vollzeitausbildung zum Industrietechnologen, an die sich die berufsbegleitende Ausbildung zum staatlich geprüften Techniker anschließt. „Unternehmen suchen zum Teil händeringend nach Technikern“, so Andrea Radlbeck. Großen Bedarf gebe es vor allem in Maschinenbau, Elektrotechnik, Kunststoff- und Faserverbundtechnik sowie Elektromobilität.

Adrian Kuske ist inzwischen Mitarbeiter im Unternehmen SMT in Schierling bei Regensburg, einem Spezialisten für Kunststofftechnologie und Zulieferer für die Automobilindustrie. Dort arbeitet Kuske als Robotertechniker und absolviert berufsbegleitend seine schulische Weiterbildung. Mit seiner Entscheidung sei er glücklich. Aus seiner Sicht ist es eine Story mit Happy End, denn „die Arbeit und das Gehalt passen“.

Rund 13 000 € kostet die Ausbildung zum Techniker. 6000 € entfallen auf den Industrietechnologen. „Schuldenberge häufen die Teilnehmer jedoch nicht an“, so Radlbeck. Die Auszubildenden erhielten von den Firmen ein Gesellengehalt, dazu kämen diverse staatliche Fördermöglichkeiten. „Wer bei uns den Techniker macht, kommt mit einem Plus raus“, erklärt sie. 

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