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Donnerstag, 21. März 2019

Eigeninitiative

Von der schönen Kunst des Ingenieurberufs

Von Manfred Schulze | 14. März 2019 | Ausgabe 11

Ein Ingenieur hat ein Buch geschrieben, das bei Jugendlichen die Lust auf den Beruf wecken soll.

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Foto: Eigenverlag Dr. Heinz Iwainsky

Das Werk: Iwainsky, Heinz: Von der Kunst, einen Zug zu bauen. Eigenverlag Dr. Heinz Iwainsky, Jenbach 2018, 196 S., 19,50 € (Deutschland).

Foto: Eigenverlag Dr. Heinz Iwainsky

Heinz Iwainsky brachte seine ersten Projekte noch mit Rechenschieber und Zeichenbrett auf das Papier.

Was haben die Eltern ihrem Nachwuchs dieses Jahr zu Weihnachten geschenkt? Ein neues Handy, eine Playstation oder gar ein Abo für Netflix? Im Vergleich eher selten unterm Tannenbaum dürften hingegen die Renner des vergangenen Jahrhunderts – Spielzeugautos, Metallbaukästen oder Modelleisenbahnen – gelegen haben. Dass wir unseren Nachwuchs nicht mehr so oft spielerisch an Themen der Ingenieurkunst heranführen, mag dem Zeitgeist geschuldet sein. Zeit, der Jugend etwas über die Lust an einem solchen Berufsleben zu erzählen, findet Heinz Iwainsky.

Der pensionierte Ingenieur, der vor seiner Karriere in Dresden Maschinenbau in der Fachrichtung Schienenfahrzeugtechnik studiert hat, will mit einem Buch ein gutes Stück weit seine Leidenschaft für das Entwickeln und Erfinden auf junge Menschen übertragen. Es gehe ihm nicht um neue Apps und Internetplattformen, die sicher auch wichtig sind, sondern eher um die Dinge von Gewicht, hergestellt aus realem Material. „Von der Kunst, einen Zug zu bauen“ hat er sein Buch betitelt, das er im Eigenverlag herausgebracht hat. Die kleine Erstauflage von 1000 Stück ist schon weitgehend verkauft oder verteilt – insofern ein kleines Hoffnungszeichen.

Iwainsky wäre vielleicht auch Arzt geworden – sein Vater war als Chemiker in einem Institut für Lungenkrankheiten beschäftigt und hatte mit Wohlwollen gesehen, dass sein Jungen in einer Lateinklasse unterrichtet wurde – wäre dafür nicht ein Einsernotenschnitt erforderlich gewesen. Aber der Vater bastelte mit seinen Kindern auch leidenschaftlich an einer großen Modelleisenbahnanlage. Als der 17-jährige Heinz dann kurz vor dem Abitur einen Informationsabend der Hochschule für Verkehrswesen besuchte, reifte sein Entschluss, Ingenieur werden zu wollen. „Ich habe das durchgezogen und nie bereut“, sagt er heute. Die Durchfaller- und Abbrecherquote lag allerdings auch damals schon bei rund 50 %.

Seither bestimmte also alles, was mit stählernen Rädern auf Schienen rollt, Iwainskys Leidenschaft. Der Leistungsdruck, Teamarbeit, das Tüfteln nach einer technisch guten, aber auch wirtschaftlich umsetzbaren Lösung bestimmten sein Leben. „Für mich ist es wichtig, etwas Konkretes zu schaffen, während ich mit dem Statusdenken in anderen Berufsgruppen, wo es eher um Titel und Hierarchien geht, wenig anfangen kann“, sagt er. Deutschland habe seine heutige Wirtschaftskraft schließlich vor allem seinen technischen Leistungen zu verdanken.

Insofern sei es schon ein wenig schade, dass heutige Unternehmensgründungen sich zuerst an rein digitalen Geschäftsmodellen orientieren. Die lassen sich zwar mitunter wirkungsvoll umsetzen und sind auch in anderen Regionen der Welt leicht nachvollziehbar, würden aber wie bei Entwicklern von Computerspielen nicht „selten eher Luxusprobleme bedienen“. Zudem gehe mit dem Übergang zum maschinellen Konstruieren aber auch ein Teil des Wertes menschlicher Erfahrung verloren: Die Frage sei doch, ob der Mensch mit seinen Erfahrungen noch überprüfen könne, ob die verwendeten Daten mit den richtigen Zusammenhängen und Gewichtungen verwendet werden.

Aufhalten will Heinz Iwainsky den Fortschritt natürlich nicht. Möglicherweise wirkt das Buch des Altingenieurs, der noch mit Rechenschieber und Zeichenbrett seine ersten Projekte auf das Papier brachte, für junge Leute ein wenig nostalgisch und mit seinen 196 großformatigen Seiten anspruchsvoll. Denn natürlich beschreibt Iwainsky nicht nur philosophisch seine aus dem Berufsleben resultierenden Glücksmomente, sondern in einigen Abschnitten auch Grundlagen der Konstruktionstechnik. Aber auch diese Mühen der Ebene gehören natürlich zur Wahrheit – damals wie heute. 

https://iwainsky.jimdosite.com