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Mittwoch, 24. Januar 2018

Berufsbild

Wenn es im Büro zieht oder der Sonnenschutz versagt

Von Michael Sudahl | 19. Oktober 2017 | Ausgabe 42

Nach der Schlüsselübergabe macht der Inbetriebnahmemanager seinen Job.

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Foto: Goldbeck

Damit das Gebäude auch „funktioniert“, werden bei Goldbeck Inbetriebnahmemanager eingesetzt.

Räume werden nicht richtig warm, der Sonnenschutz lässt sich nicht steuern, die Lüftungsanlage meldet ständig Störungen: Technische Anlagen in neuen Gewerbegebäuden sind hochkomplex, ihre Funktion selten selbsterklärend. Bei der auf Systembauweise spezialisierten Firma Goldbeck führen daher bundesweit acht Ingenieure Objekte in den Regelbetrieb.

VDI-Richtlinie 6039

„Die wichtigste Aufgabe unserer Inbetriebnahmemanager beginnt nach der Schlüsselübergabe“, sagt Dirk Hofmann, Abteilungsleiter beim Bielefelder Bauunternehmen mit rund 4600 Mitarbeitern und mehr als 2 Mrd. € Jahresumsatz. Hoffmanns Mitarbeiter sind für Kunden Ansprechpartner rund um die Gebäudetechnik, etwa um zu erklären, wie ein Energieboden reguliert wird, wenn dieser, statt zu heizen, kühlen soll.

Die Inbetriebnehmer werden auch gerufen, wenn Mitarbeiter sich über Zugluft beschweren, weil Büroplätze beim Einzug anders angeordnet wurden, als ursprünglich geplant – und Schreibtische unter Lüftungsschächten stehen.

Doch auch wenn der Kunde sich nicht meldet, sind die Ingenieure im ersten Jahr nach der Übergabe zu festgelegten Terminen vor Ort. Unter anderem, um die Istwerte im Strom- oder Gasverbrauch mit den Sollwerten zu vergleichen und – wenn notwendig – Anlagen nachzujustieren.

„Mit der Implementierung eines Inbetriebnahme-Service wollten wir zweierlei erreichen“, erklärt Hoffmann. „Zum einen sollten unsere Kunden einen festen Ansprechpartner bekommen, der das Projekt von der Planung über die Bauzeit bis zum Regelbetrieb begleitet. Zum anderen wollten wir damit unser Qualitätsmanagement verbessern.“ Noch vor gut zwei Jahren war mit der Schlüsselübergabe an den Bauherrn der aktive Kundenkontakt zunächst ausgesetzt. Bis nach einem Jahr die erste Wartung anstand. Doch die Erfahrung zeigte: In der Zeit direkt nach dem Einzug haben Nutzer die meisten Fragen. „Die ersten Wochen nach der Übergabe sind sehr sensibel“, weiß der Ingenieur aus seiner elfjährigen Erfahrung bei dem ostwestfälischen Familienbetrieb.

„Die Grundlage für einen reibungslosen Gebäudebetrieb liegt bereits in der Planung“, verdeutlicht Hoffmann, wo die Arbeit seines Teams beginnt. Bei Goldbeck sind die Inbetriebnahmemanager von Anfang an dabei. Die Ingenieure prüfen neue Baukonzepte auf Kundennutzen und lassen dabei Erfahrungen aus bereits realisierten Projekten einfließen.

Während der Ab- und Inbetriebnahme stehen vor allem Besuche auf den Baustellen an. Bis zu 20 Projekte betreuen die Bauleiter, Techniker oder Versorgungsingenieure parallel; sie prüfen etwa, ob baurechtliche Vorgaben umgesetzt oder Anlagen regelkonform eingebaut sind.

Durch den ständigen Kontakt zum Bauherren werden Mängel außerdem früher zurückgespielt, als das noch ohne den Inbetriebnahme-Service der Fall war. „Einem Mitarbeiter fiel bei einer Begehung auf, dass sich die Fenster nicht richtig einstellen ließen“, erinnert sich Hoffmann. Grund sei ein Materialfehler gewesen: Ein kleines Kunststoffbauteil am Fenster war nicht sauber verarbeitet. Die Projektleiter recherchierten, in welchen Gebäuden diese Fenster-Charge noch verbaut worden war, kontaktierten die entsprechenden Kunden und ließen nachbessern.

Im Laufe des ersten Jahres kontrollieren die Experten dann alle wesentlichen Komponenten des Gebäudebetriebs. Sie prüfen zyklisch Kältetechnik, Lüftung oder Heizung und passen die Anlagen an die Bedürfnisse der Nutzer an. Sie rufen außerdem Wartungsprotokolle ab und werten diese aus. Dabei dokumentieren die Serviceprofis alle Maßnahmen, sodass diese nachvollziehbar sind und beim weiteren Gebäudebetrieb unterstützen.

Damit sie technisch auf dem neuesten Stand und stets über gesetzliche Bauvorgaben der jeweiligen Bundesländer informiert bleiben, besuchen die Experten Fachseminare. Außerdem nehmen sie an internen Produktschulungen, Kommunikationstrainings oder Rhetorikseminaren teil. Schließlich müssen sie sowohl bautechnische Fragen beantworten als auch zwischen Bauherr und Bauteam vermitteln können. „Ein Inbetriebnahmemanager muss neben tiefen Fach- und Produktkenntnissen auch Empathie, Organisationstalent und Problemlösungskompetenz besitzen“, bringt Hoffmann es auf den Punkt.  cer

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