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Dienstag, 23. Januar 2018

Kommunikation

Wie Kollegen ein starkes Team bilden

Von Thomas Corrinth | 11. Januar 2018 | Ausgabe 01

Der Firmenerfolg hängt auch von der internen Mitarbeitervernetzung ab. Methoden wie der „Mystery Lunch“ sollen dabei helfen.

Interne Zweisamkeit BU
Foto: panthermedia.net/Monkeybusiness Images

Auge in Auge kommen sich Kollegen näher. Beim „Mystery Lunch“ tauschen sie Ideen aus, die in neue Projekte münden können.

Vor gar nicht allzu langer Zeit war das Thema „interne Kommunikation“ noch eine recht überschaubare Angelegenheit. Zumindest in den größeren Unternehmen gehörten regelmäßige interne Meetings, öffentliche Infotafeln und eine eigene Mitarbeiterzeitschrift zum Standard.

Mit der Digitalisierung ist eine Fülle an Online-Tools hinzu gekommen, damit sich die Angestellten noch besser vernetzen und austauschen – und dadurch möglichst noch informierter und effizienter sind. Eine explizite Digitalstrategie, in der die Mitarbeiterkommunikation eingebunden ist, haben immer mehr Betriebe in Deutschland – von den 226 befragten Unternehmen des Trendmonitors Interne Kommunikation 2016 (siehe Infokasten) waren es über 65 %.

Trends der Internen Kommunikation

Foto: Ratepay

Friderike Schröder: „Grundsätzlich kommt es auf einen guten Mix aus Offline- und Online-Tools an.“

„In unserem Unternehmen werden abteilungsübergreifendes Arbeiten und Vernetzung großgeschrieben“, sagt Friderike Schröder, Director Human Resources & Organisation bei Ratepay, einem Payment-Anbieter aus Berlin mit 140 Mitarbeitern. „Unser Ansatz ist kunden- und lösungsorientiert, dabei hilft ein Mix aus Offline- und Online-Instrumenten. Auch räumliche Strukturen, wie offen gestaltete Büroflächen oder große Küchen, sollen das unterstützen.“ Zu den Online-Tools bei Ratepay zählen der regelmäßige Newsletter, der an alle Mitarbeiter geht, und das „Weekly“, ein wöchentlich erscheinender Report, der darüber informiert, was allgemein in der Branche passiert. Darüber hinaus gibt es ein unternehmenseigenes Intranet, in dem die Angestellten auf verschiedene Weise miteinander kommunizieren können.

Serendipität: Innovationen durch Zufall

„Offline“ passiert auch eine Menge. Zum Beispiel beim „Company Meeting“, bei dem unter anderem die Verantwortlichen Einblicke in ihre Projekte geben, Meilensteine präsentieren und zukünftige Entwicklungen thematisiert werden. Wöchentlich findet zudem das Format „Give and Take“ statt: Mitarbeiter aus allen Abteilungen werden eingeladen, eine Stunde lang zu einem bestimmten Thema, etwa Kreativität, von anderen Mitarbeitern zu lernen. Ein Geben und Nehmen also, von dem alle bei Ratepay profitieren sollen.

„Grundsätzlich kommt es auf einen guten Mix aus Offline- und Online-Tools an“, erklärt Friderike Schröder, die auch Beisitzerin im Präsidium des Bundesverbandes der Personalmanager BPM ist. „Online-Tools eignen sich vor allem, um Mitarbeiter schnell zu erreichen und zu informieren. Interessen und Know-how können geteilt werden – das geht auch über den Unternehmenskontext hinaus und sorgt so für Bindung und Motivation.“ „Offline-Maßnahmen sind vor allem wichtig, damit auch die persönliche Komponente nicht zu kurz kommt. Hier kann etwa Wertschätzung besser vermittelt und Vertrauen aufgebaut werden“, so die Personalerin.

Bei allen Chancen, die die Digitalisierung eröffnet, hat Schröder doch das Gefühl, dass Offline-Tools zur Vernetzung zunehmend gefragt sind. „Ich glaube, dass nachhaltiger Dialog nur hier stattfinden kann.“

Foto: privat

Christoph Drebes: „Wir schaffen mit dem Mystery Lunch potenziell Raum für Innovationen.“

Diese Auffassung teilt Christoph Drebes, Mitgründer des Start-ups „Mystery Lunch“. „Alle sprechen vom digitalen Social Networking. Wir glauben aber, dass die direkte zwischenmenschliche Kommunikation face-to-face nach wie vor am wichtigsten ist und konzentrieren uns darauf. Die Digitalisierung nutzen wir, um persönlichen Austausch zu ermöglichen.“ Drebes und seine Kollegen haben vorher beim Konzern Telefónica gearbeitet, in unterschiedlichen Abteilungen. „Damals haben wir festgestellt, dass die Abteilungen sowohl räumlich als auch personell kaum miteinander zu tun hatten und nicht viel voneinander wussten. Dieses Silodenken wollten wir abbauen“, sagt Christoph Drebes. Nach und nach entwickelten sie so die Idee des Mystery Lunch: Mitarbeiter, die nach einem bestimmten Algorithmus ausgewählt werden, gehen gemeinsam mittagessen oder Kaffee trinken – und haben so ein Blind Date.

Was Drebes mit seinem Team zunächst bei Telefónica nebenberuflich ausprobiert hat, ist mittlerweile ein professionelles Unternehmen. Über 100 000 Mystery Lunches in 15 Ländern haben die Münchner seit 2014 organisiert, zu den Kunden zählen 40 Unternehmen, unter anderem die Telekom, Allianz oder DHL. Die Vorgehensweise beim Mystery Lunch ist einfach. Mitarbeiter, die sich für die Idee interessieren, können sich freiwillig anmelden. Dabei können sie etwa ihre Funktion, ihre möglichen Teilnahmetage und bestimmte Interessen angeben. Ein Algorithmus, der auch das Zufallsprinzip enthält, lost zwei „Matches“ einander zu und verschickt Einladungen zum Mittagessen.

„Inhalte für das Treffen werden nicht vorgegeben. Unter Umständen können aus einem solchen Zusammenkommen sogar neue Ideen oder Projekte entstehen. Dieses Prinzip nennt man „Serendipität“, erklärt Christoph Drebes. Wissenschaftler verstehen unter diesem Begriff eine zufällige Beobachtung von etwas ursprünglich nicht Gesuchtem, das sich dann als neue Entdeckung erweist (siehe Infokasten links). „Das ist natürlich nicht steuerbar. Aber wir schaffen mit dem Mystery Lunch potenziell Raum für Innovationen“, ist sich der Unternehmer sicher. Zwischen 10 % und 20 % eines Mitarbeiterstamms melden sich in der Regel beim Mystery Lunch an – davon finden zwischen 80 % und 90 % der Auslosungen dann auch statt.

Der Erfolg des kreativen Mittagessens lässt sich zwar nicht unmittelbar im Return on Investment, aber anhand einiger anderer Faktoren ablesen. Per Umfrage erfährt Mystery Lunch von den Beteiligten, ob neue Projekte aus dem Treffen entstanden sind, sehr ähnliche Projekte eventuell synchronisiert oder redundante Strukturen im Unternehmen beseitigt wurden. „Besonders introvertierten Menschen fällt es mit unserem Tool leicht, neue Kollegen kennenzulernen, da sie die ,offizielle Genehmigung‘ haben, andere Menschen anzusprechen“, meint Drebes.

Interessant sei auch, dass das Konzept vor allem im deutschsprachigen Raum gut funktioniert. Drebes: „In Regionen wie Lateinamerika erkennen die Leute den Mehrwert des Tools gar nicht, da man dort ganz selbstverständlich aufeinander zugeht und miteinander spricht.“ ws

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