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Freitag, 22. März 2019

Wiedereinstieg

Zurück in den Job

Von Henning Zander | 31. Mai 2018 | Ausgabe 22

Das Fachkräfteprojekt Back2Job in Hannover bringt Ingenieurinnen und Naturwissenschaftlerinnen nach einer Jobpause wieder in den Beruf.

Bildartikel zu Neeraja Rao Pawar - vor Baumaschinen.JPG
Foto: Henning Zander

Neeraja Rao Pawar macht zurzeit ein Praktikum beim Baumaschinenhersteller Komatsu in Hannover. und hat sich auf eine Stelle in Düsseldorf beworben.

Schon der Vater hat mit Maschinen gearbeitet und in seiner Freizeit in der Garage Motorräder repariert. Ganz in der Nähe war sein Arbeitsplatz, bei einer großen Firma, die Kräne herstellte. „Ich bin mit Maschinen aufgewachsen“, sagt Neeraja Rao Pawar.

Die heute 35-jährige Inderin hat an einer Universität in Südindien Maschinenbau studiert, mit Auszeichnung abgeschlossen und dann in der Luftfahrtindustrie angefangen. Über einen Dienstleister von Airbus kam sie 2006 nach Finkenwerder, Deutschland. Ihr Mann, ebenfalls Inder, zog nach. 2007 wurde sie schwanger und hörte auf zu arbeiten. Damit könnte die Geschichte eigentlich schon zu Ende sein. Wenn es nicht ein besonderes Projekt in Niedersachsen geben würde.

Seit 2016 unterstützt das Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft (BNW) mit dem Projekt „Back2Job – Ingenieurinnen gesucht!“ hoch qualifizierte Ingenieurinnen und Naturwissenschaftlerinnen dabei, den Weg zurück in den Beruf zu finden. Schließlich ist der Wiedereinstieg schwierig: Bei kurzen Innovationszyklen ist Wissen schnell veraltet. „Frauen, die nicht an eine Firma angebunden sind, verlieren nach einigen Jahren den Anschluss an den Fortschritt“, sagt Ayten Berse, Projektleiterin von Back2Job beim Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft.

Im ersten Durchlauf haben 20 Frauen teilgenommen, im zweiten sind es aktuell 24. Die meisten haben einen Migrationshintergrund und stammen aus 14 verschiedenen Nationen. Das Programm dauert rund zwölf Monate. In den ersten acht bis zehn Wochen werden die Frauen vorbereitet: Sie bekommen Bewerbungstrainings, Kommunikationstrainings, werden mit dem Arbeitsmarkt in Deutschland vertraut gemacht. Wie funktioniert der verdeckte, wie der offene Arbeitsmarkt? Welche Arbeitszeugnisse werden gebraucht? Wie organisiert man die Kinderbetreuung? Sprachunterricht auf Deutsch und Englisch gehört zum Programm. Ayten Berse begleitet auch den Prozess der Anerkennung ausländischer Abschlüsse. Dabei gibt es eine enge Zusammenarbeit mit der IHK Hannover und der Ingenieurkammer Niedersachsen.

In der zweiten Phase geht es an die Universität oder die Fachhochschule. Als Gasthörerinnen können die Teilnehmerinnen dort ihr Wissen auffrischen oder ergänzen. Sie besuchen dafür die normalen Vorlesungen. In dieser Phase bewerben sie sich auf Praktikumsplätze. Das Praktikum dauert zwischen drei und fünf Monaten. Vorbereitungskurs, Universität und Praktikum sind auf 25 Stunden pro Woche ausgerichtet. Wenn die Frauen im Praktikum mehr arbeiten wollen, können sie das individuell vereinbaren.

Das Ziel ist es, mindestens die Hälfte der Teilnehmerinnen nach dem Programm in eine sozialversicherungspflichtige, adäquate Beschäftigung zu bekommen. „Es geht um passgenaue Arbeit“, sagt Ayten Berse. Die Frauen sollen später nicht eine beliebige Tätigkeit annehmen, sondern tatsächlich als Ingenieurinnen, Informatikerinnen oder Chemikerinnen arbeiten. Im ersten Projektdurchlauf hat das auch geklappt. 16 von 20 Teilnehmerinnen konnten in eine entsprechende Beschäftigung vermittelt werden.

Neeraja Rao Pawar hat immer wieder versucht, sich bei Unternehmen zu bewerben. Aber zunächst bekam sie keinen Kindergartenplatz, dann wurde sie das zweite Mal schwanger. Unternehmen, bei denen sie sich bewarb, reagierten nicht, oder lehnten gleich ab. So gingen zehn Jahre ins Land, bis sie von der Möglichkeit hörte, sich an die Arbeitsagentur zu wenden. „Ich dachte, das wäre nicht möglich, weil ich weniger als zwölf Monate in Deutschland gearbeitet habe“, sagt Pawar. Dann ging alles ganz schnell. Die Agentur in Hannover brachte sie mit Back2Job in Verbindung. Als Teilnehmerin gewann sie schnell wieder Selbstvertrauen. „Ich wollte eigentlich immer arbeiten. Es war toll, auf Frauen zu treffen, die in einer ähnlichen Situation sind wie ich.“

Heute macht Neeraja Rao Pawar ein Praktikum beim Baumaschinenhersteller Komatsu in Hannover. Sie arbeitet in der Konstruktion und hat sich für die Zeit nach dem Praktikum schon auf eine Stelle am Standort Düsseldorf beworben. Alina Nolte, Projektpartnerin in der Personalabteilung bei Komatsu, findet, dass das Programm Unternehmen große Chancen bietet. „Die Frauen sind hervorragend ausgebildet und äußerst motiviert“, sagt Nolte. „Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ist das Programm eine tolle Möglichkeit, qualifizierte Mitarbeiterinnen zu finden.“

Komatsu hat sich mit flexiblen Arbeitszeiten auf die neue Arbeitswelt eingestellt. Gleitzeit und flexible Arbeitseinteilung sind hier ohnehin bekannt.

Diese Vorteile nutzt auch Neeraja Rao Pawar, um die Betreuung ihrer Kinder und die Arbeit unter einen Hut zu bekommen. „Dass das hervorragend funktioniert, hat sich ja während des Praktikums gezeigt“, sagt Alina Nolte. Neeraja Rao Pawar kümmert sich weitgehend allein um ihre Kinder, ihr Mann arbeitet in Karlsruhe und kommt nur an den Wochenenden nach Hause. „Jetzt weiß ich, dass ich beides schaffen kann: Arbeit und Familie“, sagt Pawar.