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Sonntag, 20. Januar 2019

Arbeitsmarkt

Acht neue Fakten zu deutschen Ingenieuren

Von Peter Schwarz/Lisa Schneider | 11. April 2014 | Ausgabe 15

Der Ingenieur – das unbekannte Wesen? Von wegen. Jedes Jahr lässt der VDI vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) verschiedene Aspekte des Berufsstands unter die Lupe nehmen. Hier die wichtigsten neuen Fakten, die am Dienstag auf der Hannover Messe vorgestellt wurden.

VDI-Präsident Udo Ungeheuer
Foto: VDI

VDI-Präsident Udo Ungeheuer stellte in Hannover die neue Studie vor. Ein Ergebnis: Sachsen weist von allen Bundesländern die höchste Ingenieurdichte auf.

1. In Deutschland gibt es immer mehr Ingenieure.

Im Jahre 2011 (aktuellere Zahlen gibt es nicht) waren hierzulande rund 1,66 Mio. Ingenieure erwerbstätig – ein Anstieg von 19 % gegenüber 2005. Auf der Hannover Messe warnte VDI-Präsident Udo Ungeheuer jedoch davor, die Vorboten des demografischen Wandels zu übersehen. "Ab dem Jahr 2020 wird uns das Problem der Überalterung voll im Griff haben." Diese Lücke gelte es, bereits heute zu schließen.

Die Studie

2. Die Zahl der Ingenieurinnen nimmt zu.

Die Ingenieurwelt wird immer weiblicher: Der Frauenanteil an den erwerbstätigen Ingenieuren stieg von 2005 bis 2011 von 14,7 % auf 16,6 %.

Mit einem weiteren Anstieg der Quote ist zu rechnen. Die Zahl der Absolventinnen ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge liegt seit längerer Zeit über 20 %. Zudem werden in den kommenden Jahren noch stärker männlich dominierte Kohorten erwerbstätiger Ingenieure aus dem Erwerbsleben ausscheiden.

Obwohl es in technischen Disziplinen immer mehr Frauen gibt, hinkt die Ingenieurwelt der gesellschaftlichen Entwicklung hinterher: Bei erwerbstätigen Akademikern sonstiger Fachrichtungen herrscht nämlich hierzulande mittlerweile Parität zwischen Frauen und Männern.

Auffällig: In den Ingenieurwissenschaften gibt es deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Fächergruppen. So liegt die Frauenquote in der Architektur bei über einem Drittel, im Maschinenbau- oder Elektroingenieurstudium hingegen unter 10 %.

3. Mehr Ingenieure sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt.

Der Anteil sozialversicherungspflichtiger Beschäftigungsverhältnisse hat zugenommen: Zwischen 2005 und 2011 stieg ihr Anteil von 76,2 % auf 77,8 %.

4. Berufstätige Ingenieure werden immer älter.

Die Altersstruktur der erwerbstätigen Ingenieure hat sich gravierend verändert. 2005 gehörten noch weniger als 30 % der Altersgruppe 50+ an. 2011 lag die Quote bereits bei über 35 %. Der Anteil des mittleren Alterssegments (35- bis 49-Jährige) ist im selben Zeitraum um mehr als 7 Prozentpunkte gesunken.

Damit hat Deutschland im Vergleich zu allen anderen europäischen Staaten die ältesten Ingenieure. Um den Bedarf an Ingenieuren zu decken, müssten deutsche Hochschulen jährlich etwa 90 000 Ingenieurabsolventen hervorbringen. "Das schaffen sie aber bei Weitem noch nicht", so VDI-Präsident Ungeheuer. Im Augenblick verlassen per anno maximal 60 000 Ingenieure die deutschen Hochschulen.

Deshalb fordert der VDI eine stärkere Berücksichtigung von Technik in schulischen Curricula. Außerdem müssten Lehrer besser auf die Vermittlung von Technikwissen vorbereitet werden.

5. In Deutschland arbeiten mehr Ingenieure mit ausländischen Wurzeln.

Der Ingenieurarbeitsmarkt in Deutschland wird zunehmend internationaler: 2011 waren 159 000 Ingenieure mit ausländischer Staatsangehörigkeit in Deutschland tätig – gegenüber 2005 ein Plus von fast 33 %.

Ingenieure mit ausländischen Wurzeln stammen zu 70 % aus anderen europäischen Ländern, vor allem aus Osteuropa.

6. Im Studium zieht es nur wenige ins Ausland.

Nur 4 % aller Ingenieurstudierenden des Jahres 2012 haben einen Teil ihres Studiums im Ausland verbracht. Damit sind die Ingenieurwissenschaften während des Studiums die immobilste aller Fachrichtungen. Ähnlich niedrige Mobilitätswerte weisen Studierende in anderen technisch-naturwissenschaftlichen Fachrichtungen und der Medizin auf.

Interessant: In den ersten Jahren nach dem Examen kehren sich die Verhältnisse um. So haben knapp drei von zehn Universitätsabsolventen des Maschinenbaus und der Verfahrenstechnik innerhalb der ersten fünf Jahre nach dem Examen mindestens einen Monat lang im Ausland gearbeitet.

7. In Deutschland sind Ingenieure selten befristet beschäftigt.

In Deutschland hatten 2011 nur 5,8 % der erwerbstätigen Ingenieure einen befristeten Arbeitsvertrag. Im Schnitt der EU-Länder lag die Quote bei 7,2 %. In Spanien war sogar jeder sechste, in Portugal jeder vierte erwerbstätige Ingenieur befristet beschäftigt. Die Bundesagentur für Arbeit hat außerdem ermittelt, dass weniger als 1 % aller Ingenieure in Deutschland als Zeitarbeiter tätig sind. Die meisten Ingenieurabsolventen finden schneller als andere Akademiker unbefristete Vollzeitstellen.

8. Ingenieureinkommen liegen über dem durchschnittlichen Akademikergehalt.

Im Schnitt verdient ein deutscher Ingenieur fast ein Viertel mehr als der Durchschnittsakademiker. Ingenieure werden gut bezahlt, schaffen aber auch Werte: "Kaum ein anderer Berufsstand erbringt hierzulande einen größeren Beitrag zur gesamtwirtschaftlichen Leistung", so VDI-Präsident Ungeheuer. ps/lis