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Samstag, 20. Januar 2018

Karriere

Antrieb und Digitalisierung stehen auf der Agenda oben

Von Lars Peter Trechow | 19. September 2014 | Ausgabe 38

Nach sehr gutem ersten Halbjahr mit deutlichen Zuwächsen in Westeuropa, China, den USA und Japan brummt der Jobmotor der Automobilindustrie. Ingenieure sind gesucht, um Forschung und Entwicklung zu forcieren. Zukunftsthemen wie Elektromobilität oder das autonome Fahren werden konkret.

Auto Überblick BU
Foto: Volvo

Das selbstfahrende Autoist keine Zukunftsmusik, die Entwicklungspotenziale aber sind enorm. Entsprechend werden Ingenieure in Forschung und Entwicklung gesucht.

Es läuft wie geschmiert. Die wichtigsten Märkte für Automobilbauer, China, USA, Westeuropa und Japan, wachsen im Gleichschritt. Und das, obwohl schon 2013 mit 72,2 Mio. verkauften Pkw und Light Vehicles Hochbetrieb herrschte.

Boombranche Dienstleistungen in der Entwicklung

Die Halbjahreszahlen des Branchenverbands VDA sind beeindruckend. Über 10 Mio. Neuzulassungen in China: 14 % Zuwachs. Knapp 3 Mio. in Japan: 9 %. Die Verkäufe in den USA und Westeuropa zogen um gut 5 % an. Allein in diesen vier Kernmärkten summierte sich der Absatz auf 30 Mio. Einheiten. Die VDA-Jahresprognose von 74,7 Mio. verkauften Neuwagen erscheint beinahe pessimistisch – trotz Russlandkrise, Kriegen in Nahost, Ebola-Ausbruch in Westafrika und schwacher Marktentwicklung in Indien und Brasilien.

Der wachsende Weltmarkt spielt den global ausgerichteten deutschen Herstellern, Zulieferern und Entwicklungsdienstleistern in die Karten. Volkswagen ist auf bestem Wege, Toyota und GM schon 2014 zu übertrumpfen. Ziel war es, 2018 weltgrößter Autobauer zu sein.

Der Aufstieg geht mit personellem Wachstum einher. Jahr für Jahr schleusten die Konzernmarken über ihre Trainee-Programme zuletzt mehr als 10 000 Hochschulabsolventen in ihre Abläufe ein. Hierzulande werden es 2014 über 4000 sein. „Besonders gute Einstiegschancen haben Ingenieure für Elektro-Traktion, Leichtbau und Fahrzeugelektronik sowie Designer“, sagt Olaf Kupke, Personalleiter Forschung und Entwicklung bei Volkswagen.

Konzerntochter Audi plant laut Antje Maas, der Leiterin des Personalmarketings, hierzulande 3000 Neueinstellungen. Im Oktober und November seien Interessierte zu „Audi CareerDays“ eingeladen. Beste Chancen haben berufserfahrene Ingenieure und Berufseinsteiger. Sie sollen die technische Entwicklung und den Produktionsbereich verstärken. Wobei auch Audi für seine Kompetenzfelder Leichtbau, Vernetzung des Automobils und Elektromobilität sucht. Laut Maas sind Menschen gefragt, „die Lust auf Neues, Mut und Pioniergeist mitbringen“. Ihnen biete Audi ein innovatives Arbeitsumfeld, internationale Entwicklungsperspektiven, attraktive Entgelte und viele Angebote zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder zur Gesundheitsvorsorge.

Elektromobilität, Leichtbau und Vernetzung sind derzeit die großen Branchenthemen. Trotz abgemilderter CO2-Ziele müssen die Hersteller sich strecken. Das symbolische Dreiliter-Auto wird in naher Zukunft Standard, doch die deutschen Premiummarken wollen nicht nur Kleinwagen bauen. Da hilft nur, mit Leichtmetallen, faserverstärkten Kunststoffen und geschickter Konstruktion Gewicht zu reduzieren, den Antrieb ganz oder zumindest teilweise effizienten Elektromotoren zu überlassen oder die Zylinder mit Biogas und methanisiertem Ökostrom zu befüllen.

Doch der Antriebswechsel ist für Hersteller und Kunden gleichermaßen teuer. Darum fließt weiterhin ein Gutteil der FuE-Budgets in die Effizienzsteigerung von Benzin- und Dieselantrieben.

Neben Antrieben gibt es eine zweite Großbaustelle: Vernetzung und Übertragung lästiger Fahraufgaben aufs Automobil. Fahrer sollen das Steuer übernehmen, wo es Spaß macht, ansonsten soll das Auto es richten. Mercedes ließ letztes Jahr eine fahrerlose S-Klasse die Strecke von Mannheim nach Pforzheim fahren, auf der einst Berta Benz unterwegs war – im laufenden Verkehr durch Dörfer und Städte. Die Vernetzung heutiger Assistenzsysteme samt Umfeldsensoren und leistungsstarke Bordrechner machten es möglich. Künftig soll die Vernetzung auf vorausfahrende und entgegenkommende Fahrzeuge sowie stationäre Server ausgeweitet werden.

Um all diese Visionen neben dem Alltagsgeschäft zu realisieren, ist auch Daimler auf Personalsuche. Laut Peter Berg, Leiter Global Talent Acquisition & Development, sollten Bewerberinnen und Bewerber idealerweise Abschlüsse aus Maschinenbau, Elektro-, Fahrzeug- oder Nachrichtentechnik, Wirtschaftsingenieurwesen oder Luft- und Raumfahrt mitbringen. „Neben zahlreichen Direkteinsteigern stellen wir allein dieses Jahr rund 300 Trainees für unser ,CAReer-Programm‘ ein“, erklärt Personalfachmann Peter Berg. Hier seien auch Informatiker und Absolventen wirtschaftlicher Fachrichtungen gefragt.

Auch bei Zulieferern stehen die Türen für Ingenieure weit offen. ZF Friedrichshafen hat letztes Jahr 4200 neue Mitarbeiter eingestellt, davon 2000 in Deutschland. Dieses Jahr sind 2000 Einstellungen geplant, davon ein Viertel hierzulande, erklärt Martin Frick, Leiter des Personalmarketings. Er wirbt offensiv um (Jung-)Ingenieure: „Sie arbeiten bei uns abteilungsübergreifend und beeinflussen alle Phasen des Entwicklungsprozesses: von der Ideenfindung über die Konzeption bis hin zur Serienreife“. Abwechslung sei angesichts vielfältiger Aufgaben in herkömmlicher und elektrischer Antriebstechnik, Fahrwerktechnik, im Nutzfahrzeug- oder Industriebereich garantiert.

Continental beschäftigt mittlerweile gut 23 000 Ingenieure weltweit. Allein 1300 von ihnen arbeiten an Fahrerassistenzsystemen und deren Evolution hin zum autonomen Fahren. „Im Augenblick haben wir sehr hohen Bedarf. Es sind allein in Deutschland über 400 Stellen für Berufseinsteiger und Berufserfahrene zu besetzen“, erklärt Gesa Krüger, Sprecherin für Personal- und Karrierethemen bei Continental.

Die Aufgaben sind auch hier vielfältig: Sensorik, Assistenzsysteme, Apps, Elektromobilität, Turbolader oder Förderbänder – und vieles mehr. Neben den üblichen Fachrichtungen stehen bei Continental auch Verfahrenstechnik, Chemie, Physik und Mathematik hoch im Kurs.

Und wie bei allen großen Adressen der deutschen Autoindustrie haben Einsteiger auch hier beste internationale Entwicklungschancen. Erst recht in Zeiten, in denen alle wichtigen Märkte kräftig wachsen. 

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