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Dienstag, 23. Januar 2018

Ingenieurdienstleister

„Attraktive Arbeitgeber überleben“

Von Peter Schwarz | 11. September 2015 | Ausgabe 37

Stürmische Zeiten für die Branche: Großkunden gewinnen an Marktmacht, die geplante Begrenzung der Arbeitnehmerüberlassung sorgt für Verunsicherung. Was tun? Fragen an Frank Ferchau, Chef des gleichnamigen Engineering-Spezialisten.

BU_Ferchau
Foto: Ferchau

Frank Ferchau: „Wir wollen schon bald die Hälfte unseres Umsatzes mit Großkunden machen.“

VDI nachrichten: Herr Ferchau, viele Konzerne arbeiten nur noch mit wenigen Dienstleistern zusammen und schrauben ihre Ansprüche in die Höhe. Fühlen Sie sich unter Druck gesetzt?

Ferchau: Nein, aber wir stehen vor einer Herausforderung. Erst mal freuen wir uns darüber, dass Großunternehmen komplette Work Packages an uns vergeben. Damit steigt zugleich unsere Verantwortung ganz erheblich. Wir wollen in den kommenden Jahren die Hälfte unseres Umsatzes mit Großkunden machen.

Ferchau

Warum?

Weil dort die großen F&E-Budgets angesiedelt sind. Der Großkunde konsolidiert. Früher hatte Airbus mehr als 1000 Dienstleister. Heute sind es noch unter 20 Engineering-Dienstleister. Da wollen wir natürlich dabei sein.

Das setzt entsprechende Expertise voraus.

Unabhängig von den umfangreichen Erfahrungen und Kenntnissen im Projektmanagement müssen wir Räumlichkeiten, Fuhrpark, Maschinen, Equipment wie Testing- und Analyseeinrichtungen bereitstellen. Das führt dazu, dass unsere Investitionen stark steigen.

Wie stemmen Sie die Belastung?

Bislang sind wir bei Investitionen nicht auf Banken angewiesen. Das soll auch so bleiben.

Das geht wohl nur mit höheren Gewinnen – womöglich auf Kosten Ihrer Mitarbeiter?

Unsinn, wir betreiben keine Gewinnmaximierung. Schon gar nicht auf Kosten von Mitarbeitern. Was wir brauchen, ist eine bestimmte Mindestrendite, um die Investitionen aus eigener Kraft zu finanzieren.

Das heißt, Sie prüfen schärfer, ob ein Auftrag möglicherweise zu Verlusten führen könnte.

Ja, wir gehen keine unkalkulierbaren Risiken ein. Das gilt vor allem im Auslandsgeschäft. Wenn uns ein Kunde vorschlägt, mit ihm etwa nach Nepal zu gehen, werden wir das sehr kritisch prüfen.

Und als Dienstleister werden Sie immer häufiger gefragt, ob Sie mit nach Nepal gehen ...

Nach Nepal vielleicht nicht, aber die Internationalisierung ist ein Thema. Hersteller können heute Produkte nicht mehr zentral für alle Märkte entwickeln, die sie bedienen. Sie betreiben vor Ort Engineering. Und da kommen wir ins Spiel.

Was heißt das konkret?

Es gibt unterschiedliche Ansätze bei der Internationalisierung unseres Geschäfts: In manchen Fällen stellen wir Mitarbeiter für Großprojekte ab. In anderen entwickeln wir Standorte für Kunden, wie für Airbus in Toulouse. Die Königsdisziplin ist die Erschließung von Ländermärkten, wie wir sie in Österreich begonnen haben. Frankreich und Spanien sollen folgen. Aber wir wollen auch den deutschen Markt weiter erschließen. Da gibt es für uns noch eine Menge Chancen ...

... weil kleinere Ingenieurdienstleister aufgeben müssen.

Ja, der Markt konsolidiert sich zurzeit.

Und Ferchau mischt kräftig mit ...

Zumindest stehen wir nicht am Spielfeldrand und schauen interessiert zu. Im Mai haben wir etwa die Rostock System-Technik gekauft, die mit 150 Mitarbeitern auf Luft- und Raumfahrt fokussiert ist. Weitere Akquisitionen sind nicht ausgeschlossen.

Was treibt diese Entwicklung?

Ja, unter anderem. Viele Wettbewerber scheiden aus, weil sie die Investitionen nicht schultern können, von denen ich gesprochen habe. Auch die Internationalisierung schaffen kleinere Dienstleister nicht. Und last but not least geht es um die Attraktivität als Arbeitgeber: Wer bekommt die besten Leute? Was kann er seinen Angestellten bieten? Wohnortnaher Arbeitseinsatz, Qualifizierung, Gehalt, spannende Projekte. Da trennt sich die Spreu vom Weizen.

Und Sie wollen zum Weizen gehören, nicht zur Spreu.

Natürlich. Als Familienunternehmen ist uns die Zufriedenheit unserer Mitarbeiter enorm wichtig. Wir sind stolz darauf, dass wir auf Bewertungsportalen gut abschneiden. Bei Kununu etwa kommen wir auf einen Schnitt von 3,9 von 5 möglichen Punkten. Und wir haben den Ehrgeiz, noch besser zu werden.

Wir setzen also auf Langfristigkeit und Nachhaltigkeit. Wir wollen über mehrere Projektzyklen hinweg unsere Mitarbeiter halten und gleichzeitig unsere Kunden zufriedenstellen.

Langfristigkeit und Nachhaltigkeit klingt gut. Trotzdem bleiben ihre Mitarbeiter nur zweieinhalb Jahre. Wie passt das zusammen?

Die zweieinhalb Jahre sind ein Durchschnittswert. Es gibt Abteilungen, da sind die Mitarbeiter im Schnitt zehn Jahre bei uns. Aber klar ist auch, dass wir als Ingenieur-Dienstleister Rekrutierungsaufgaben für unsere Kunden erfüllen. Viele Mitarbeiter sehen ihre Zeit bei uns als Sprungbrett in Großunternehmen. Und das ist legitim.

Im Herbst soll das neue Zeitarbeitsgesetz ins Parlament eingebracht werden. Stehen Sie der Reform gelassen oder skeptisch gegenüber?

Es ist gut, dass die Novelle jetzt endlich kommt. Zurzeit gibt es große Verunsicherung. Viele Kunden wissen nicht mehr, wann Arbeitnehmerüberlassung vorliegt und wann nicht, was die Betriebsräte dazu sagen und so weiter. Das lähmt die Bereitschaft, Aufträge an Dienstleister zu vergeben.

Was tun Sie dagegen?

Wir führen unsere Kunden durch den juristischen Dschungel. Wir haben ein großes Eigeninteresse, rechtlich auf der sicheren Seite zu stehen. Sonst besteht das Risiko, dass wir die Lizenz für Arbeitnehmerüberlassung verlieren.

Im neuen Gesetz wird Arbeitnehmerüberlassung aller Voraussicht nach auf 18 Monate begrenzt. Sie wehren sich dagegen, weil Projekte oft viel länger dauern. Können Sie die Regelung noch verhindern?

Wir hoffen es natürlich. Es gibt Hinweise, dass die Höchstüberlassungsdauer entfallen könnte, wenn Dienstleister einen Tarifvertrag haben. Das ist bei uns ja der Fall. Wir haben unseren Haustarifvertrag mit der IG Metall gerade erst verlängert.

Und wenn es anders kommt?

Dann wäre das so, als würden sie einem Taxifahrer sagen, dass er am Tag nur noch 300 km fahren darf. Es wäre völliger Quatsch, im Engineering-Bereich bei 18 Monaten einen Schnitt zu machen. Die Projekte laufen einfach länger. Wir brauchen einen realistischen Rechtsrahmen, der Transparenz schafft, ohne einzuschnüren.

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