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Samstag, 20. Januar 2018

Unternehmensporträt

Die Ferraris unter den Sicherheitslösungen

Von Matilda Jordanova-Duda | 9. Mai 2014 | Ausgabe 19

Über Fachkräftemangel kann Bartec nicht klagen. Hoch qualifizierte Spezialisten für Sicherheitstechnik hat der Explosions-Schutz-Spezialist in Bad Mergentheim aber auch bitter nötig, denn allein der Trend zur Automatisierung von Sicherheitslösungen erfordert das Wissen gut geschulter Ingenieure.

Mitarbeiter überprüfen hier die Ebenheit eines Edelstahlgehäuses
Foto: Bartec

Die Bartec-Mitarbeiter schauen genau hin, wenn es sein muss, zu zweit. Mitarbeiter überprüfen hier die Ebenheit eines Edelstahlgehäuses.

Bartec spielt mit dem Feuer. Genau genommen stellt das Unternehmen Automatisierungs-, Wärme-, Kommunikations-, Analysen- und Messtechnik für die Öl- und Gasbranche, die Chemie- und Pharmaindustrie sowie den Bergbau her. Bereiche, wo ein Funke katastrophale Folgen haben kann. Der international tätige Explosions-Schutz-Spezialist (kurz: Ex-Schutz) hat kein Problem, gute Leute zu finden. Schon Berufsanfänger dürfen Projekte eigenständig abwickeln.

High Potentials stehen unter Obhut der Top-Manager

Hier knallt es – und zwar jeden Tag. Schläuche pumpen ein explosives Gasgemisch in die druckfeste "Schießkammer". Peng! Die kleinen und großen Stahlkisten, Gehäuse für Bergbau-Schaltgeräte überstehen den Härtetest mit kaum sichtbaren Beulen. Für die Kunden des mittelständischen Spezialisten für Sicherheitstechnik in explosionsgefährdeten Bereichen ist das ein Qualitätsmerkmal. "Für die Tests betreiben wir einen hohen Aufwand", sagt Ralf Köster, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bartec Gruppe mit Sitz in Bad Mergentheim. Er zählt Wärme- und Kältebeständigkeitsprüfungen, Schlagfestigkeit, Tests auf Entflammbarkeit, Überhitzung, Hochspannung und vieles mehr auf.

Bartec machte im Geschäftsjahr 2013/2014 rund 320 Mio. € Umsatz, 80 % davon im Export. Als Ralf Köster Firmenchef wurde, bat er die Mitarbeiter, die Ferraris auf dem Parkplatz zu zählen. Aber dort stand keiner. "Unsere Produkte sind aber wie Ferraris", sagte er den verdutzten Kollegen.

Soll heißen: exzellente, anspruchsvolle, häufig auch sehr teure Lösungen. Köster: "Natürlich machen wir beim Ex-Schutz selbst bei den einfachsten Komponenten keine Zugeständnisse. Aber es gibt, wie bei einem Auto, die Luxusausstattung mit noch mehr Funktionen." Die eine Produktlinie gehe in die Märkte, wo man stark auf den Preis schaut und eine einfache solide Lösung ausreicht.

In den klassischen Industrieländern werde häufig noch viel mehr verlangt: mehr Analyse, Auswertung, Verbindung, Wireless. "Nehmen wir unseren Panel-PC Polaris. Wir haben ein Basisgerät mit einem kleinen, einfachen Bildschirm, der den aktuellen Status der Anlage anzeigt. Daneben bieten wir aber auch den Polaris Professional, ein offenes System, das sich mit einer Steuerung oder dem Prozessleitsystem vernetzen lässt."

Ein wichtiger Trend im Ex-Schutz ist die zunehmende Automatisierung, um Personal aus den Gefahrenbereichen herauszuhalten. In die Schaltgehäuse werden etwa Kameras oder Infrarot-Sensoren eingebaut, die das Geschehen überwachen. Automatisierungssysteme erfordern ebenfalls robuste Computer und Kommunikationsleitungen, immer öfter auch kabellos. "Automatisierungstechnik und Wireless-Technologie ist für uns ein Riesenthema", sagt Köster. "Wir achten bei neuen Einstellungen sehr darauf, Spezialisten in diesem Bereich an Bord zu nehmen. Mechanische Themen sind zwar immer noch von Bedeutung, haben aber nicht diese Wachstumsdynamik."

Fachkräftemangel? Noch nicht zu spüren. "Wir bekommen weiterhin sehr gute Leute, weil wir einen guten Ruf als Arbeitgeber haben", so Köster. Erstens wachse Bartec stark. Zweitens habe Sicherheitstechnik ein positives Image. Sie verhindere Umweltkatastrophen und rette Menschenleben. "Das kommt gerade bei den Jüngeren gut an."

Aus den Gesprächen auf Messen und in Hochschulen weiß Köster, dass der Nachwuchs Freiräume haben möchte. Beim Mittelständler dürfen schon Berufsanfänger einzelne Projekte komplett bearbeiten. "Sie sind kein kleines Schräubchen in einem Riesengetriebe."

Das weiß Patrick Fleischhacker zu schätzen: "Verantwortung schon in jungen Jahren zu übernehmen, war mir sehr wichtig." Der 24-jährige Wirtschaftsingenieur fing als dual ausgebildeter Student bei Bartec an und ist nun als Produktmanager für die selbstlimitierenden Heizbänder im Bereich Wärmetechnik zuständig.

Diese Heizbänder kommen in verschiedensten Industriezweigen zum Einsatz, darunter auch in der Öl- und Gas- sowie Chemieindustrie. Die Bänder bringen Temperaturen auf den Punkt. "Ich bin als Schnittstelle zwischen Einkauf, FuE und Vertrieb in die Produktentwicklung und -vermarktung eingebunden. Auch mit der Prüfstelle arbeite ich im Laufe des Zulassungsprozesses zusammen", erzählt Fleischhacker.

Wegen seines Studienschwerpunkts internationale Produktion und Logistik suchte er sich einen Betrieb, der überschaubar und doch international ist. Bartec mit seinen 1600 Mitarbeitern weltweit war genau das Richtige. Die Bachelorarbeit schrieb Fleischhacker am slowenischen Produktionsstandort. Bei der Integration einer neuen Firmentochter aus Norwegen war er auch dabei.

"Die Möglichkeit, längere Zeit ins Ausland zu gehen, reizt junge Mitarbeiter besonders", sagt Firmenchef Ralf Köster. Bartec sucht auch Ingenieure im Ausland, um verschiedene Kulturen und Ideen ins Unternehmen zu holen.

Künftige Manager werden häufig aus einem Personalentwicklungsprogramm rekrutiert. Auch Seiteneinsteiger können auf eine Führungsposition gelangen oder Mitarbeiter auf die klassische Weise die Karriereleiter erklimmen. Köster: "Wir führen jährlich Fördergespräche durch. Es ist möglich zu sagen: ,Ich bleibe gern in der Technik und dringe tief in einzelne Bereiche ein.‘ Oder: ,Nach einer gewissen Zeit möchte ich ins Management gehen.‘ Darüber sind wir froh, denn wir möchten dort einen guten Mix aus Kaufleuten und Technikern haben. Nach diesen Wünschen richten sich die Weiterbildungsmöglichkeiten."

Für den jungen Produktmanager Fleischhacker steht das Fördergespräch in Kürze an. Einen Wunsch hat er auch schon: ein standortübergreifendes, internationales Projekt zu leiten. MATILDA JORDANOVA-DUDA

www.bartec.de

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