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Dienstag, 23. Januar 2018

Recruiting

Die besten Personalanzeigen für Ingenieure kommen aus der Automobilbranche

Von Axe | 16. März 2012 | Ausgabe 11

VW und Audi haben 2011 die besten Personalimage- und Stellenanzeigen des Jahres geschaltet. Die Jury des 7. "VDI nachrichten Awards" kürte aus 151 eingereichten Motiven zwei Anzeigenformate der Automobilhersteller zum Sieger. Doch die eingereichten Arbeiten belegen auch, dass Mittelständler durchaus im Konzert der Großen mitspielen können.

"Die Sekunde, in der mein Design zum Leben erwacht, ist ein Moment für die Ewigkeit." Dieser Slogan steht in der Anzeige, mit der Audi in der Kategorie "Personal-Imageanzeigen" gewann.

Der Audi-Designer Christian Winkelmann sagt diesen Satz – sitzend, vor einem noch unter weißem Tuch verhüllten Auto. Das Ganze eingetaucht in eine rötlich eingefärbte Schwarz-Weiß-Szenerie.

"Da ist alles perfekt", lobt Jury-Mitglied Ralph Scheerer, Geschäftsführer der Agentur Scheerer Werbung. "Ein Ingenieur beschreibt das Faszinierende an seiner Aufgabe. Das Foto ist hervorragend ausgeleuchtet, das Auto, das eigentliche Produkt, ist noch verhüllt." Bevor es zum Leben erwacht. Ein Motiv, das Arbeitsatmosphäre, Unternehmensphilosophie und die Faszination der Aufgabe transportiert.

"Hier spricht ein Ingenieur in seiner Umgebung seinesgleichen an", lobt Anja Schladitz, Jury-Mitglied und Personalchefin des Landmaschinen-Unternehmens Claas. Audi spiele, wenn auch verhüllt, mit dem Reiz des Produktes.

"Dieses Motiv ist pure Emotion", fühlt sich auch Jurymitglied Tanja Friederichs, Personalchefin des Münchner Stromversorgungsherstellers Puls, direkt angesprochen: "Es ist absolut überzeugend, dass ein Ingenieur zitiert wird und seine künftigen Kollegen anspricht."

Hinter Audi kam Automobilzulieferer ZF mit einem ausgesprochen überraschenden und verblüffenden Motiv auf den zweiten Platz. Die ZF-Personaler ließen ihr Hauptprodukt, ein Autogetriebe, in ein Schokoladenei packen und dieses in lila Papier einwickeln.

"ZF dankt allen Kunden für die nette Verpackung", titelt ZF und lockt so die Aufmerksamkeit der Ingenieure auf die Technik unter der Haube. In wenigen Zeilen beschreibt der Autozulieferer seine Stärken in der Antriebs- und Fahrwerktechnik, nennt die Kernkompetenzen des Unternehmens und seiner Mitarbeiter.

Auf Rang 3 bei den Personalimageanzeigen schaffte es Schaeffler, ein weiterer Automobilzulieferer. Schaeffler visualisiert durch die Kombination von Fiktion, Zeichnung und Realität die Aufgaben der 200 Entwickler, die das Unternehmen für sein Systemhaus E-Mobilität sucht.

Den Text nutzt Schaeffler, um sich als führendes Unternehmen für E-Mobilität und internationaler Partner der Autoindustrie zu positionieren und lockt mit zukunftsträchtigen Aufgaben.

Deutlich schwerer als bei den Personalimageanzeigen tat sich die Jury bei den Stellenanzeigen. Denn hier steht nicht das Image mit seinen kreativen Freiheiten im Mittelpunkt, sondern die Aufgabe, konkrete Stellen zu besetzen.

Viele Stellenanzeigen scheiterten an der Aufgabe, hohe Aufmerksamkeit zu wecken und doch gleichzeitig genügend Informationen über das Unternehmen und die Aufgaben zu liefern.

"Viele Stellenanzeigen enthalten zu viele Elemente der Imageanzeigen und vernachlässigen den Kern der Stellenanzeige", kommentiert Anja Seng, Professorin an der FOM, der Hochschule für Ökonomie & Management in Essen: "Offenbar ist es schwer, eine aufmerksamkeitsstarke Stellenanzeige zu gestalten, die dennoch klar fokussiert ist auf die Besetzung einer konkreten Stelle."

Unter den eingereichten Arbeiten ist es nach Meinung der Jury Volkswagen am besten gelungen, Aufmerksamkeit zu wecken und auf die Stelle zu fokussieren. Die VW-Personaler rücken als Key-Visual das Konzern-Logo im Kühlergrill mitten in die Anzeige und überschreiben die Stellenanzeige mit einem Versprechen: "Zwei Buchstaben. Tausend neue Möglichkeiten. Eine große Zukunft." Mit der Anzeige suchte VW einen Entwicklungsingenieur für Antriebselektronik im VW-Werk Wolfsburg.

"Viele Anzeigen formulieren gar nicht, was die Unternehmen tun, auch wenn sie damit rechnen müssen, den Adressaten unbekannt zu sein", wunderte sich Jury-Mitglied Frank Stefan Becker, beim Siemenskonzern für Corporate Communications verantwortlich. "Und es ist offenbar auch nicht selbstverständlich, dass man Aufgaben und Chancen beschreibt oder gezielt mit einem Karriereportal verknüpft."

So warb eine Anzeige mit einem Rennwagen und der Aussage, dass man genau diese nicht produziere. "Das erzeugt doch nur Enttäuschung, wenn man wegen des Rennwagens die Anzeige gelesen hat", ist Sandra Hoffmann, Leiterin des Personalmarketings beim Ingenieurdienstleister Bertrandt, überzeugt.

Continental, auf Rang 2 bei den Stellenanzeigen hinter VW, überzeugte die Jury mit einer Serie dunkel gestalteter Anzeigen, die ganz im Corporate Design des Gesamtkonzerns auftreten. Homepage, Online-Werbung und Anzeigen sind bei Continental aus einem Guss in Schwarz mit orangefarbener Schrift gehalten – und das setzt sich auch in den Image- und Stellenanzeigen fort. Im Mittelpunkt aller Anzeigen und auch des Karriereportals des Konzerns steht die Frage "Are you auto-motivated?" und ein alter Rennwagen als Key-Visual. Der silberne Flitzer trägt mal eine Perlenkette, mal einen Kussmund oder steht neben einem iPod – ganz nach Zielgruppe der Anzeige. Bei der Siegeranzeige für Praktikanten musste es der Renner alleine richten – mit einer sehr konzentriert formulierten Ansprache.

Mittelständler waren bis zum Ende im Rennen um die ersten Plätze. Schließlich schafft es Schenck Process mit seiner Personalanzeige aufs Treppchen. Das Unternehmen, mit 3000 Mitarbeitern – nach eigenen Angaben – weltweit eines der führenden Unternehmen der Prozess- und Regeltechnik, versucht in der prämierten Stellenanzeige, seinen Nachteil wettzumachen, über kein Endkundenprodukt oder keine Endkundenmarke zu verfügen. Deshalb spielt das Motiv mit dem Kontrast des gewickelten Kinderpopos und der augenzwinkernden Aussage "Von wegen trockener Job". Der Text darunter stellt das den meisten Ingenieuren vermutlich unbekannte Unternehmen in wenigen Zeilen vor.

"Das Unternehmen nutzt ausgesprochen schnell die Chance, sich zu präsentieren", lobt Jury-Mitglied Frank Dohmen, Personalleiter der Basalt-Actien-Gesellschaft im rheinischen Linz. "Schenck ist ein Beispiel, dass auch Mittelständler im Konzert der Großen mitspielen können, wenn sie sich nicht verstecken, sondern mit etwas Fantasie ihre Stärken präsentieren. Und das ist Schenck ausgezeichnet gelungen."

Sicher kein Zufall sei, kommentiert Torsten Frankenberger, Geschäftsführer der Düsseldorfer Unternehmer-Beratung Droege & Comp., dass fünf der sechs Preisträger aus der Automobilindustrie kommen: "Gerade die Autoindustrie ist es gewöhnt, mit ungewöhnlicher Werbung hochemotionale Produkte zu verkaufen. Da kann man bei Stellenanzeigen nicht einfach auf Standard zurückfallen." axe

www.vdi-nachrichten.com/personalaward2012

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