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Freitag, 22. Februar 2019

Unternehmensporträt

Eigentlich ist Kunststoff überall zu finden"

Von Manfred Burazerovic | 11. Oktober 2013 | Ausgabe 41

Der Weltkonzern 3M ist seit 1973 auch in Deutschland ansässig. Das Bekenntnis zur Zukunft des deutschen Standort ist klar und eindeutig. Er soll weiter ausgebaut werden, nicht nur in der Verwaltung, sondern auch in der Produktion.

"Eigentlich ist Kunststoff überall zu finden"

Birte Kumutat und Jan Forster: Der Kunststoffbereich ist innovativ, verändert sich und ist sehr spannend. Foto: Burazerovic

Heute basiert ein großer Teil der 3M-Produkte auf der Polymerverarbeitung. "Kunststoff hat eine wahnsinnige Entwicklung durchgemacht seit den 70er-Jahren. Es ist wahrscheinlich der Werkstoff, den man am besten maßschneidern kann, weil man versteht, wie man die Materialien beeinflussen kann. Wir haben hier promovierte Chemiker, die genau das tun. Und wir Ingenieure kümmern uns dann darum, wie aus den Rohmaterialien Produkte entstehen können, vielfach auch in Kombination mit anderen Werkstoffen als Verbundwerkstoffe oder als Werkstoffverbund. Und darin sind wir bei 3M sehr erfahren. Beispielsweise, wie Materialien mithilfe von Klebstoffen, also Polymeren, zusammengebracht werden", berichtet Jan Forster, Team Leader Process Laboratory von 3M in Neuss.

Der 39-Jährige hat an der RWTH Aachen Maschinenbau studiert, in Richtung Kunststofftechnik vertieft und nach dem Diplom am Institut für Kunststoffverarbeitung in Aachen promoviert.

3M

Über das Institut entstand auch der Kontakt zu 3M. Nach dem Direkteinstieg 2006 arbeitete Jan Forster im Corporate Research Labor an sehr breit angelegten Entwicklungsthemen, die von medizinischen über Automobil- und Industrieanwendungen bis hin zu Anwendungen im Bereich Personal Care reichten. "Wenn man sich umschaut, ist eigentlich überall Kunststoff zu finden, in den verschiedensten Ausprägungen. Es wird immer mehr, ist zukunftssicher und interessant. Viele neue technisch anspruchsvolle Produkte sind aus Kunststoff oder haben Kunststoffkomponenten. Ich fand es ganz reizvoll, für einen Konzern zu arbeiten, der die extreme Vielfalt der Anwendungen für Kunststoff widerspiegelt", berichtet Jan Forster.

7000 Forscher, 25 000 Patente und 50 000 Produkte belegen die starke Innovationskraft von 3M, heißt es in der Selbstdarstellung des Unternehmens. Aber Innovationen könne man nicht erzwingen, sondern lediglich ein entsprechendes Umfeld schaffen, konstatiert Jan Forster. Die bei 3M geltende 15 %-Regel – jeder technische Mitarbeiter darf 15 % seiner Arbeitszeit frei für eigene Ideen einsetzen – schaffe unter anderem ein Arbeitsumfeld, in dem Innovationen auch gelingen können.

Spezialisten hätten aber im Unternehmen genau die gleiche Wertigkeit wie eine Führungskraft, ergänzt Christoph Häusler, bei 3M im Bereich Recruiting & Talent Management beschäftigt. "Wir zwingen natürlich niemanden dazu, Führungsaufgaben zu übernehmen, das entscheidet ja jeder selbst. Die Spezialistenkarriere ist finanziell auf jeden Fall gleichgestellt, es ist eine Frage der individuellen Stärken."

Seit Anfang der 1950er-Jahre agiert 3M auch als deutsches Unternehmen, seit 1973 mit dem Standort Neuss als Hauptquartier. In den vergangenen 15 Jahren stieg die Mitarbeiterzahl in Deutschland – vor allem durch Akquisitionen – von 2500 auf rund 6000.

Das Bekenntnis zum deutschen Standort ist klar und eindeutig. Er soll weiter ausgebaut werden, nicht nur in der Verwaltung, sondern auch in der Produktion. "Viele Unternehmen verlagern ihre Produktion in Länder mit geringeren Lohnkosten, aber wir haben festgestellt, dass im Wesentlichen die Qualität und die Nähe zum Markt entscheidet, wo produziert wird. Die Arbeitskosten spielen auch eine wichtige Rolle, sind aber nicht allein entscheidend", erläutert Christoph Häusler.

Mittlerweile kann das Unternehmen auch genau die Ingenieure rekrutieren, die benötigt werden. Durch gezielte Zusammenarbeit mit den örtlichen Hochschulen, über die Vergabe von Praktika, Diplom- und Masterarbeiten sowie Werkstudententätigkeiten werden potenzielle Einsteiger an das Unternehmen herangeführt. So könne man die Kandidaten eine Zeit lang beobachten und überlegen, ob eine stärkere Zusammenarbeit infrage kommt. Gefragt sind Ingenieurinnen und Ingenieure mit dem gesamten Querschnitt der Qualifikationen. Für die Produktionsbereiche werden in der Regel Bachelor- und Masterabsolventen eingestellt. Im Laborbereich gibt es auch Bedarf an promovierten Absolventen. "Das hängt aber auch wirklich von dem einzelnen Fachgebiet ab. Bachelorabsolventen stellen wir ein, weil letztendlich die Persönlichkeit entscheidet. Wir investieren sehr viel in Ausbildungs- und Trainingsprogramme und auch in Einarbeitungsphasen. Die fachlichen Skills müssen selbstverständlich vorhanden sein, uns ist es aber genauso wichtig, dass jemand insgesamt zum Unternehmen passt", erläutert Christoph Häusler.

Bei Birte Kumutat passt es beispielsweise. Sie arbeitet im 3M-Werk in Hilden im Bereich Traffic Safety Systems. Derzeit betreut sie eine Anlage zur Folienherstellung. "In meiner Funktion als Prozess- und Betriebsingenieurin ist die Begleitung der Produktion in Qualitäts- und Prozessfragen ein wichtiger Bestandteil meines Aufgabenbereiches. Darüber hinaus arbeite ich in Projekten an der Umsetzung von technischen Erneuerungen und Prozessoptimierungen. Durch die Zusammenarbeit mit dem Bereich Forschung und Entwicklung bin ich an der Überführung von neuen Produkten in den Produktionsbetrieb beteiligt", berichtet die Absolventin des Studiengangs Bioingenieurwesen an der TU Dortmund, in dem Grundlagen der Verfahrenstechnik mit dem Schwerpunkt Biologie vermittelt werden.

Eingestellt wurde die 28-jährige Birte Kumutat nach einer ganz normalen Bewerbung als Verfahrensingenieurin und arbeitet nun in einem Team mit einem Mix aus Jung und Alt, sodass sie bei Bedarf erfahrene Leute im Team zurate ziehen kann, die vieles schon selbst erlebt haben und diesen Erfahrungsschatz weitergeben können. "Der Kunststoffbereich ist innovativ, verändert sich und ist sehr spannend. Es gibt aus verfahrenstechnischer Sicht so viele Möglichkeiten, sich auszutauschen, sich einzusetzen", zieht Birte Kumutat eine positive Bilanz.  MANFRED BURAZEROVIC